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27.04.2018

Visionen zur Zukunft der Kirche

Austausch auf breiter Ebene: 4. Pastoraler Workshop für haupt- und ehrenamtlich Verantwortliche.

Mit dem Motto war eigentlich alles gesagt: „Kirche gemeinsam weiter denken ... und neu erfahrbar werden lassen.“ Knapp 60 haupt- und ehrenamtliche Multiplikatoren und Verantwortliche, angefangen beim Bischof, machten sich beim vierten Pastoralen Workshop im Bischöflichen Ordinariat Eichstätt Gedanken über neue Akzente in der Pastoral. 

Ausschau halten nach Perspektiven, Orientierung finden auf dem Weg in die Zukunft. Foto: B. Wittmann

Ausschau halten nach Perspektiven, Orientierung finden auf dem Weg in die Zukunft, das ist das Ziel der Pastoralen Workshops. Foto: B. Wittmann

Der Workshop, der seit 2015 jedes Frühjahr stattgefunden hat, „ist der Versuch, sich auf den Weg zu machen und zu schauen: Wie könnte es denn weitergehen?“, erläutert Domkapitular Alfred Rottler vom Bischöflichen Seelsorgeamt, der mit den Referenten Dr. Markus Oelsmann und Thomas Schrollinger für die Organisation verantwortlich war. 

Von dem umfassenden Gesprächsforum auf Bistumsebene gehe die Botschaft in die Diözese aus, „dass man sich Gedanken macht über die Zukunft der Kirche“, meint Schrollinger im Bilanzgespräch mit der KiZ. „Man bleibt nicht untätig und wartet, wie der Lauf der Geschichte über die Kirche hinwegfegt, sondern man überlegt: Wie können wir uns positionieren?“

Wo es hingehen soll, erläutert Rottler an einem aktuellen Beispiel, von dem er gehört hat: Eine Gemeinde wartete auf den Beginn des Gottesdienstes, aber der Pfarrer kam nicht. Spontan taten sich Mesner, Lektor und Kommunionhelfer zusammen und hielten gemeinsam einen Wortgottesdienst.

Verantwortung mittragen

Getaufte und Gefirmte auskunftsfähig zu machen, gemäß dem Petruswort „Seid stets bereit,  jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ – das ist eine der Visionen, die seit dem ersten Pastoralen Workshop allmählich Gestalt annimmt. „Das Verstehen, dass Kirche nicht nur da ist, wo der Pfarrer ist, das ändert sich langsam“, meint Schrollinger, „es wird verstanden, dass ich als Christ eine Verantwortung habe“. Immer mehr Menschen werde bewusst, „dass es zu einem Perspektivwechsel kommen muss“, weg vom Dienstleistungsbetrieb Kirche, hin zur Gemeinschaft. 

In den Pastoralräumen „gibt es bereits viele dieser kleinen  Pflänzchen und es werden immer mehr“, freut sich Oelsmann. Damit wachse auch das Bedürfnis nach Austausch und Vernetzung, wie sie in den Pastoralen Workshops geschehe. Sie seien ein Schutzraum“, für neue Ideen.

Ein Dauerbrenner ist zum Beispiel die Frage nach der Begleitung und Weiterqualifizierung haupt- und ehrenamtlicher Laien. Es war im vergangenen Frühjahr Schwerpunktthema des Workshops und wurde anschließend auch vom Diözesanrat aufgegriffen. Es gebe Überlegungen zu einer „Ehrenamtsakademie“, in der bereits bestehende Schulungsangebote, etwa für Pfarrgemeinderäte oder Lektoren, zusammengefasst und neue Fortbildungsmaßnahmen entwickelt würden, erläutert Christian Gärtner.

Der Vorsitzende des Diözesanrats war bei allen bisherigen vier Pastoralen Workshops dabei und hält diese für eine wichtige Errungenschaft, „weil zum ersten Mal Verantwortliche aus allen Bereichen zusammenkommen“. Der Runde Tisch entstand zu einer Zeit, als auch das Wort der Deutschen Bischöfe vom „Gemeinsam Kirche sein“ erschien, für Gärtner „eine wunderbare Vision“.

Auch der Sprecher des Priesterrats, Pfarrer Edwin Grötzner aus Feucht bei Nürnberg, war zum wiederholten Mal beim Pastoralen Workshop dabei und versteht es als seine Aufgabe, „das, was man da miteinander entworfen hat, im Experimentierfeld vor Ort auszuprobieren“. So wie es in Lateinamerika bereits der Fall sei, so müsse man auch hierzulande wegkommen von der Mentalität, dass der Pfarrer für alles zuständig sei. Karfreitagsliturgie oder Kreuzwegandacht könnten zum Beispiel auch ohne Geistliche stattfinden. Es gebe auch Leute mit der Bereitschaft, sich mit ihren Stärken und Fähigkeiten einzubringen. Beim pastoralen Workshop 2019 möchte Grötzner erneut dabei sein. „Vielleicht mündet es ja‚ mal in eine Diözesansynode“, überlegt er.

Den Mittelweg finden

Der Sprecher der Diakone im Bistum Eichstätt, Thomas Gerl, war von Beginn an bei den Pastoralen Workshops dabei. Die Kunst dabei sei, einen Mittelweg zwischen Visionen für 2030 und Problemlösungen für die Gegenwart zu finden, resümiert er. Zu oft fällt aus seiner Sicht der Satz: „Das funktioniert ja eh nicht.“ Gerl gibt außerdem zu bedenken, dass die Umsetzung der pastoralen Räume gerade erst begonnen habe und die Kräfte binde. „Das beschäftigt alle noch die nächsten fünf bis sieben Jahre“, meint er. 
Als eine Erkenntnis des Workshops formulierten Teilnehmer übereinstimmend: Die Kirche muss Willkommenskultur pflegen, muss aufmerksam für Fragen und Sehnsüchte, ansprechbar in existenziellen Nöten sein. Aber, mit Verlaub, praktizierten das nicht schon die ersten Christen? Oelsmann bestätigt: „Die Christen wurden damals ‚Anhänger des neuen Wegs‘ genannt. Dieser Weg hat jetzt eine 2.000-jährige Geschichte.“ An das „Neue und Erfrischende“ müsse man die Leute wieder erinnern.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 17 vom 29. April 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 32/33 vom 12./19.08.2018

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