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29.09.2017

Schwester Johanna rechnet mit Gott

Wie aus einer japanischen Mathematikprofessorin eine Benediktinerin in Eichstätt wurde.

 

Was für eine Karriere! Geboren 1973 in der japanischen Mega-Metropole Tokio, studierte Marta Asaeda Mathematik, promovierte und forschte an renommierten Universitäten in den USA, war jahrelang Professorin an einer Hochschule in Kalifornien.

Bei der Ewigen Profess überreichte Bischof Gregor Maria Hanke Schwester Johanna Asaeda das Stundenbuch. Zur Feier im Kloster St. Walburg waren Gäste aus aller Welt angereist, unter anderem Asaedas Eltern. Foto: Sr. Caritas Dirr

Und nun legte sie auch noch ihr Leben in die Hände des „einflussreichsten Typen der Welt“, wie sie lachend einen Ausspruch ihrer Mutter zitierte. Unter ihrem Ordensnamen Schwester Johanna feierte Marta Asaeda jetzt ihre Ewige Profess in der Abtei St Walburg in Eichstätt (siehe unten). Kurz zuvor erzählte sie der KiZ in flüssigem, schon leicht bayerisch eingefärbtem Deutsch von ihrem Weg. 

Karriere in den USA

Zwar bilden Christen in Japan mit einem Bevölkerungsanteil von einem Prozent nur eine kleine Minderheit, doch genießen christliche Bildungseinrichtungen einen sehr guten Ruf im Land. Das war auch der Grund, warum Marta sechs Jahre lang, bis zum Abitur, eine evangelische Schule besuchte. Sie schloss sich einer freiwilligen Gebetsgruppe an und ließ sich als eine von ganz wenigen Schülerinnen mit 16 Jahren evangelisch taufen. Während ihres Studiums ebbte die Begeisterung ab, die junge Frau durchlebte eine Flaute im Glauben, eine Zeit, in der ihr die Gottesdienstbesuche gleichgültig wurden. Ihren Ehrgeiz legte sie in eine wichtige Studienarbeit, die sie mit Bravour bestand. Aber das war es nicht, was ihr zum Glücklichsein gefehlt hatte. Was dann?

Marta wohnte damals bei ihrer Oma. Ganz in der Nähe lag eine Karmeliterkirche. Als dort eine neue Orgel eingebaut wurde, bat der Orgelbaumeister die musikliebende Studentin, die schon mit drei Jahren das Klavierspielen begonnen hatte, das Instrument zu stimmen. Bei dieser Gelegenheit entdeckte sie Prospekte für junge Leute, die sich für Priester- und Ordensberufe interessierten. Sie ging zu einem Treffen und fortan jeden Tag zur Messe. Damals schloss sie sich auch einer Gregorianik-Musikgruppe an. „Mein Kopf war schon voll vom Kloster“, erinnert sie sich an diese Zeit. Aber ein Karmelitenpater riet ihr, erst einmal den Dokortitel zu machen. 

So ging Asaeda mit 24 Jahren in die USA. Eigentlich war nur ein einjähriger Aufenthalt geplant. Aber dann kam die wissenschaftliche Karriere der jungen Mathematikerin so ins Rollen, dass sie 2005 eine Professorenstelle an der Universität Riverside in Kalifornien bekam, einer staatlichen Hochschule, an der Äußerlichkeiten nicht so groß geschrieben wurden wie an Privat-Unis, wo man ungeschminkt in Jeans und T-Shirt im Hörsaal erscheinen konnte. Das gefiel der Dozentin, für die Shopping „höchstens in Buchläden“ interessant war, die keine Partygängerin und vom Naturell her „kein Spaßhaber“ war. Stattdessen zog es sie zu einer Anbetungskapelle in Uni-Nähe. Frühmorgens vor der Arbeit mischte sie sich unter mexikanische Gärtner und einfache Arbeiter, deren Frömmigkeit sie beeindruckte. Fundamentalistisch habe sie die Katholiken aber nicht erlebt.

Gezielte Klostersuche

Inzwischen zum katholischen Glauben übergetreten, suchte die Wissenschaftlerin im Internet gezielt nach Klöstern „mit guter liturgischer Tradition“ und der Möglichkeit, zu unterrichten. Die abstrakte Mathematik und der Glaube, das gehe gut zusammen, sagt Asaeda über die zwei Konstanten in ihrem Leben. In die engere Wahl fiel das Zisterzienserinnenkloster Waldsassen, das über eine Realschule und ein Gymnasium verfügte. Auch die Abtei in Eichstätt war ihr ein Begriff. Aber weil es dort nur eine Grundschule gab, „hatte ich an dieses Kloster gar nicht gedacht“. Bis ihr eine amerikanische Benediktinerin von einer Begegnung mit der Eichstätter Äbtissin berichtete. Die sei sehr aufgeschlossen und könne sich bestimmt vorstellen, dass eine Schwester an der Katholischen Universität in Eichstätt unterrichte. In der Tat „zeigte mir Mutter Franziska gleich das Vorlesungsverzeichnis“, erzählt Schwester Johanna vom ersten Treffen, „so bin ich jetzt Lehrbeauftragte“.

Aber auch in der Schwesterngemeinschaft übernimmt sie viele Dienste und spielt an Sonntagen und Hochfesten mit Freude die Orgel. Vom ersten Tag an habe sie sich wohlgefühlt im Kreis der Benediktinerinnen, erzählt sie. Deshalb hätte sie eigentlich gar nicht so viel Bedenkzeit gebraucht, wie sie das Postulat und das anschließende zweijährige Noviziat vorsehen: „Mir hätte ein Jahr gereicht“, sagt sie und lächelt.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 40 vom 1.10.2017

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