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28.06.2019

Zeit, um zu reifen und zu wachsen Ein Besuch im you-Haus, kurz bevor das Orientierungsjahr endet / Zweite Runde ab Oktober

Mitten in Eichstätt in einem mehrstöckigen Altbau zwischen Dom- und Marktplatz leben

Carolin, Cornelia, Simone, Melanie und Daniel zusammen. Eine übliche Wohngemeinschaft könnte man meinen, doch hinter den Mauern des ehemaligen Domherrenhofs in der Widmanngasse verbirgt sich viel mehr als eine Zweckgemeinschaft junger Menschen. Gemeinsam nehmen sie als erste Gruppe am you-Projekt der Diözese teil.

Foto: Schiavone

Leben unter einem Dach: Carolin, Cornelia, Simone, Melanie und Daniel zusammen mit Benedikt Rauw und Maria Oberberger. Foto: Schiavone

Ideales Gesamtpaket

Auf ganz unterschiedliche Weise sind sie auf das christliche Orientierungsjahr aufmerksam geworden. Für Simone war bereits nach dem Abitur klar, dass sie vor dem Theologiestudium ein praktisches oder freiwilliges Jahr machen wollte, doch dann ist sie im Internet auf das you-Projekt gestoßen: „Das war für mich einfach das perfekte Gesamtpaket“, erzählt sie im Gespräch mit der KiZ. Berufsorientierung, Praxiserfahrung im Führen eines Haushalts und Zeit für Glaubensfragen: „Das ist eigentlich das Wertvolle an dem Projekt, dass man hier reifen und erwachsen werden kann und auch Raum hat Fehler zu machen und trotzdem in der Gemeinschaft angenommen wird.“

Ganz anders kam Cornelia zum Orientierungsjahr. Die gelernte Werkzeugmechanikerin war in ihrem Job nicht mehr glücklich: „Ich wollte einfach was anderes machen, wusste aber nicht was. Soll ich Techniker oder Meister machen oder studieren? Da fand ich die Idee spannend, sich ein Dreivierteljahr zur Orientierung Zeit zu nehmen.“

Seit Oktober 2018 leben die jungen Bewohner unter einem Dach. Zusammen durchlaufen sie eine ebenso facetten- wie ereignisreiche Zeit. Dabei gleicht kein Tag dem anderen. Montags ist immer Wüstentag, das heißt sechs Stunden Schweigen. Der Dienstag steht meistens im Zeichen der Lehre. Es gibt Referate über pastorale Themen von Domvikar Christoph Wittmann oder anderen Dozenten. Am Donnerstagnachmittag steht hingegen das Sozialpraktikum auf der Agenda, bei dem beispielsweise in sozialen Einrichtungen mit angepackt wird. Aber auch erlebnispädagogische Freizeitaktivitäten und Gitarren- oder Klavierunterricht am Freitag gehören zum Programm. Doch „oft weicht das Programm auch vom Wochenplan ab“, gibt Daniel grinsend zu. So war die Gruppe mehrmals in Salzburg oder gar eine Woche lang in Israel, um die Wirkungsstätten Jesu zu besuchen. Für alle fünf war das ein ganz besonderes Highlight.

In den ersten Monaten stand die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit im Fokus: Was will ich im Leben? Was ist mir wichtig? Was macht mir Angst und warum? Die Gruppe war dazu bei einem Persönlichkeitscoach im Allgäu. Simone erinnert sich daran gerne zurück: „Da haben wir als Gruppe zusammengefunden und sind zusammengewachsen.“

Nach der Arbeit am eigenen Selbst folgten die Auseinandersetzung mit der persönlichen Gottesbeziehung und Praktika. Dabei haben die Teilnehmer in die unterschiedlichsten Betriebe geschnuppert, vom Dachdecker bis hin zum Bestatter. In der letzten Phase stand unter anderem das Mitwirken in einer Pfarrei an. Während ihrer missionarischen Woche in Neumarkt haben sie einenFrauen- und einen Barmherzigkeitsabend organisiert und einen Tag mit Jugendlichen gestaltet. Immer zur Seite stehen ihnen dabei Domvikar Christoph Wittmann, Direktor des diözesanen Zentrums für Berufungspastoral, Mitarbeiter Benedikt Rauw sowie Maria Oberberger, die ein Freiwilliges Soziales Jahr im you-Haus leistet.

Das Orientierungsjahr hat vor allem positive Spuren hinterlassen. Was keiner von den fünf missen will, ist die Erfahrung vom Leben in der Gemeinschaft. Die Freundschaften, der Zusammenhalt und das gegenseitige Vertrauen, das zwischen den fünfen entstanden und gewachsen ist, auch wenn das Zusammenleben nicht immer ganz einfach war, wie Daniel, der einzige männliche Bewohner, offen zugibt. Carolin hat vor allem die Arbeit mit Menschen gefallen: „Noch vor einem Jahr war ich total schüchtern. In Neumarkt habe ich jetzt auf der Straße sogar fremde Menschen angesprochen. Das war schon eine Herausforderung, aber das hat mein Selbstbewusstsein unglaublich gestärkt und mir geholfen, innerlich zu wachsen.“Für Simone war die Zeit eine ganz besondere Selbsterfahrung: „Ich habe mich mega verändert, habe gelernt, auf mich selbst zu vertrauen, zu mir selbst zu stehen und ich selbst zu sein.“

Im Juli endet das Orientierungsjahr. Dann heißt es für die Bewohner ihren eigenen Weg zu gehen, und den haben sie dank you mehr als nur gefunden. Werkzeugmechanikerin Cornelia will beruflich umsatteln, Uni-Absolventin Melanie startet in ihrem Beruf nun voll durch und Daniel möchte einen handwerklichen Beruf erlernen. Simone und Caroline bleiben Eichstätt treu und werden Theologie studieren. Ab Oktober geht das you-Projekt in die zweite Runde.

Maria Lisa Schiavone/af

 

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 14. Juli 2019

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