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Serie: Lebensfragen - Lebenshilfe

29.08.2013

Beachten Sie die Glückspflegeanleitung!

Das Gelingen einer Partnerschaft ist zum einen ein großes Geschenk – eine Gnade, zum anderen aber auch das Ergebnis eines soliden Handwerks, also ein Produkt anhaltender und angemessener Bemühungen. Ebenso wie jedes Lebewesen, jede Pflanze, ja sogar jede Maschine ihre Pflege braucht, so bedarf auch das Liebesglück – auch wenn es in Fülle vorhanden ist – seiner Pflege.

Wenn es ein Bewusstsein von der Notwendigkeit einer Glückspflege gibt, dann am ehesten bei glücklich verheirateten Paaren. Niemals sehen diese ihre Ehe als ein vollendetes Kunstwerk an, sondern immer als pflege- und gestaltungsbedürftigen gemeinsamen Weg.

Die Glückspflege kann sowohl auf das "Wollen" wie auch auf das "Können" im Paarleben abzielen. Jemanden zu lieben bedeutet zunächst einmal, mit ihm entschlossen einen gemeinsamen Entwicklungsweg gehen zu wollen, sich im Laufe des Zusammenseins immer wieder neu für ihn zu entscheiden. "Wo ein Wille, da ein Weg" heißt ein Sprichwort, und in der Tat: Der Wille ist wie überall im menschlichen Leben die Triebfeder für jede Handlung. Möglicherweise muss auch einmal an dieser Triebfeder – ähnlich wie bei einer Fußballmannschaft, die sich neu finden muss – im Rahmen der Glückspflege gearbeitet werden.

Lieben bedeutet aber auch, einen gemeinsamen Weg in der Partnerschaft gehen zu können. In den verschiedenen Entwicklungsphasen des Paarlebens stellt sich beiden Partnern immer wieder die Aufgabe, zusammen ein Rüstzeug, ein Know-how für das gelingende Miteinander zu entwickeln und dieses dann den sich verändernden Gegebenheiten anzupassen. Eine Ehe ist in diesem Sinne auch eine lebenslange Lerngemeinschaft. Wir können daher eine Partnerschaft in gewisser Weise als ein neurologisches Fitness-Center betrachten, in dem unser Gehirn – ganz nach dem Motto "use it or lose it" (= benütze es oder verliere es) – fortwährend in Schwung bleibt.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Die Glückspflege in der Partnerschaft hat viel mit Selbstmotivation und Selbstmanagement beider Partner zu tun. Nach dem Motto von Erich Kästner, "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es", gilt es, sich, aller Zeitnot zum Trotz, Zeiträume zu reservieren und allein oder zu zweit Dinge des Zusammenlebens zu reflektieren.

Im Folgenden stelle ich Ihnen eine kleine Übung zum Glücksfaktor Aufmerksamkeit vor, die Sie allein in einer ruhigen Stunde entspannt durchführen können. Die "love map" – Übung des bekannten Paarforschers John M. Gottman – soll Ihnen helfen, Ihre Partner-Landkarte wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Testen Sie Ihre Kenntnisse über Ihre Partnerin/Ihren Partner anhand folgender Fragen: Kann ich die besten Freunde meines Partners nennen? Kann ich sagen, mit welchen Problemen mein Partner gerade konfrontiert ist? Kann ich einige der Lebensträume meines Partners nennen? Weiß ich, welche Musik mein Partner am liebsten mag? Kann ich das schwerwiegendste Ereignis nennen, das meinem Partner in der Kindheit widerfuhr? Kenne ich die wichtigsten Ängste, von denen mein Partner derzeit heimgesucht wird? Kann ich genau schildern, was mein erster Eindruck von meinem Partner war? Kenne ich den Lieblingsfilm meines Partners? Weiß ich, was meinem Partner Stress macht? Weiß ich, wie ich meinen Partner am besten beruhigen kann?

Ähnliche Reflexionshilfen und anregende Texte zum Selbststudium gibt es in der Fachliteratur, die jedes Jahr zum Thema Partnerschaft veröffentlicht wird. An dieser Stelle möchte ich auch auf die zahlreichen Erwachsenenbildungsangebote für Paare (Wochenendseminare wie die "Partnerschule" auf Schloss Hirschberg, Kommunikationstrainings, Vorträge, etc.) der katholischen Erwachsenenbildung und anderer Bildungsträger hinweisen. Insbesondere die Begegnung mit anderen Paaren, der Austausch mit diesen und der Prozess des Voneinander-Lernens verleiht diesen Veranstaltungen ihren ganz besonderen Reiz.

Dr. Gerhard Nechwatal, Kirchenzeitung vom 1. September 2013

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 20 vom 16. Mai

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