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27.05.2020

„Wir arbeiten alle an dem einen Auftrag“ Der neue Amtschef des Bischöflichen Ordinariats, Thomas Schäfers, tritt am 1. Juni seinen Dienst an

Mit Dekret vom 25. März 2020 hat Bischof Gregor Maria Hanke die Neuordnung der allgemeinen Organisationsstruktur des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt geregelt, um eine „effizientere Arbeitsweise“ zu ermöglichen. Mit dem 1. Juni, der Tag an dem Thomas Schäfers (55) den in diesem Zusammenhang neugeschaffenen Posten eines Amtschefs besetzt, bricht nach Neuordnung der Hauptabteilungen und Besetzung weiterer Stellen – das darf man sagen – eine neue Ära an, sicherlich strukturell, womöglich auch inhaltlich. Das Gespräch, das die KiZ mit Thomas Schäfers kurz vor seinem Dienstantritt führen konnte, lässt diese Annahme durchaus zu.

Neuer Amtschef des Bischöflichen Ordinariats, Thomas Schäfers

Der neue Amtschef des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt, Thomas Schäfers.

Berater des Bischofs

Gut gelaunt empfängt der neue Amtschef in seinem noch leeren Büro im zweiten Stock des Ordinariats in der Luitpoldstraße und erzählt entspannt von den bisherigen Stationen auf seinem Weg nach Eichstätt. Einige Male sei er „kurz vor Ort“ gewesen. Sein erster Eindruck: ein sehr herzlicher Empfang durch aufgeschlossene Menschen, „die sich deutlich bemühen, mir einen guten Start zu ermöglichen“. Zwischenzeitlich habe er sich in die Bistumsgeschichte eingelesen und „in der Presse verfolgt, was in den letzten Monaten und Jahren hier passiert ist“.

Der gebürtige Sauerländer, der in Paderborn und Wien Theologie studierte, als freier PR-Berater in Frankfurt, beim Sozialinstitut Kommende in Dortmund und in der Verwaltung des Erzbistums Paderborn gearbeitet hat, ist verheiratet und hat zwei Söhne und eine Tochter.

Nach fast drei Jahrzehnten an maßgeblichen Stellen in der Verwaltung seines Heimatbistums habe er entschieden, sich „nach anfänglichem Zögern“ der Herausforderung in Bayern zu stellen. Schäfers blickt auf „ganz prägende Jahre“ im Erzbistum zurück, er hat dort in der Pressestelle, im Personalbereich und im Bereich IT mit wechselnden Zuständigkeiten Erfahrungen sammeln können und richtungsweisende Strukturveränderungen in der Verwaltung mitgestaltet. Damit ist er bestens aufgestellt für die Leitungsfunktion in Eichstätt. Er wird neben der Verantwortung für die Verwaltungsorganisation des Ordinariats und zusätzlich als Leiter der Hauptabteilung 1: Zentralverwaltung, zu der die Arbeitsgebiete weltliches Recht, Personal, IT-Rechenzentrum, Tagungshäuser und Kitas gehören, den Bischof und den Generalvikar bei der Leitung der Diözese beraten.

Ein Auftrag für alle

Nach München Freising ist Eichstätt das zweite bayerische Bistum, das einem Laien einen Leitungsposten überträgt – eine Maßnahme zum „Abbau einseitiger Macht auf Seiten der Priester“, schrieb „katholisch.de“ 2018. 

„Ich teile das Bild des Gegeneinanders von Klerikern und Laien nicht“, sagt Schäfers, „für mich sind wir gemeinsam unterwegs und haben unterschiedliche Dienste“. Natürlich sei „diese evangeliumsgemäße Idealvorstellung manchmal gebrochen“, meint Schäfers, manche historische Entwicklung sei dem Miteinander „nicht unbedingt zuträglich“ gewesen.

Überhaupt ist „gemeinsam“ das häufigst verwendete Wort im Gespräch mit dem neuen Amtschef. Gemeinsam arbeite man an Zielen, Strategien und Maßnahmen, um die Verwaltung in enger und offener Abstimmung zukunftsfähig zu machen. Dazu zähle auch, über den Fortgang der Zielerreichung transparent zu berichten: „Wir alle arbeiten an dem einen Auftrag, die Botschaft zu verkündigen, und zwar jeder in seinem Amt.

Darüber hinaus habe die Struktur eine Bringschuld gegenüber den vielen Ehrenamtlichen: „Da muss Unterstützung hin, die müssen Hilfe abrufen können, die müssen auf diesen Support vertrauen können und darauf stolz sein können, was sie dadurch erreichen.“

Er wünsche sich hier eine abgestimmte, mutige Weiterentwicklung, denn auch im Ehrenamt werden sich Dinge ändern, was nach so vielen Jahren und Jahrzehnten vielleicht auch Schmerz verursachen könne. Nur in einem stetig gepflegten, guten Kontakt, „offen ehrlich und mit Wertschätzung“, könne das gut laufen, ist Schäfers überzeugt.

Wachstumsprognosen

Das alte, immer wieder richtige, gut-katholische Motto „Sehen – Urteilen – Handeln“ helfe auch in der Orientierungsphase, die er jetzt durchlaufe, sagt Schäfers: „Jetzt geht’s erst mal ums Sehen und Verstehen, wo liegen die Ziele, mit welchen Strategien wollen wir sie erreichen und wer sind die Akteure, mit denen wir das versuchen. Wichtig ist mir, dass die Verwaltung die Pastoral unterstützen muss, Kirche ist nicht um ihrer selbst willen da.“ 

Es gäbe viele Möglichkeiten, um so viel näher, persönlicher an die Mitchristen im Bistum heranzukommen, meint Schäfers, „wenn wir ihnen zum Beispiel eine Erinnerungskarte zu ihrem Tauftag schicken würden, zum Namenstag oder zu einem anderem Anlass. Technisch könnten wir das, ich hab’s nur noch nie erlebt“. 

Es gehe darum, echtes Interesse zu zeigen: „Wir müssen den einladenden Weg wählen, nicht den abgrenzenden, ausgrenzenden Weg, nicht urteilen und abstempeln, sondern begleiten.“ Zugewandte Kommunikation ist für Schäfers nicht Kür, sondern Pflicht: Kontakthalten nicht aus Nettigkeit, sondern aus Notwendigkeit und weil es allen weiterhilft.

Er wisse zugleich, dass es immer „unterschiedliche Intensitäten der Zugehörigkeit zur Kirche, zur Gemeinde“ gebe, unterschiedliche Nähe: „Wir müssen überprüfen: Gewinnen wir die Menschen, sind wir eine Gemeinschaft die Ausstrahlung hat?“ Er nehme wahr, „dass sich viele darauf einstellen wollen, dass wir kleiner werden – ich möchte gerne über Wachstumsprognosen sprechen, die will ich stark machen und befeuern“. Denn: „Wenn wir nicht mehr wissen, was wir den Menschen sagen sollen, und wie wir im Gespräch bleiben können, dann wäre das allerdings traurig, wenn nicht sogar tödlich.“ 

Dass Schäfers nicht nur in Fragen modernen Marketings, zeitgemäßer Personalführung und wirksamer Kommunikation konkrete Vorstellungen hat, sondern auch zu praktischen pastoralen Fragen einen klaren Standpunkt, zeigt sich, wenn er etwa über die Priesterausbildung spricht. Die Frage „Welche Kandidaten gewinnen wir? Wie ticken die?“, sei von großer Bedeutung. Zukünftige Priester müssten „Brückenbauer in die Gesellschaft hinein sein, die Lust und Energie haben, Sauerteig zu sein, sich mit den anderen zu durchmengen und zu wirken“.

Die Ressortgrenzen scheinen fließend, das Amt ein Kampf an vielen Fronten? Er sehe keine Fronten, sagt Schäfers sofort, höflich und mit gleichbleibend freundlichem Lächeln: „Verwaltung soll Pastoral tragen und unterstützen, das kann sie nur dann, wenn sie sich auch ein klares pastorales Bild zu eigen macht.“ Als Verwalter müsse er, wirtschaftlich gesprochen, das Produkt in- und auswendig kennen, nur so erreiche man den Kunden.

Jede Generation müsse ihren Weg finden, je neu zu sagen, was Christentum im Alltag bedeutet und wie es weitergegeben werden kann. Für ihn sei Kirche auch zukünftig ein Player, mit dem man rechnen müsse, eine gesellschaftliche Kraft, die sozusagen systemrelevant sei, sagt Schäfers: „Ich sehe keine Alternative“.

Michael Heberling 


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 12.7.2020

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