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20.07.2018

Knotenpunkt für Jakobspilger

Infozentrum und Kontaktstelle in der Nürnberger Innenstadt / Andachten und Stammtisch.

Keine Frage, Pilgern ist „in“ – und nicht erst seit Hape Kerkeling sich auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht hat. Gut besucht ist deshalb das Pilgerzentrum im Eingangsbereich der evangelischen Kirche St. Jakob in der Nürnberger Innenstadt. Es ist Anlaufpunkt, Infozentrum und Kontaktstelle für Pilger und solche, die es werden wollen.

Foto: Pilz-Dertwinkel

Passionierte Pilger und ehrenamtliche Mitarbeiter im Pilgerzentrum: Monika Hussy und Paul Diemer am Wegkreuz vor dem Portal der Jakobskirche in Nürnberg. Foto: Pilz-Dertwinkel

Zehn bis fünfzehn Personen kommen täglich vorbei, berichtet Paul Diemer, der dort zusammen mit anderen Ehrenamtlichen Auskunft gibt. Daneben kümmert er sich um die beliebten Pilgertreffen, jeweils am ersten Mittwoch im Monat. Sie beginnen mit einer Andacht in der Krypta der katholischen Kirche St. Elisabeth gegenüber St. Jakob. Danach trifft man sich zum gemütlichen Pilgerstammtisch in der Traditionsgaststätte „Steichele“.

Weiter nach Eichstätt

Die Nürnberger Jakobskirche liegt an einem wichtigen Knotenpunkt im Pilger-Wegenetz. Hier treffen die Wege aus dem Norden, aus Lichtenfels und Bayreuth, sowie aus dem Osten, von Prag her, aufeinander und verzweigen sich wieder nach Eichstätt, Rothenburg ob der Tauber und Ulm/Konstanz. Wegweiser befinden sich rechts vor dem Hauptportal der Kirche.

Schon der klassische Pilgerweg führte hier vorbei, erklärt Diemer. Man orientierte sich früher an den alten Handelsstraßen. Dass dieser alte Weg, der von Nürnberg nach Rothenburg führt, mit dem bekannten Muschelsymbol ausgeschildert wurde, ist vor allem dem in der Pilgerbewegung engagierten, inzwischen verstorbenen Pfarrer Alois Huber zu verdanken, betont Diemer. Heute sind die Jakobswege in der Regel gut markiert. Bei der Instandhaltung helfen die Wegebezirksmeister des Fränkischen Albvereins.

Pilgern ist „Beten mit den Füßen“, der Weg ist das Ziel. Die Seele bekommt Luft zum Atmen. Es gibt die verschiedensten Gründe, warum sich jemand aufmacht. Pilgern muss nicht religiös motiviert sein, sagt die Jakobspilgerin Monika Hussy. Viele sähen es sportlich, andere suchten nur den Kontakt zur Natur, das müsse nicht negativ sein. Doch alle kämen gewandelt wieder, davon ist sie überzeugt. Im Pilgerzentrum in St. Jakob, wo es ein extra Angebot für Kinder und Jugendliche, Schulklassen und Jugendgruppen gibt, wurden im vergangenen Jahr rund 1.860 Besucher gezählt. Sie ließen sich beraten, beantragten einen Pilgerausweis, erkundigten sich nach Übernachtungsmöglichkeiten, holten sich einen Stempel.

Pilgerkoordinatorin Tanja Zeller hält ein weiteres Angebot bereit: Sie lädt regelmäßig ein zum kostenlosen, zweistündigen Schweigepilgern entlang der Nürnberger Stadtmauern. Es wird für alle Interessierten an jedem dritten Freitag im Monat angeboten. Treffpunkt ist jeweils um 18.30 Uhr an der Innenstadtkirche St. Klara.

Eine gute Möglichkeit, Kontakt zur Pilgerszene zu finden, sind aber auch die Pilgertreffen in der Elisabethkirche, auf deren Altar eine Jakobusstatue steht. Anschließend herrscht beim „Steichele“ stets fröhliche Stimmung und es werden viele Pilgererinnerungen ausgetauscht.

200 Pilgerstempel

Friedrich Raab zum Beispiel ist vor sechzehn Jahren nach Santiago gelaufen – und wieder zurück. Jeden Tag habe er eine Postkarte geschickt, erinnert sich der 75-Jährige. Zahllose Fotos hat er gemacht, Grundlage einer ausführlichen Dokumentation seiner Pilgerreise, akribisch in mehreren Büchlein aufbereitet. Stolz präsentiert er eine Karte mit „sämtlichen Stempeln“, die er gesammelt hat – es werden um die 200 sein. Weiter unten am Tisch zeigt ein anderer Pilger Fotos auf seinem Notebook, schwärmt von Muxia und Finisterre, erzählt, dass er dort seinen Drachen fliegen ließ. Nur vier Kilo habe sein Rucksack gewogen, das sei extrem wenig, meint er stolz, im Laufe der Jahre habe er gelernt, das Gewicht zu optimieren. Acht Kilo wird als normal erachtet – doch das schaffen nicht alle.

Gleichgesinnte zu treffen, über das Lieblingsthema Pilgern zu reden, neue Vorhaben zu besprechen – das sind die Gründe für diese monatlichen Pilgertreffen. Pilgern verbindet, das ist hier zu spüren. „Pilgern macht süchtig“ sagt jemand, und bekommt allseits Zustimmung.

Ulrike Pilz-Dertwinkel/gg, Kirchenzeitung Nr. 29 vom 22. Juli 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 21.10.2018

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