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21.06.2019

Zwischen Glaube und Gender-Wahn Kongress des Forums Deutscher Katholiken tagt in Ingolstadt / Vorwürfe an Bischöfe und Grüne

Mehrere hundert Menschen haben am 19. Kongress „Freude am Glauben“ teilgenommen, zu dem das Forum Deutscher Katholiken erstmals nach Ingolstadt eingeladen hatte. Die Stadt wurde bewusst mit Blick auf die gegenwärtige innerkirchliche Diskussion gewählt. Ingolstadt sei für die Selbstreform der Kirche im 16. Jahrhundert von großer Bedeutung gewesen, heißt es in einem Grußwort des Zusammenschlusses an Papst Franziskus:

Foto: Buchner

Bühne frei für die Glaubensfreude: Das Forum Deutscher Katholiken versammelte sich zu seiner jährlichen Tagung erstmals im Ingolstädter Stadttheater. Auch 2020 geht es an die Donau. Foto: Buchner

„Namen wie Johann Eck, Petrus Canisius und Jakob Rem erinnern uns an die Aufgabe von heute.“ Der Vorsitzende des Forums, Prof. Dr. Hubert Gindert, sprach gegenüber der KiZ von „Neuaufbrüchen in einer Krisensituation“. Dazu sollten die Gläubigen auch heute beitragen.

Rund 300 Anmeldungen gab es dieses Jahr zu dem Kongress, Gindert schätzte die Gesamtzahl der Gäste auf bis zu 750. Im Eröffnungsgottes-
dienst im Liebfrauenmünster würdigte auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer Ingol-
stadt als Ort der Wirkungsstätten bedeutender christlicher Persönlichkeiten wie Eck oder Canisius. Eine Absage erteilte Voderholzer dem Frauenpriestertum. Jesus habe bewusst nur Männer als Apostel berufen, „als Stammväter des neuen Jerusalem, die ihn dann zu vergegenwärtigen hatten auch im christlichen Kult“. Nach den Worten des Bischofs gab es in den antiken Kulturen durchaus Priesterinnen. Deren Dienst sei aber mit der „Tempelprostitution“ verbunden gewesen. Kritisch äußerte sich Voderholzer auch zur sogenannten Gender-Ideologie und begrüßte das jüngst erschienene Vatikanpapier zu dem Thema (siehe S. 13).

Voreheliche Reinheit

Erstmals fand beim Kongress ein eigenes Jugend- und Studierendenprogramm statt (siehe S. 5). Auch ein Medien- und Kommunikationstraining wurde angeboten. Im Plenum im Stadttheater standen an dem Kongresswochenende zwei Podiumsdiskussionen und acht Vorträge auf dem Programm. Auf Wortmeldungen aus dem Publikum wurde verzichtet. Im Foyer waren rund 45 Infostände verschiedener kirchlicher Organisationen aufgebaut. Die Bandbreite reichte von Angeboten wie „Neun Stufen zur vorehelichen Reinheit“ bis zu kirchenpolitischen Initiativen wie „Gender-Gaga stoppen!“ oder „Gott braucht Männer“. In seinem Vortrag über die „letzte Schlacht“ um Ehe und Familie bemängelte der Publizist Jürgen Liminski „verwirrte Ansichten“, die zu diesem Thema im zeitgenössischen Diskurs vorherrschten. Er warf den Grünen vor, Promiskuität und Polyamorie zum Normalfall erheben zu wollen, also häufigen Partnerwechsel und die gleichzeitige Liebe zu mehreren Partnern.

Der Trierer Kirchenrechtler Christoph Ohly erläuterte in einem theologischen Vortrag, die Kirche lebe von der Eucharistie, „die ohne den Priester nicht gefeiert werden kann“. Sie sei keine von der Gemeinde selbst gestaltete Feier. Betont zurückhaltend äußerte er sich gegenüber Wort-Gottes-Feiern ohne Priester. Auch politischen Reformforderungen an die Kirche erteilte er eine deutliche Absage. In dieser ekklesiologischen Haltung fand Ohly Unterstützung beim Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, der das Pontifikalamt zum Abschluss des Kongresses im Ingolstädter Münster zelebrierte. Kirche sei kein menschlicher Verein, keine Anstalt zur Verbesserung der Sitten, sagte der Bischof: „Kirche ist von Gott gewollt, man kann sie nicht einfach machen oder konstituieren.“ Jede Reform sei somit eine Frage des Glaubens an den auferstandenen Jesus. Die Auferstehungsgeschichten enthielten bereits das pastorale Programm, wie Kirche lebendig werden könne.

In dem Grußwort an den Papst bekundete das Forum, durch die deutsche Kirche gehe ein „tiefer Riss, der den überlieferten Glauben der Gesamtkirche betrifft“. In einer beim Kongress verabschiedeten Resolution wird dies näher erläutert. Darin ist von „Verwirrung, Frustration und Spaltung“ die Rede. Man sehe einen Neuanfang im Glauben nur, wenn die Übel beim Namen genannt würden und die Fehlent-
wicklungen, „die Gott aus dem Mittelpunkt des Denken und Handelns gerückt und den Menschen an seine Stelle gesetzt haben“, korrigiert würden.

Gegen „synodalen Weg“

Vorwürfe erhebt das Papier unter dem Leitwort „Das Evangelium wieder zum Leuchten bringen“ gegen die Mehrheit der deutschen Bischöfe. Diese wollten den Ursachen für die Entwicklungen nicht nachgehen, sondern stellten die Weichen für einen „synodalen Weg“, der die bekannten Fragen wie Zölibat, Frauenpriestertum, Sexualmoral und Homosexualität thematisiere.

In einer ersten Bilanz der Ingolstädter Versammlung sagte Gindert der KiZ: „Dieser Kongress ist eine Chance für uns – wenn wir anders herausgehen, als wir hereingekommen sind.“ Ziel des Forums sei es, wichtige Fragestellungen in Gesellschaft und Kirche aufzugreifen. „Wir wollen nicht nur bei der Ist-Situation bleiben, sondern uns fragen, wie die Situation verändert werden kann“, so der 85-Jährige. Bischof Hanke drückte im Pontifikalamt den Wunsch aus, dass der Kongress für die Teilnehmenden keine „Inselerfahrung“ gewesen sein möge, sondern ein „Kraftwerk“. Gott sei gegenwärtig, „er spricht bereits zu uns. Er ist der Fremde, der Unbekannte. Es gilt zu hören, zu lauschen, auf seine Klopfzeichen“. Der nächste Kongress „Freude am Glauben“ findet vom 12.-14 Juni 2020 erneut in Ingolstadt statt.

Bernd Buchner/fob


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 14. Juli 2019

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