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03.06.2020

Taizé-Gebet und Gutenacht-Botschaft Kirchliche Jugendarbeit: Mit Ideen und moderner Technik gegen die Corona-Isolation

Dicht an dicht stehen junge Leute beieinander und strecken die Hände zum Himmel. Das Foto, entstanden bei einem Weltjugendtag, ist eines der Startbilder auf der Internetseite der kirchlichen Jugendarbeit im Bistum Eichstätt. Nähe, Begegnung, Action – was bisher selbstverständlich war, hat seit Corona Zwangspause. Umso mehr setzen Haupt- und Ehrenamtliche derzeit auf die sozialen Netzwerke, um in Verbindung zu bleiben. Viele Angebote sind entstanden.

„podcast- ähnliche Talk“ des BDKJ  Herrieden

Gemeinschaft trotz gesperrter Gruppenräume, der „podcast- ähnliche Talk“ des BDKJ Herrieden ist ein Beispiel dafür. Foto: vb

Social Media sei in diesen Zeiten ein Segen, hatte Diözesanjugendseelsorger Clemens Mennicken in Anbetracht dieser Möglichkeiten schon zu Beginn der Krise festgestellt. Dennoch könnten die sozialen Medien die persönlichen Kontakte nicht ersetzen, von denen nicht nur die Jugendarbeit, sondern die Seelsorge überhaupt lebe, fügt Mennicken im Gespräch mit der KiZ hinzu: „Wir merken, dass wir an eine Grenze kommen.“

Die katholischen Jugendstellen im Bistum und der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) hätten teils lange vor der Pandemie geistigeImpulse auf Facebook, Youtube oder Instagram gepostet, berichtet der Diözesanjugendpfarrer. Diese Formate seien jetzt erst recht wichtig, um Ermutigung geben zu können. Im Vergleich zur Großeltern- und Elterngeneration „sind die Jungen natürlich viel fitter in den sozialen Medien“, meint Mennicken. „Wenn die einen Online-Gottesdienst streamen, dann hat das auch einen technischen Reiz für sie“. Eine Herausforderung sei es aber auch, trotz der besonderen Situation einen Raum zu schaffen, „der es mir ermöglicht, in die Feier der Liturgie einzutauchen. Anders, als wenn ich mit einem Wurstbrot vor der Tagesschau sitze“. 

Wird Corona die jungen Leute vom „realen“ Gottesdienstbesuch entwöhnen? Werden sie nach überstandener Krise zurückkommen in die Gotteshäuser? „Ehrlich gesagt stelle ich mir diese Frage nicht nur für die Jungen“, überlegt Mennicken und bekräftigt die Bedeutung des Versammelns um den Altar. Unterm Strich habe er den Eindruck, dass die acht Jugendstellen mit den zuständigen Jugendpfarrern kreativ mit der Krise umgingen „und die Gebetsgemeinschaft lebendig halten“, meint der Diözesanjugendpfarrer. 

„Was halt momentan überhaupt nicht geht, sind Hütten- oder Zeltlager“, bedauert er. Denn es sei bei solchen Angeboten „absolut unmöglich, Hygiene-und Abstandsregeln einzuhalten“. Auch Gruppenleiterschulungen werden wohl bis auf weiteres nicht stattfinden können, auch wenn die bayerische Staatsregierung zum 31. Mai Öffnungen im Bereich der Erwachsenenbildung ermöglicht hatte. Darunter fallen auch Präsenzangebote in der Jugendarbeit. „Wir sind im Moment gerade in Rücksprache mit dem Generalvikariat, was das konkret für unsere Arbeit im Bischöflichen Jugendamt bedeutet“, berichtet Mennicken.Fakt sei jedenfalls, dass Übernachtungen in Mehrbettzimmern, wie sie bei Gruppenleiterschulungen üblich sind, nicht mit Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen zu vereinbaren seien. Deswegen seien die Jugendhäuser auch noch geschlossen.

Das heiße aber nicht, dass das Bischöfliche Jugendamt nun bis in den Herbst hinein gar keine Angebote mehr mache. Ein Jugendgottesdienst nach geltenden Regeln sei durchaus möglich. Zugleich empfahl der Jugendpfarrer in einem Schreiben an die Pfarrer und pastoralen Mitarbeiterinnenund Mitarbeiter in den Gemeinden, für die Zeit der Sommerferien kreative Formate, wie beispielsweise Halbtages- und Tages-veranstaltungen im kleinen Kreis zu entwickeln. Kleine Schritte zurück in die Normalität gibt es bereits. Mennicken nennt als Beispiel eine Radwallfahrt mit zehn Teilnehmern, die vor kurzemstattfand. „Wir möchten nicht das Signal aussenden: Leute, es ist alles verloren“, meint er. Lieber wäge man ab und entscheide von Fall zu Fall.

Taizé-Gebet und Talk

Für die Jugendstelle Eglasmühle war der Fall klar: Sie sagte die bistumsweite Taizé-Fahrt, die sie traditionell an Pfingsten organisiert, ab. Aber es gibt virtuellen Ersatz: Die Gruppe „TaizéTravellers“, die mitfahren wollte, will dennoch mit den Brüdern von Taizé feiern. Sie geht am Samstag, 7. Juni, um 20.15 Uhr für eine „Watchparty“ online, um gemeinsam das Abendgebet via Livestream aus Taizé mitzubeten. Zugangsinfos gibt es auf der Facebook-Seite und dem Instagram-Account @taizetravellers. 

Jugendarbeit ohne persönliche Kontakte? „Ich bin zunächst erschrocken“, gesteht Rowena Roppelt, Referentin für Jugendpastorale Projekte im Bischöflichen Jugendamt und Zuständige für die Taizé-Fahrt. Aber nun täten sich neue Wege auf. Und es entstehen offensichtlich neue Formen der Zusammenarbeit. So haben sich die Jugendstellen Eglasmühle und Nürnberg-Süd an Ostern und erneut an Pfingsten zusammengetan zur Organisation eines Online-Jugendgottesdienstes. 

Der BDKJ Region Oberpfalz und die Katholische Jugendstelle Neumarkt würdigen den Einsatz Jugendlicher zu Corona-Zeiten, indem sie diese als Comic-Superheldinnen und -helden daherkommen lassen. So begegnet einem auf der Homepage „Skyper-Man“, der für Vernetztsein und sinnvolle Mediennutzung steht. Die Serie soll „hoffentlich viele junge Menschen inspirieren, schlummernde Superkräfte in sich zu wecken und für die Gesellschaft einzusetzen“, wünscht sich Jugendreferent Stephan Götz, der die Helden höchstpersönlich gezeichnet hat.

Die katholische Jugendstelle Herrieden hat unter dem Motto „GUTE-Nacht“ täglich viele Menschen mit insgesamt 50 Botschaften versorgt. Über die sozialen Medien wurden die Nachrichten veröffentlicht. So wie einst der heilige Don Bosco, Patron der Jugend, habe man die Menschen durch eine Zeit begleiten wollen, „die geprägt war durch Einschränkungen, Verzicht und Verhaltensregeln“, erklärt Jugendreferentin Nadine Bauer. Mittlerweile habe sich vieles gelockert, aber noch herrsche Verunsicherung. Deshalb sendet die Jugendstelle weiterhin zum Wochenbeginn mutmachende Botschaften aus.

„Der etwas andere Talk, bei dem es um nicht mehr und nicht weniger als unseren Glauben in dieser Zeit geht“, so lautet die Beschreibung eines weiteren Projekts auf der Homepage der Jugendstelle Herrieden. Junge Leute aus dem BDKJ im Dekanat Herrieden haben einen wöchentlichen „podcast-ähnlichen Talk“ ins Leben gerufen. Ronja, Samira, Jakob und Miri, die vier Protagonisten, thematisieren zum Beispiel, wie es sich anfühlt, Masken zu tragen und wie der aktuelle Stand in Schule und Uni ist. Dazu laden sie virtuell Gäste ein. „Wir telefonieren meist über Skype“, berichtet Samira (19), die in Würzburg Lehramt studiert und, wie ihre Mitmoderatoren, aktive Ministrantin ist. Deshalb widmete sich auch eine Talk-Folge den Minis, denen ihre gewohnte Gemeinschaft fehlt. Und nicht nur das, bedauert Samira: „Das Altstadtfest, die Kirchweih, alles worauf man sich halt so freut im Sommer.“ 

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 12.7.2020

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