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16.09.2020

Im Kreuzgang: Gedenk- und Mahntafel Bischof und Domkapitel stellen sich dem dunkelsten Kapitel der Eichstätter Diözesangeschichte

Als Bischof Gregor Maria Hanke im Oktober 2018 die Teilnehmer der vom Eichstätter Diözesangeschichtsverein veranstalteten wissenschaftlichen Tagung im Marquardussaal im Eichstätter Generalvikariat begrüßte, betonte er, dass er „Trauer und Bestürzung über die unentschuldbaren Verbrechen“ empfinde, „für die vor allem einer meiner Vorgänger im Bischofsamt in seiner Eigenschaft als Landesherr verantwortlich war“. „Die Hexenprozesse waren weder mit der Vernunft noch mit dem Evangelium Jesu vereinbar“, fuhr Hanke in seinem Grußwort fort. Als Christen müssten wir uns dem damals begangenen Unrecht

stellen.

Tagung 2018: Intensive Unterhaltung in einer Vortragspause

Tagung 2018: Intensive Unterhaltung in einer Vortragspause (v. l.): Prof Dr. Wolfgang Behringer, Inhaber des Lehrstuhls für Frühe Neuzeit an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, Prof. Dr. Johannes Dillinger, Professor of Early Modern History an der Oxford Brookers University, Oxford und Mainz und Bischof Gregor Maria Hanke.                                         Foto: Buchner

Das taten Referenten und Teilnehmer des wissenschaftlichen Symposiums „Hexenverfolgung im Bistum Eichstätt“, dessen Vorträge jetzt als Band 2 der Beiträge zur Geschichte der Diözese Eichstätt erschienen sind. Gewidmet ist das 296 Seiten starke Buch den „Opfern der Hexenverfolgungen in der Diözese Eichstätt“. Es enthält die zehn, teilweise deutlich erweiterten Vorträge der Tagung und zwei neue Aufsätze. Die Hälfte der Beiträge gibt entweder einen Überblick oder beschäftigt sich mit Grundfragen der Hexenverfolgungen, während die andere Hälfte die Verfolgungen in den geistlichen und weltlichen Territorien auf Bistumsgebiet beschreibt.

 

Weitere Beschäftigung

Bei der Übergabe des ersten Exemplars des Tagungsbands an den Schirmherrn der Veranstaltung durch den Vorsitzenden des Diözesangeschichtsvereins, Dr. Erich Naab, und dem Herausgeber Dr. Klaus Littger, sagte der Bischof, dass „die Hexenverfolgung eine blutende Wunde in der Geschichte unserer Kirche ist“. Nicht nur für die Kirche sei es wichtig, die Mechanismen zu verstehen, „die diesen Wahn ausgelöst, begünstigt, verstärkt und am Leben gehalten haben“. Daher regte Hanke eine weitere Beschäftigung mit dem Thema an, etwa die Gedenkveranstaltung und anschließender Führung zur ehemaligen Hinrichtungsstätte auf dem Galgenberg 2019. Der Verein plant weitere Vorträge und Veröffentlichungen.

 

Öffentliches Zeichen

Bischof und Domkapitel wollen auch öffentlich ein Zeichen setzen, indem sie sich mit der Geschichte an sich und speziell der Schuld von Verantwortlichen der Diözese im Lauf der Geschichte auseinandersetzen. So beschloss das Domkapitel im Kreuzgang beim Dom eine Gedenktafel anzubringen. Als Standort sollte dafür ein Platz nahe der Grabplatte des Bischofs Johann Christoph von Westerstetten im Südflügel des Kreuzgangs gefunden werden, um auch räumlich eine Nähe von Täter und Opfern herzustellen. An der Nordwand des Kreuzgangs nahe dem Eingang vom Pater Philipp Jeningen-Platz gegenüber der Tür in den Ostflügel des Kreuzgangs wurde eine geeignete Stelle gefunden, so Domdekan Monsignore Dr. Stefan Killermann im Gespräch mit der Kirchenzeitung. 

Auch habe es die Überlegung gegeben, auf der Gedenktafel alle Namen der Opfer aufzuführen, doch wurde dieser Plan verworfen, zumal im Eichstätter Rathaus eineTafel mit den Namen aller Opfer ihren Platz finden soll, so der Domdekan weiter. Schließlich habe man sich gemeinsam auf einen von Bischof Hanke verfassten Text für die Gedenktafel geeinigt, die der Bildhauer und Steinmetzmeister Günter Lang aus Eichstätt gestalten soll. Die Inschrift lautet: „Zum ehrenden Gedenken aller Opfer der Hexenverfolgung in Stadt, Hochstift und Bistum Eichstätt, zum Bekenntnis der Würde aller Verfolgten, als Mahnung zur Achtung jedes Menschen und Appell zur eigenen Umkehr. Beschämt stehen wir vor der Schuld, die Verantwortliche der Diözese auf sich geladen haben“. Darunter das Bistumswappen, „AD 2020, Bischof und Domkapitel von Eichstätt“.

Klaus Kreitmeir


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 43 vom 25.10.2020

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