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31.08.2022

Nach der Messe direkt ans Meer

Zeit für den Gottesdienst im Urlaub

Kühne Architektur unter strahlend blauem Himmel: An der Adriaküste, rund um Venedig, stehen viele moderne Kirchenbauten, hier Santa Maria Assunta (Mariä Aufnahme in den Himmel) in Bibione. Foto: Krauß

Kein Stress, kein Druck, freie Zeit vom Sonnenaufgang bis zum Abendrot. Wer freut sich nicht darauf, im Urlaub endlich einmal nicht auf die Uhr schauen zu müssen. Und doch ist da ein Termin, den sich viele Reisende auch am Urlaubsort nicht nehmen lassen: der gewohnte Gottesdienstbesuch. Wir baten Leserinnen und Leser, von ihren ganz persönlichen Traditionen und Erlebnissen zu erzählen.

Im Rollstuhl zum Strand

Helmut Krauß aus Treuchtlingen hat zwei Bilder von Kirchen geschickt, die er im Urlaub in Bibione regelmäßig besucht. Schon seit Mitte der 1980er-Jahre macht der Familienvater mit den Seinen Urlaub an der Adria, praktisch jedes Jahr. „Heuer waren wir schon Ende Juni unten“, erzählt Krauß. Mit „wir“ meint er seine Ehefrau und seine erwachsene Tochter, die auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Sie badet so gern im Meer“ erzählt der Vater. Das strahlende  Gesicht ihrer Simone ist für die Eltern auch ein Grund, warum sie mit über 70 Jahren noch immer die stressige Autofahrt Richtung Süden antreten. Meistens bleiben sie zwei Wochen in Bibione, immer im selben Hotel. Dessen Besitzer, so weiß Krauß, hat bewusst einen behindertengerechten Bau errichtet, nachdem sein eigener Sohn durch einen Motorradunfall zum Betroffenen geworden war. 

Mit dem Bau des neuen Gebäudes auf dem Gelände eines Klosters war die Auflage verbunden, eine Kirche zu errichten. So entstand Santo Stefano, wo Familie Krauß gern den Sonntagsgottesdienst besucht. Mit dem Rollstuhl gelange man anschließend durch Garten und Pinienwäldchen direkt zum Strand, erzählt der Treuchtlinger, der noch in einer weiteren Kirche in Bibione Stammgast ist: in der Pfarrkirche Santa Maria Assunta mit ihren bunten Glasfenstern. Dort, so weiß Krauß, findet sogar manchmal ein deutschsprachiger Gottesdienst statt.

Bleibende Freundschaft

Mit hörbarer Freude erzählt Kirchenzeitungs-Leserin Helga Kapfer aus Postbauer-Heng bei Neumarkt am Telefon von ihrer ganz persönlichen Gottesdienst-Tradition im Urlaub, aus der sogar eine bleibende Freundschaft entstanden ist:

„Wir sind viele Jahre an den selben Ort gefahren“, erzählt die Mutter dreier erwachsener Kinder,„nach Milano Marittima“. In diesem Adria-Badeort unweit von Ravenna hatte die Familie eine schöne Pension gefunden, die sich direkt gegenüber einer Ordens-Niederlassung befand. Ursulinen aus Verona betrieben auf dem Gelände einen Kindergarten, aber auch ein Gästehaus, in dem Ordensleute Urlaub machen konnten. 

Die Spielgeräte des Kinder-gartens zogen die Kapfer-Kinder magisch an und die Schwestern hatten nichts dagegen, dass sie, inmitten italienischer Mädchen und Buben, einfach mitspielten. Erst recht freuten sich die Ordensfrauen, dass sich die Oberpfälzer Familie auch im Abendgottesdienst regelmäßig blicken ließ. „Ich brauch’ das Spirituelle auch im Urlaub“, meint Helga Kapfer, die sich im Urlaub von Jahr zu Jahr leichter tat, in die auf Italienisch gesungenen Marienlieder einzustimmen.

Dass auf dem Areal der Schwestern auch Gottesdienste in ihrer Muttersprache stattfanden, stellten die Kapfers eines Morgens eher zufällig fest: Gerade angekommen am Urlaubsquartier, noch übernächtigt von der langen Autofahrt, vernahmen sie aus dem gegenüberliegenden geöffneten Fenster der Hauskapelle vertraute Worte. „Ich geh’ rein“, erinnert sich Helga Kapfer, „und muss wohl laut gedacht haben: Uii, a Messe auf Deutsch!“ Der Priester las sie in Gegenwart einer urlaubenden Wiener Ordensfrau, der nun ebenfalls die Überraschung ins Gesicht geschrieben stand: Als Niederbronner Schwester hatte Elisabeth Krakhofer an diesem 31. Juli nicht damit gerechnet, ausgerechnet im Gedenkgottesdienst zum Todestag von Ordensgründerin Mutter Alfons Maria Eppinger unverhofft Gesellschaft aus Neumarkt zu bekommen. Also aus dem Ort, wo sich lange der Sitz der Ordensprovinz befand und wo im Kloster St. Josef noch heute 120 Niederbronner Schwestern (Schwestern vom Göttlichen Erlöser) leben und arbeiten.

23 Jahre liegt diese erste Begegnung schon zurück. Aber der Kontakt ist seither nie abgerissen. Wenn Schwester Elisabeth, die bis zu ihrer Pensionierung als Mathematik- und Religionslehrerin in Wien gearbeitet hat, regelmäßig auf Tagungen ins Neumarkter Kloster kommt, „dann ruft sie an und wir treffen uns“, berichtet Kapfer. 

Bei allen Urlauben, die sie in Milano Marittima verbracht hat, gehörte der Besuch der Frühmesse bei den Ursulinen seither dazu, ebenso wie die öffentliche Abendmesse. „Gerade im Urlaub hat man doch Zeit“, findet sie und schwärmt davon, wie es nach dem abendlichen Gottesdienst stets nochmals zurück an den Strand ging, um das Abendrot zu genießen. „Das war unser tägliches Ritual.“ 

Schöner Schlusspunkt

Etliche Breitengrade weiter nördlich befindet sich die Kirche, mit der unsere Nürnberger Leserin Gunthild Koselka schöne Urlaubserinnerungen verbindet: das Gotteshaus in Tallaght, einem Vorort von Dublin. „Wir erlebten dort einen tollen Gottesdienst auf unserer Hochzeitsreise im Juli 2018“, erzählt Koselka. „Zuerst suchten wir länger, wo die katholische Kirche überhaupt ist, im zweiten Anlauf fanden wir sie.“ Die beiden studierten den Gottesdienstanzeiger in der Schautafel und beschlossen, zur Samstagabendmesse wiederzukommen. Das, was ein Dominikanerpater dann auf Englisch predigte, „war eine gute Zusammenfassung unseres Urlaubs“, erinnert sich Koselka an die Bibelstelle „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus“. In der Tat hatten die beiden in den zwei Wochen ihres Aufenthalts bei Wanderungen zwischen Wasser, Wiesen und Fjorden viel Ruhe tanken können. „Am Sonntagabend vor dem Heimflug gingen wir nochmals in diese Kirche. Wir wollteneine Kerze anzünden und um eine gute Heimreise beten. Da war dann auch noch mal ein Gottesdienst. So hörten wir uns nochmal die Predigt an.“ 

Daheim in der Fremde

Dass es auch für den Ortspfarrer schön ist, im Gottesdienst Besuch von Auswärtigen zu bekommen, bestätigt der Seelsorger von Ellingen im Fränkischen Seenland, Domvikar Dr. Thomas Stübinger: In seiner Pfarrei seien zum Beispiel an Mariä Himmelfahrt Urlauber mit Kräuterbüscheln bei der abendlichen Prozession in Fiegenstall mitmarschiert. Ehe er selbst in Urlaub ging, richtete Stübinger auf seiner Pfarrhomepage noch Grüße an die Gemeinde. Er höre sehr oft, schreibt er, „dass Urlauber gerne die Kirchen in ihren Urlaubsorten besuchen“. Leute, die den Ablauf des Gottesdiensts kennen, fühlten sich in der Heiligen Messe auch daheim, wenn eine andere Sprache gesprochen und ungewohnte Lieder gesungen werden, meint er im Gespräch mit der KiZ. Nicht zuletzt sei eine Kirche in heißen Gefilden auch ein angenehmer Ort, „wo es ein wenig kühler ist, wo man zum Nachdenken kommen kann“. 

Gabi Gess


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