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Serie: Lebensfragen - Lebenshilfe

04.10.2013

"Immer bist du der Bestimmer"

Foto: Paul-Georg Meister Pixelio

Foto: Paul-Georg Meister Pixelio

Wenn Sie wieder einmal herzhaft lachen wollen, dann hören Sie sich das Lied "Der Bestimmer" von Willy Astor an. Auch ein Klick auf das Video dieses Liedes im Internet lohnt sich. Gleich in der ersten Strophe beleuchtet der geniale bayerische Wortakrobat, wie die Machtverhältnisse in der Ehe unserer Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel mit Prof. Dr. Joachim Sauer verteilt sind, beziehungsweise wie das mit dem Bestimmen und dem Über sich bestimmen lassen bei den beiden so funktioniert.

Hinsichtlich der Machtverhältnisse waren die Ehen unserer Großeltern eindeutig nach dem Oben-Unten-Machtgefälle des traditionellen Rollenmodells aufgebaut. Das bedeutete konkret: Der Mann bestimmte, die Frau folgte ihm. Heute dagegen ist für junge Paare eine reife Liebesbeziehung, eine liebevolle Begegnung auf "gleicher Augenhöhe" die Grundvoraussetzung für ihr gemeinsames Glück. Während früher die totale Anpassung der Frau und die Selbstbehauptung des Mannes die Grundlage einer stabilen Ehe bildete, kann diese Aufteilung heute schnell zur Trennung führen. Meine Erfahrungen zeigen, dass eine gute Grundlage für eine glückliche Partnerschaft dann gegeben ist, wenn sich in ihr Bestimmen und Über sich bestimmen lassen nach dem Motto "Mal bestimmt die Frau und der Mann schließt sich an, mal bestimmt der Mann, und die Frau schließt sich an" abwechseln. Ähnlich wie bei einem Tanz übernimmt einmal die Frau und ein andermal der Mann die Führung.

Beziehungsausgleich

Elisabeth (53) und Walter (55) erzählten mir, dass sie seit fast 20 Jahren sehr zufrieden mit der Mischung der beiden Bestimmungs-Pole in ihrer Ehe sind. Ihre Arbeitsteilung funktioniert wie folgt: Wenn es um den nächsten Winterurlaub geht, übernimmt Elisabeth federführend die Planung, da sie sich hervorragend mit den zahlreichen Angeboten der Reiseveranstalter auskennt und Walter schließt sich gerne ihrer Empfehlung an. Ist eine neue Telefonanlage im Hause zu installieren, bestimmt Walter das Vorgehen, da er sich als geschickter Handwerker gründlich in die Materie eingearbeitet hat und Elisabeth hilft ihm beim Einbau.

Wenn Sie sich eingehender mit der Macht-Thematik in Partnerschaften beschäftigen wollen, dann empfehle ich Ihnen die sehr lesenswerten Bücher des Paartherapeuten Hans Jellouschek. Für ihn wirkt sich eine ausgeglichene Balance der Pole Bestimmen

und Über sich bestimmen lassen äußerst positiv auf die Liebesbeziehung aus. Er schreibt: "In der Paarbeziehung braucht man beides, sowohl Anpassung als auch Selbstbehauptung, und es funktioniert dann am besten, wenn beide zu beidem bereit sind, sodass insgesamt in der Beziehung ein Ausgleich stattfindet: Jeder der beiden Partner passt sich dem Anderen einmal an und ein anderes Mal setzt er sich durch. Dieser Ausgleich schafft eine positive Wechselwirkung, eine Nahrung für die Liebe der beiden füreinander".

Warum sich gerade der Umstand, dass ein Partner über sich bestimmen lässt, besonders positiv auf die Partnerschaft auswirkt, erklärt Jellouschek wie folgt: "Wenn ich die Erfahrung mache, mein Partner lässt sich in diesem oder jenem Punkt von mir etwas sagen, er richtet sich nach meiner Meinung, er nimmt meine Impulse auf, heißt das ja: Ich habe Einfluss auf ihn. Also bin ich ihm wichtig. Dem anderen wichtig zu sein gehört zur Liebe unmittelbar dazu."

Abschließend sei erwähnt, dass es in einer Liebesbeziehung immer wieder auch notwendig ist, zwischen zwei mehr oder weniger gegensätzlichen Positionen der Partner einen Kompromiss zu finden. Folgende drei Schritte können beim Finden einer erfolgreichen Lösung helfen: 1. Klarstellen "Was willst du, was will ich?". 2. Ausloten "Wieweit bin ich bereit, dir entgegenzukommen, und wieweit bist du bereit, mir entgegenzukommen?" 3. Herausfinden "Wie sieht eine Lösung aus, bei der wir uns in der Mitte treffen?"

Dr. Gerhard Nechwatal, Kirchenzeitung vom 6. Oktober 2013

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 20 vom 16. Mai

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