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12.07.2019

Zum Auftakt eine Sternwallfahrt Ziel: der Pontifikalgottesdienst im Eichstätter Dom zu Beginn der Willibaldswoche

Schwere graue Wolken hängen über der Klosterkirche Eichstätt-Rebdorf. Die fünf Musikanten der Gruppe Stahlblosn schützen ihre Instrumente vor dem strömenden Regen und eilen zum Gotteshaus. Zahlreiche nasse Schirme liegen an der Pforte. Sie gehören den knapp 60 Pilgerinnen und Pilgern, die dem Wetter trotzen und an der Sternwallfahrt der Pastoralräume und Pfarreien am Hochfest des heiligen Willibald teilnehmen.

Foto: Gess

„Deine Sendung“ – unser Auftrag“ lautet das Motto der Willibaldswoche. Der Spruch, der auf dem Regenschirm der stellvertretenden Diözesanratsvorsitzenden Marlies Müller prangt, hätte heuer ebenfalls gepasst: „Gott lässt Dich nicht im Regen stehen!“ Foto: Gess

In Begleitung von Domkapitular Reinhard Kürzinger, dem Leiter der diözesanen Pilgerstelle, wollen sie nach einer kurzen Statio zu Fuß zum Dom ziehen.

Für manche sei die Teilnahme an der Sternwallfahrt schon zu einer liebgewordenen kleinen Tradition geworden, berichtet Kürzinger. Aber es stoßen auch jedes Jahr neue Interessierte dazu, wie etwa die Mederers aus Pölling bei Neumarkt. Dass sie bislang nicht dabei waren, hat einen triftigen Grund: Die Pfarrei Woffenbach, mit der Pölling den Pfarrverband Neumarkt-West bildet, begeht ebenfalls am Willibaldsfest ihr Patrozinium. Und das werde als richtig große Kirchweih von Freitag bis Montag gefeiert, berichtet Johann Mederer, der in Pölling Pfarrgemeinderatsvorsitzender ist. Heuer hat er bewusst einmal die Einladung aus Eichstätt angenommen, seinen Pastoralraum bei der Sternwallfahrt zu vertreten. Bei Mederer, der einst in Eichstätt Abitur gemacht hat, steht aber noch eine weitere Veranstaltungder Willibaldswoche im Terminkalender: „Am Freitag komm’ ich nochmal mit dem Mesner zur Wallfahrt der Männer. Das machen wir schon seit mehreren Jahren.“

Das besondere Interesse von Hildegard Höfner und Berta Schneider aus Heideck hingegen gilt dem Nachmittag der Frauen, der gleich am ersten Tag der Willibaldswoche auf dem Programm steht (siehe Bericht S. 5). Und „weil wir beide viel laufen und viel in der Kirche sind“, sind sie schon morgens nach Rebdorf gefahren, um sich in den Pilgerzug einzureihen. „Schon ewig“ seien sie Mitglied im Katholischen Frauenbund, berichten die beiden. Und „wenn man beim Frauenbund ist, dann ist man immer gefragt“. Dies sei aktuell der Fall bei den zahlreichen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr „600 Jahre Kappel Heideck“. So hätten viele Aktive keine Zeit, sich an den Angeboten der Willibaldswoche zu beteiligen. Wobei in ihrer Pfarrei durchaus dafür geworben worden sei. „Im Pfarrboten war das ganze Programm der Woche abgedruckt“, erzählt Schneider.

Ganz besondere Bedeutung hat der 7. Juli für Melanie Bittl und Cornelia Dürgner, die gleich das blumengeschmückte Kreuz vorantragen werden: Für die beiden endet an diesem Tag ihr Aufenthalt im Eichstätter you-Haus, und das Willibaldsfest sei dafür „ein schöner Abschluss“. Die angehende Religionspädagogik-Studentin Dürgner ist eine geübte Pilgerführerin: Von ihrem Heimatort Illschwang aus begleitet sie regelmäßig Touren nach Gößweinstein. Kürzinger erteilt den Pilgersegen, die Regenschirme werden aufgespannt, es regnet noch immer. Doch je näher der Dom rückt, desto heller wird der Himmel. Die Altmühl zeigt sich mit großen rosa Seerosen und weißen Schwänen von ihrer schönsten Seite.

Den Glauben kultivieren

Kurz vor dem Ziel macht die Gruppe Halt an einem Schaufenster, das Kürzinger schon bei der Statio in Rebdorf angekündigt hatte: Es ist Teil einer Jubiläums-Ausstellung zum Thema „1.111 Jahre Stadt Eichstätt“ und zeigt den ersten Glaubensboten der Region, den heiligen Willibald. Künstler Stefan Weyergraf hat eine Darstellung aus dem Gundekarianum durch Wachstumsringe ergänzt. Denn Willibald habe „etwas angelegt, das auf Wachstum ausgelegt ist“, deutete Kürzinger das Bild und ergänzt: „Das Glaubensleben muss kultiviert werden, sonst geht es ein im Lauf der Zeit.“ Das Willibaldsfest etwa könne einen Wachstumsschub verleihen. Kürzingers Appell: Das Schaufenster des eignen Glaubens nicht verhängen, sondern echt und glaubhaft Zeugnis geben im Alltag: „Dann bleiben Menschen neugierig stehen und suchen Kontakt. Dann lassen sich Menschen auf jemand ein und vertrauen ihm.“

Bei der Begrüßung der Sternwallfahrer im Dom scherzt Bischof Gregor Maria Hanke über die vielen nassen Regenjacken, die über die Kirchenbänke ausgebreitet sind („Man hätte eine Wäscheleine aufhängen sollen“) und bittet darum, den von Willibald begonnenen Weg des Glaubens weiter mitzugehen. Mit dem päpstlichen Segen und der Auflegung der Willibaldsreliquien endet der Gottesdienst zum Auftakt der Festwoche.

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 14. Juli 2019

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