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17.03.2021

Gott geht auf Sendung Fernsehgottesdienst aus Friedrichshofen / „Pastoraler Dienst“ einer Pfarrei für Zuschauer

Mehr als eine halbe Million Menschen sahen vor kurzem die Übertragung des Sonntagsgottesdienstes aus Ingolstadt-Friedrichshofen. Der Bayerische Rundfunk (BR) sowie zwei weitere dritte Programme strahlten die Messe aus der Kirche St. Christophorus live aus. Mit vor Ort bei der Planung und den Proben war Monsignore Erwin Albrecht. Der 59-jährige Eichstätter Diözesanpriester ist Rundfunkbeauftragter der bayerischen Bischöfe für den öffentlichen Rundfunk im Freistaat. Mehrmals im Jahr fährt er in die Pfarreien, begleitet von einem Technik-Team mit Übertragungswagen.

Fernsehgottesdienst aus Friedrichshofen, Pastoraler Dienst einer Pfarrei für Zuschauer

Vier Kameras waren beim Gottesdienst aus der Kirche St. Christophorus in Friedrichshofen im Einsatz. Der Mitschnitt der Messe steht in der BR-Mediathek.                                    Foto: privat

Angebot erhöht

Coronabedingt ist die Nachfrage nach Messen im Fernsehen gestiegen. Gleich beim ersten Lock-down vor fast genau einem Jahr reagierten die Sender und erhöhten die Zahl der Übertragungen. Albrecht erinnert sich, dass er Anfang 2020 in Italien war, als dort alle Gottesdienste auf einen Schlag verboten wurden. Er ahnte: Das wird auch in Deutschland passieren. Zurück in der Heimat suchte er das Gespräch mit dem Programmdirektor beim BR und schlug vor, jeden Sonntag eine Messe ins Programm zu nehmen, in Absprache und Zusammenarbeit mit anderen dritten Programmen und mit dem ZDF. Schnell war eine Lösung gefunden, es gingen zeitversetzt katholische und evangelische Gottesdienste auf Sendung. Die erste Feier von 9.30-10.15 Uhr, die zweite im Anschluss von 10.15-11 Uhr. Auch in Zeiten, in denen Gottesdienstbesuche nun wieder möglich sind, ist das Interesse an den Übertragungen groß, wie die Zahlen aus Friedrichshofen zeigen.

Am fünften Fastensonntag wird der BR einen Gottesdienst aus der Münchner St. Bonifaz-Kirche zeigen. Da es auch bei den Fernsehsendern strenge Hygienekonzepte und Sicherheitsvorkehrungen gibt, seien in letzter Zeit häufiger als sonst Messen aus der näheren Umgebung von München oder direkt aus der Landeshauptstadt im Programm gewesen, erläutert Albrecht. So konnten die bis zu 20 Personen starken Technik-Teams Hotelübernachtungen vermeiden. Den Reiseeinschränkungen ist im vorigen Jahr auch eine Gottesdienstübertragung aus Neumarkt zum Opfer gefallen: Am 14. Juni 2020 wollte das ZDF live aus dem Münster St. Johannes senden. Doch die Übertragung wurde abgesagt, stattdessen beschränkte sich das ZDF auf Messen aus Mainz und Umgebung. Jetzt gibt es ein neues Sendedatum. Am Sonntag, 29. August, wird um 9.30 Uhr live gesendet. Laut Domkapitular Stadtpfarrer Norbert Winner wird das dann die 21. Gottesdienstübertragung aus Neumarkt seit 1998 sein. 

Desinfektion im Bild

Die Corona-Pandemie hat nicht nur Einfluss auf Abläufe in der liturgischen Gestaltung, auch in Sachen Fernsehbilder gab es Änderungen. Wie Albrecht berichtet, habe es vor einem Jahr, nach einer der ersten Sendungen aus einer fast leeren Kirche, viele Zuschriften und Anfragen gegeben, warum sich denn der Priester nicht die Hände desinfiziert habe. „Er hatte, nur haben wir das mit der Kamera nicht gezeigt“, erinnert sich Albrecht. Mittlerweile hält die Kamera drauf, wenn Ministranten oder Pfarrer zum Desinfektionsmittel greifen.

Neben den aktuell gültigen Hygieneregeln des jeweiligen Bistums oder auch Landkreises, muss auch das oft noch strengere Konzept des BR berücksichtigt werden, weiß Albrecht. Da gebe es beispielsweise manchmal Unterschiede, was die Mindestabstände zwischen Musikern betreffe. In Friedrichshofen stellte sich heraus, dass auf der Empore neben dem Organisten so gerade noch ausreichend Platz für die acht Sänger blieb. Nur: wohin mit dem Dirigenten? Um allen Vorschriften gerecht zu werden, bauten Hausmeister und BR-Techniker ein Gerüst vor die Empore, auf dem Regionalkantor Christoph Hämmerl Platz fand. Für Hämmerl war die Messe ein Heimspiel, er leitet auch den Kirchenchor in St. Christophorus (siehe auch Seiten 4 und 5). Ebenfalls an der Mitwirkung und Planung beteiligt war der Pfarrgemeinderat. Wie Vorsitzende Jolande Kopp erzählt, habe es umfassende Vorgespräche mit Albrecht gegeben und am Ende seien alle mit der Übertragung zufrieden gewesen: „Es war mal ein Erlebnis und es war spannend zusehen, wie Fernsehen funktioniert.“ Pfarreiangehörige betreuten nach der Übertragung noch das Zuschauertelefon. Überhaupt leiste jede Pfarrei bei einem Fernsehgottesdienste einen „wichtigen pastoralen Dienst“, ist Albrecht überzeugt. Die gastgebende Pfarrei lasse so die Zuschauer draußen mitfeiern. Vom Altar ins Wohnzimmer sozusagen.

Andrea Franzetti
 


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 18. April 2021

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