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05.05.2021

Strampeln auf ökumenischen Pfaden Landschaftlich schön und lehrreich: Der Simultankirchen-Radweg im Nordosten der Diözese

Radln auf ökumenischen Pfaden. Der Simultankirchen-Radweg der Diözese

Gottes Schöpfung gehört allen. Gotteshäuser gehören manchmal katholischen und evangelischen Christen gemeinsam. Zahlreiche dieser Simultankirchen sind durch einen bundesweit einzigartigen Radweg verbunden. Foto: vb

Man muss kein Prophet sein, um diese Vorhersage zu treffen: Sollte an Mutter- und Vatertag die Sonne vom Himmel lachen, dann wird es rappelvoll werden auf vielen der Fahrradwege, die das Bistum Eichstätt so zahlreich durchqueren. Wer eine Alternative zu den vielbefahrenen Routen an Altmühl und Donau, entlang der Fränkischen Seen oder des Alten Ludwigskanals sucht, der könnte ganz in Nordosten der Diözese fündig werden:

Dort verläuft ein Teil des 2015 eröffneten, bundesweit einzigartigen Simultan-kirchen-Radwegs. Er verbindet 51 Gotteshäuser, von denen neun bis heute von katholischen und evangelischen Christen gemeinsam genutzt werden. 

Soeben ist eine Streckenkarte erschienen mit vielen Tipps für Radler, die eine oder mehrere von insgesamt zehn Routen erkunden wollen. Sie ist auch online nachzulesen. Außerdem werden gerade „endlich die Schilder entlang der Routen angeschraubt“, heißt es in einer aktuellen Pressemeldung des Fördervereins Simultankirchen mit Sitz in Weiden. Dieser will mit dem Radweg das wertvolle Erbe der Simultankirchen neu erfahrbar machen. Er ist Initiator und Träger des Simultankirchen-Radwegs. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, die evangelischen Dekanate Weiden und Sulzbach-Rosenberg sowie die Diözesen Eichstätt und Regensburg unterstützen das Radwege-Projekt ebenso, wie die zuständigen Landkreise, Städte und Tourismusreferate. Auf etwa 400 Kilometern verläuft der Radweg in den Kreisen Amberg-Sulzbach, Neustadt an der Waldnaab, Tirschenreuth und der Stadt Weiden. Die Etappen sind zwischen 25 und knapp 50 Kilometer lang.

Mit E- und W-Bike

Die Pfarrkirche St. Vitus in Illschwang ist eines der Gotteshäuser, in denen noch heute evangelische und katholische Christen abwechselnd ihren Sonntagsgottesdienst feiern. Für den katholischen Pfarrer Johannes Arweck ist der Radweg „eine ganz tolle Idee“, weil er „die Kirchen als Ausflugsziele in den Fokus rückt. Und dass das Ganze ökumenisch ist, macht es doppelt gut!“. Fragen interessierter Radler konnte Arweck bisher noch nicht beantworten. Er hat die Pfarrei erst vergangenen Herbst übernommen und „die diesjährige Radlsaison beginnt ja erst“, stellt er fest. Grundsätzlich stehe er dafür sehr gern bereit, sei er doch „für die Urlauber genauso da wie für die Leute, die hier wohnen“. Nur dass für Letztere die Simultankirchen nichts Besonderes seien: „Sie kennen es gar nicht anders, als dass man sich zwischen den Konfessionen abspricht.“ Neben der Pfarrkirche Illschwang befinden sich in Arwecks Wirkungskreis noch zwei weitere kleine Gotteshäuser, in denen sich sowohl katholische als auch evangelische Christen treffen: In Götzendorf und Frankenhof.

Auch Pfarrer Hans Zeltspergers Einsatzgebiet liegt am Radweg: Es umfasst etwa die kleinen Kirchen von Eschenfelden, Niederärndt und Kürmreuth, die bis heute simultan genutzt werden. In Edelsfeld bauten sich die Katholiken 1910 eine eigene Kirche, in Königstein, das Zeltsperger ebenfalls betreut, erst 1963. 

Dem Pfarrer bleibt nicht verborgen, welchen Boom das Fahrradfahren, auch bei älteren Semestern, in Zeiten des E-Bikes erlebt. Er selbst bevorzuge aber das „W- wie Wadl-Bike“, lacht der 56-Jährige, der in den Pfingstferien selbst auf dem Simultankirchen-Radweg unterwegs sein möchte: „Ins Regensburger Bistum rüber, in eine Ecke, die ich noch nicht so kenne“. Radtouren auf unbekanntem Terrain sind für ihn nichts Neues. In jungen Jahren habe er mit dem Fahrrad ganz Europa durchquert, erzählt der spätberufene Geistliche, der früher als Bankkaufmann täglich mit dem Rad zur Arbeit fuhr, „15 Kilometer hin und 15 zurück“. 

Alle Simultankirchen, die auf Eichstätter Bistumsgebiet liegen, gehören zum Dekanat Habsberg. Dessen Dekan Elmar Spöttle hat ebenfalls eine bewegte Vergangenheit als Langstreckenradler, strampelte nach Fatima ebenso wie ans Nordkap. Er hat diözesanweite Bruder Klaus-Radwallfahrten nach Flüeli begleitet und wiederholt „geistliche Radtouren“ rund um den Habsberg angeboten. Derzeit ist eine Radtour zur Willibaldswoche (siehe S. 4.) in Planung. Nach Spöttles Erfahrung benutzen inzwischen die allermeisten, die zu seinen Angeboten kommen, ein E-Bike. Er selbst ist (noch) mit „Bio-Antrieb“ unterwegs. 

Pfarrer plant mit

Den Weg nach Flüeli kennt auch Pfarrer Roland Klein ganz genau. Er hat ihn noch nie per Rad, aber viele Male zu Fuß zurückgelegt. Als Diözesanseelsorger der Landvolkbewegung begleitet er jedes Jahr Pilger, die zu ihrem Patron in die Schweiz ziehen. Klein ist außerdem Pfarrer der Gemeinden Neukirchen, Heldmannsberg und Pommelsbrunn und damit Anlieger des Simultankirchen-Radwegs, genauer gesagt der Schleifen 1, 2 und 3. Zu den von ihm betreuten Gotteshäusern gehört unter anderem die noch aktiv genutzte Simultankirche in Fürnried (Pfarrei Heldmannsberg).

Was beim Förderverein Simultankirchen gerade läuft, weiß Klein bestens, ist er doch dessen stellvertretender Vorsitzender und aktiv in das Radweg-Projekt eingebunden. Jedes Jahr nimmt er am sogenannten „Schleifentreffen“ teil, das aktuell am vergangenen Wochenende stattfand. Dabei kommen die Ansprechpersonen für die Kirchen entlang einer Route zusammen, um sich auszutauschen und eine gemeinsame Aktion für das kommende Jahr zu planen, zum Beispiel eine Sternfahrt zu einem Kirchweihfest. Langfristig sollen für jede Route eigene inhaltliche Schwerpunkte erarbeitet werden.

Wiederholt hat Klein bereits im Pfarrbrief Radtouren mit Besichtigung, Andacht und Brotzeit ausgeschrieben, an denen sich stets etwa zwei Dutzend Leute beteiligten – auch Ältere, die dank E-Bike die teils hügeligen Strecken problemlos bewältigen können. Mit den Radtouren ließen sich neue Zielgruppen für spirituelle Themen ansprechen, hat Klein erfahren: „Das ist eine schöne Sache. Und darum stehe ich auch dahinter.“ Jedoch sei die Arbeit im Verein auch mit viel Bürokratie verbunden, verweist er vor allem auf die Beantragung von EU-Fördergeldern, wie sie jetzt für die Beschilderung des Radwegs wieder geflossen sind. Der erste Vorsitzende des Fördervereins Simultankirchen, der evangelische Ruhestandspfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler, sei „ein Könner im Fundraising“, lobt Klein. 

Als der Radweg 2015 feierlich eröffnet wurde (die Kiz berichtete), hatte Domkapitular Norbert Winner aus Neumarkt die Bistümer Eichstätt und Regensburg vertreten und zusammen mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, einen Gottesdienst in Illschwang gehalten. Damit fand eine Aktion ihren feierlichen Abschluss, die laut Winner „ursprünglich von den Kommunen und Landkreisen ausgegangen war“. Denn für die anstehende Sanierung einiger Simultankirchen flossen nur EU-Fördermittel, wenn das Ganze in ein größeres Projekt eingebunden war. So entstand die Idee, einen Radweg von Gotteshaus zu Gotteshaus zu erschließen. Von derlei finanziellen Erwägungen abgesehen, sei das Projekt „auch kirchlich gesehen eine tolle Sache, weil dadurch Kirchen offen sind, die früher zu waren“. Nicht zuletzt, so Winner, sei der Simultankirchen-Radweg auch „ein schönes Zeichen der Ökumene“ in einer Region, „in der man sich im Dreißigjährigen Krieg die Köpfe eingeschlagen hat.“ 

Gabi Gess

Viele Informationen und Karten zum Herunterladen gibt es unter www.simultankirchenradweg.de


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 26 vom 27. Juni 2021

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