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21.12.2018

Vom Charisma des Martyriums - Collegium Orientale in Eichstätt feiert das Apostelfest

Gedenken an die 21 Märtyrer von Sirte. Zwei traditionelle Feste legte das Eichstätter Collegium Orientale (COr) heuer zusammen, um einen dritten denkwürdigen Anlass mitzufeiern: das Gedenken an die 21 koptischen Märtyrer von Sirte.

Foto: Heberling

Die Zelebranten der großen Vesper am Apostelfest in der Schutzengelkirche, in ihrer Mitte die Ikone der 21 Märtyrer. Foto: Heberling

Am 15. Februar 2015 wurden in Lybien 21 koptische Wanderarbeiter vom IS geköpft. Ein Video ihrer inszenierten Hinrichtung ging um die Welt. Innerhalb kürzester Zeit waren die Männer in den Heiligenkalender der koptischen Christen aufgenommen.

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten des COr stand am Vorabend des Dritten Adventssonntags die „Begegnung mit den 21 Märtyrern“ in Gestalt einer Ikone, eine Arbeit des serbisch-deutschen Künstlers Nikola Saric, die sich im Besitz des Collegiums befindet. In der großen ökumenischen Vesper zum Apostelfest in der Schutzengelkirche wurde die Ikone vom Bischof der koptisch-orthodoxen Diözese von Norddeutschland, Anba Damian, eingeweiht. Die gesprochenen und gebeteten Vespertexte auf die 21 Märtyrer stammen vom Rector des COr, Oleksandr Petrynko.

Dieser begrüßte im Anschluss an den Gottesdienst auch die zahlreichen Gäste im großen Hörsaal der Katholischen Universität, unter ihnen eine Reihe geistlicher Würdenträger verschiedener Denominationen. Petrynko und die Festredner Bischof Anba Damian und Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke würdigten die Ikone aus verschiedenen Perspektiven.

Anba Damian pries Mosebach als „begnadeten Autor, Prediger, Missionar, Apostel und Botschafter der Kopten“. Bischof Hanke sprach über das „Charisma des Martyriums“ in einer „Kirche der Mitleidenschaft“, zu dem nicht jeder berufen sei. Passion aber gehöre zum Glauben.

Dompropst Isidor Vollnhals stellte den Festredner des Tages, den Schriftsteller Martin Mosebach, vor. Dieser las aus zwei seiner Bücher, gab zunächst einen Einblick in das religiöse Leben in Georgien, um dann aus seinem heuer erschienen Buch „Die 21“ über die koptischen Märtyrer vorzutragen. Seine Recherchereise vor drei Jahren kam maßgeblich auf Vermittlung von Bischof Anba Damian zustande.

Bericht: Michael Heberling, Kirchenzeitung Nr. 51/52 vom 23. und 30. Dezember 2018

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Das Interview mit Martin Mosebach:

KiZHerr Mosebach, was verbindet sie mit dem Eichstätter Collegium Orientale?

Martin Mosebach: Mich verbindet mit dem Collegium Orientale, dass ich eine große Leidenschaft für die Orthodoxie habe, ich fühle mich in der orthodoxen Welt zuhause. Und ich glaube, dass die Aufforderung von Papst Johannes Paul II., Kirche müsse mit zwei Lungen atmen, immer noch viel zu wenig aufgegriffen worden ist und tatsächlich die lateinische, römische Welt mit einem viel stärkeren Interesse den orientalischen Kirchen entgegenkommen muss, um von ihnen zu lernen. Und zwar theologisch zu lernen und liturgisch zu lernen. Es hätte die Liturgiereform, wie sie in der lateinischen Welt stattgefunden hat, niemals so stattfinden können, wenn die, die sie formuliert und gesetzt haben, die Liturgie der östlichen Welt gekannt hätten.  

Was hat sie veranlasst, sich mit dem Martyrium der 21 zu befassen?

Mosebach: Als ich 2015 davon hörte, dass 21 koptische Wanderarbeiter in Libyen geköpft worden waren, wollte ich mehr darüber erfahren. Und was ich bei meiner Suche erfahren habe, das war nun tatsächlich etwas Essentielles: Das Martyrium gehört zum Christentum. Alles was wir vom Christentum wissen, stammt von Martyrern, sie haben die schnelle Verbreitung des Christentums bewirkt, sie stehen vor den Evangelien. Ich habe gelernt, der christliche Wahrheitsbeweis schlechthin ist immer die Bereitschaft, für die Wahrheit mit dem eigenen Leben einzustehen, zu sterben. Das ist die schärfst denkbare Position gegen all den Relativismus, mit dem wir es heute zu tun haben.

Sind wir nicht überfordert mit dem Anspruch des Martyriums als religiöse Äußerung? Wie soll das heute noch vermittelt werden?

Mosebach: Zunächst dadurch, dass wir das Leben dieser 21 betrachten, sie sind Zeitgenossen und sie sind nicht weit weg. Es ist das Faktum des Martyriums ja nichts so Fernes, wir hatten doch in jüngster Zeit auch hierzulande noch Martyrien, Menschen, die für Christus in den Konzentrationslagern der Deutschen und der Russen gestorben sind. So weit weg ist das nicht. Aber wir schauen vom hohen Sockel einer konstantinischen Kirche herab, die sich an ein bequemes Leben mit der Gesellschaft und dem Staat gewöhnt hat und in bedrohliche Situationen nur noch in Ausnahmefällen gelangt. Das ist bei den Kirchen des Ostens, speziell des Nahen Ostens, eben anders. Dort ist man daran gewöhnt, dass man sich als Christ bekennen muss. 

Aber Sie sehen durchaus auch, dass Nachfolge und Bekenntnis unterschiedlichste Ausprägungen hat.

Mosebach: Wir sind die Religion des Gekreuzigten. Es ist eine typische und höchst bedenkliche Situation in der heutigen Welt, dass das Kreuz sehr gerne abstrahiert wird, dass man dem Corpus ausweicht, obwohl es vorgeschrieben ist, den Gekreuzigten zu zeigen, ihn in den Mittelpunkt zu stellen. Wir sind aufgefordert uns darüber klar zu werden, es gibt da keinen billigeren Weg.

Sie haben die Kopten ein Beispiel für uns genannt.

Mosebach: Beispielhaft können wir an den koptischen Christen lebendig-gegenwärtig sehen, nicht bloß historisch-archäologisch, wie die ersten Christen waren. Weil sie historisch betrachtet von den gesamten Entwicklungen der christlichen Weltkirche ausgeschlossen waren, zu einem sehr frühen Zeitpunkt, gerade als das Christentum sich gegen den großen Widerstand des römischen Reiches behaupten musste, stehen geblieben sind. Wir müssen diesen Fall studieren, um uns selber klar zu machen: Wie kann das Leben eines Christen aussehen, wenn das Christentum Minderheit geworden ist. Wie kann Bewährung des Christen aussehen, wie kann er bestehen, wenn er nicht mehr die selbstverständliche Schonung durch Politik, Staat, Gesellschaft genießt, wenn es anfängt, kritischer gesehen zu werden, wenn es anfängt unvorteilhaft zu sein, sich zum Christentum zu bekennen.

Interview: Michael Heberling

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 14. Juli 2019

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