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24.03.2021

Wo Jesus am Seitenaltar ruht - Im Bistum gibt es viele verschiedene Formen und Darstellungen von Heiligen Gräbern

Heuer kann Richard Seidler beim Aufbau des Heiligen Grabs wieder auf die Mithilfe der Pfadfinder des Stamms „Weltentdecker“ zählen. Im Vorjahr musste der Stammesvorsitzende von Schwanstetten-Rednitzhembach coronabedingt auf die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen verzichten. Damals halfen ihm nur seine beiden Kinder, Leonie und Maximilian.

Verschiedene Formen und Darstellungen von Heiligen Gräbern im Bistum Eichstätt

Der Holzbildhauer Norbert Tuffek schuf die Christusfigur für das Grab in Wendelstein. Zur Ausstattung gehören auch Schusterkugeln. Foto: Tuffek

Kugel aus dem Internet

Vor sieben Jahren hat Seidler erstmals ein Heiliges Grab errichtet, damals in der Kirche in Rednitzhembach. Die Einzelteile musste er mit einem Anhänger von Schwanstetten dorthin bringen. Um Transportschäden zu vermeiden wird das Grab mittlerweile nur noch in der Kirche Heiligste Dreifaltigkeit in Schwanstetten aufgebaut. Seidler hatte damals im Fernsehen einen Bericht über Gräber gesehen und wollte auch für seine Pfarrei „so etwas wie an Weihnachten in der Krippe gezeigt wird, nur halt für Ostern“. Beim damaligen Pfarrer Tobias Scholz stieß er auf offene Ohren und so begannen die Planungen. Holzbildhauer Reinhold Bimüller stiftete ein Christus-Relief aus Eichenholz. Seidler kümmerte sich um den Rest. Im Internet bestellteer unter anderem Glasgefäße in Herz- und Sternenform und auch eine Weltkugel, passend zum Stammesnamen der Pfadfinder. Die Kugeln, auch Schusterkugeln genannt, werden jedes Jahr mit farbigem Wasser gefüllt. Der Stammesvorsitzende nimmt dazu das Ostereier-Färbewasser, das in den Gruppenstunden genutzt wird. Die Kugeln, gut 30 an der Zahl, werden teilweise von hinten elektrisch beleuchtet.

In Wendelstein färbt Norbert Tuffek das Wasser für die Kugeln mit Krepppapier. Er setzt allerdings auf Kerzenlicht. Vor mehr als zehn Jahren schuf der Holzbildhauer eine Christus-Skulptur für seine Heimatpfarrei St. Nikolaus. Das Holz stammt von einer Linde, die auf dem Pfarrgrundstück stand. Der damalige Pfarrer Ewald Scherr regte an, doch ein Heiliges Grab für die 1963 geweihte Kirche St. Nikolaus zu schaffen. Tuffek fertige mehrere Entwürfe und die Wahl fiel auf eine Mischung aus barockem und neuzeitlichem Werk. Den Katafalk, auf dem der Leichnam aufgebahrt ist, fertigte Schreinermeister Robert Sußner nach einem Entwurf Tuffeks. 

Unter einem Seitenaltar in der St. Vitus-Kirche in Ursensollen befindet sich ein Heiliges Grab. Mesnerin Bernadette Strobl wird auch heuer wieder eine Holzblende am Josefsaltar entfernen und dann wird die liegende Christusfigur sichtbar. Franz Mädler, lange Jahre Bürgermeister von Ursensollen, hat die Darstellung in seinem 1994 erschienen Heimatbuch zur Pfarrei St. Vitus nicht erwähnt, weil sie in Vergessenheit geraten war. Erst vor zehn Jahren erinnerte man sich im Ort wieder an das Grab und seitdem lädt es an Karfreitag und -samstag zur stillen Anbetung ein. Mädler vermutet, dass es wie die beiden Seitenaltäre aus dem Jahr 1730 stammt.

Bis in die 1950er-Jahre wurde in Gerolfing das Ostergeschehen unter anderem mit der Darstellung des Leichnams Christi im Grab illustriert. Dann verstaubten die Teile des Heiligen Grabs, darunter eine lebensgroße Christusfigur, auf dem Dachboden der Kirche. Bis vor 20 Jahren Stefan Winkelmayr die Tradition wiederbelebte. Allerdings musste der Corpus zunächst restauriert werden. Dies übernahm Kirchenmaler Konrad Meyer aus Ochsenfeld. Gut 1,80 Meter groß ist die Figur. Winkelmayr nennt sie „ausgesprochen wirklichkeitsnah“, so seien die Adern an den Armen deutlich sichtbar. Seit vorigem Jahr gehört ein mehr als zwei Meter hohes Arma Christi-Kreuz zur Ausstattung.

„In Erinnerung an die Tradition von Jerusalem lassen sich hier die Kartage auf besondere Weise miterleben“, erklärt Ochsenfelds Pfarrer Dr. Andriy Mykhaleyko. In der St. Nikolauskirche baut Mesnerin Sofie Wagner das Grab am Gründonnerstag auf. Der aus dem Ort stammende pensionierte Kirchenmaler Konrad Meyer fasste vor einigen Jahren die Figur neu. Außerdem besserte der heute 85-Jährige die gemalten Mauersteine auf der Leinwand, die hinter Jesus hängt, aus.

Gerda Kiener, die in Enkering für die Kirchenreinigung und den Blumenschmuck zuständig ist, baut seit 2013 ein Heiliges Grab auf. Gerhard Kraus fertigte es vor acht Jahren aus Holz, nach einer Vorlage des damaligen Pfarrers Dr. Artur Zuk. Heuer will Kiener das Grab mit Begonien schmücken und nicht „mit den teuren Hortensien“. Der Grund: Im Opferstock sei sehr wenig Geld gelandet.

Auf dem Dachboden des Pfarrhauses in Elbersroth tauchte vor sechs Jahren ein altes Heiliges Grab wieder auf. Die Pfarrei ließ es von Martin Kiss aus Herrieden restaurieren und stellte es in der Karwoche 2015 zum ersten Mal seit langem wieder auf (siehe Titelbild). Richard Nepovedomy erzählt im Gespräch mit der Kirchenzeitung, dass sich seine 100 Jahre alte Nachbarin daran erinnerte, dass das Grab früher regelmäßig aufgebaut worden war. „Wir sind zur Anbetung dahin und haben die Wunden geküsst“, sagte sie. 

Als 2013 das Pfarrhaus in Forchheim verkauft werden sollte, stießen Helfer beim Aufräumen auf einen Corpus aus Holz, der wohl aus dem 19. Jahrhundert stammte. Das Heilige Grab dazu fehlte. Also machte sich Josef Landmann ans Werk. In seiner Garage entstand eine neue Holzkonstruktion, die er verputzte und detailreich gestaltete.

In allen Dekanaten des Bistums finden sich weitere Darstellungen des toten Christus im Grab, darunter auf dem Mariahilfberg in Neumarkt und in Bergen. In Plankstetten in der Klosterkirche gibt es seit 2018 ein Heiliges Grab, in Huisheim seit 2016. In beiden Orten wird an eine langjährige Tradition angeknüpft. 

Andrea Franzetti
 


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 18. April 2021

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