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11.01.2019

Frohe Botschaft in fröhlichen Bildern: Bücherkisten für kleine Gottesdienstteilnehmer

Wenn Erwachsene die Heilige Messe besuchen, nehmen sie sich üblicherweise ein Gotteslob aus dem Regal, bevor sie sich in der Kirchenbank niederlassen. Fast genauso selbstverständlich ist es in manchen Kirchen des Bistums, dass Eltern und Großeltern auf eine Auswahl religiöser Bilderbücher für die jüngsten Gottesdienstbesucher zurückgreifen können. Gebete-Wimmelbücher ...

Foto: Franzetti

Eine beispielhafte Bücherkiste mit religiöser Literatur für die Jüngsten hatte Tuoi Weisensel-Hoang beim Besuch in der KiZ-Redaktion dabei. Foto: Franzetti

Kinderbibeln oder bunte Bücher zum Kirchenjahr sollen den Kleinsten, die noch nicht lesen können, eine erste Ahnung davon geben, worum es bei der Feier geht. 

Für die Inhaberin der neuen Projektstelle Kindergartenpastoral Nürnberger Süden, Tuoi Weisensel-Hoang, sind solche Bücherkisten Schätze, die es zu entdecken und zu heben gilt. Deshalb hat die Pastoralreferentin als erstes Projekt eine Bestandsaufnahme in den Dekanaten Nürnberg-Süd und Roth-Schwabach durchgeführt. Ihr erstes Fazit: „Es ist erfreulich und positiv zu sehen, dass viele Kirchen dieses Angebot für unsere kleinen Gottesdienstbesucher haben.“ Die Ergebnisse hat sie in den Dekanatskonferenzen vorgestellt.

In einem Rundschreiben hatte Weisensel-Hoang ihre Kollegen zuvor gebeten, in ihren jeweiligen Kirchen nachzuschauen, ob es eine Bücherkiste gibt und wie sie gefüllt ist. An den Anfang des Briefs hatte sie ein arabisches Sprichwort gesetzt: „Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.“ Dass Bücher die kindliche Vorstellungskraft zum Blühen bringen können, weiß Weisensel-Hoang von ihren beiden Töchtern, sieben und zehn Jahre alt. „Sie lieben Bücher“, erzählt die 39-Jährige, „wir gucken fast kein Fernsehen“. Als ihre Kinder noch klein waren, nutzte sie selbst gerne die Bücherkiste in ihrer Pfarrkirche. „Auch wenn ich eigene Bücher dabei hatte, war es für meine Kinder attraktiv, dort noch andere zu finden.“ 

 

Ein Herzensanliegen

Als Mutter sei ihr religiöse Erziehung in der Familie und im Kindergarten „eine Herzensangelegenheit“, meint Weisensel-Hoang, die in Nürnberg-Langwasser aufgewachsen ist. Geboren in Vietnam, war sie als Zweijährige mit den „boat people“ auf dem Rettungsschiff Cap Anamur nach Deutschland gekommen. Sie wurde Ministrantin in der Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit, studierte später Theologie und war zuletzt Pastoralassistentin in der Pfarrei St. Nikolaus in Wendelstein. Nach der zweiten Dienstprüfung bekam sie nun eine neue Aufgabe übertragen. Die Projektstelle Kindergartenpastoral ist dem Fachreferat Kinderpastoral der Diözese zugeordnet. Sie soll eine Anlaufstelle sein, in der sich Haupt- und Ehrenamtliche Tipps, Impulse oder Materialien holen können:etwa zu Kirchenraumpädagogik für Vorschulkinder, zum Umgang mit Tod und Trauer in der Familie, zum Ablauf des Kirchenjahrs, zu Heiligen, biblischen Geschichten oder zum Staunen über die Schöpfung. In den Zuständigkeitsbereich der neuen Referentin fallen nicht weniger als 51 Kindergärten, darunter auch die 22 Einrichtungen der neu gegründeten Kita Franken gGmbH mit Sitz in Schwabach (die KiZ berichtete). 

Bücher, so weiß sie aus eigener Erfahrung, „sprechen die Kinder auf ihre Sinneswahrnehmung an und helfen den Eltern, Inhalte zu vermitteln“. Mit ihnen lasse sich außerdem die Wartezeit überbrücken, bis der Gottesdienst beginnt. Die Anschaffung einer Bücherkiste koste nicht viel und sei für eine Pfarrei auf jeden Fall eine lohnende Investition, findet Weisensel-Hoang. Dabei laute die Devise „Qualität statt Quantität“. So gehörten veraltete und zerfledderte Bücher ausgemustert und durch zeitgemäße, moderne und ansprechende Bilderbücher ersetzt. Statt eines wilden Sammelsuriums genüge in der Regel eine kleine Auswahl von zehn bis fünfzehn Büchern für eine Zielgruppe von Eineinhalb- bis Siebenjährigen. 

Für alle Interessierten hat die Pastoralreferentin eine Liste mit Literaturvorschlägen für eine Bücherschatzkiste in der Kirche zusammengestellt. Die „kleine Kees de Kort-Kinderbibel“, die unter den aufgeführte Klassikern ist, kennt die 39-Jährige noch aus ihrer eigenen Kindheit. Mittlerweile „ist es sehr bunt geworden“, freut sie sich über ein breites Angebot und nenntals Beispiel eine Reihe mit kleinen Sachbüchern über Religion aus dem Don Bosco Verlag. 

In manchen Kirchen liegen religiöse Kinderbücher am Info-stand aus, in anderen direkt an den Sitzbänken. Wichtig sei in jedem Fall, sie auf Augenhöhe der Kinder zu präsentieren, rät Weisensel-Hoang und schlägt als erweiternden Schritt vor: „Entsprechend unserer‚ Willkommenskultur‘, dass jeder Besucher in unseren Gotteshäusern einen Platz hat und auch gesehen wird, kann jedem Kind ein Kinderbuch zu Beginn des Gottesdienstes angeboten werden und den Erwachsenen ein Gotteslob. Dieser Dienst könnte eventuell von Ministranten, Lektoren oder einem ‚Begrüßungsteam‘ übernommen werden.“

 

Früh übt sich

Dass Eltern, die mit kleinen Kindern noch regelmäßig zum Gottesdienst kommen, aller Aufmerksamkeit wert sind, zeigt die Erfahrung von Renate Simon-Mathes, Gemeindereferentin in der Nürnberger Pfarrei St. Maximilian Kolbe: Unter den zwei Dutzend Erstklässlern, denen sie derzeit schulischen Religionsunterricht erteilt, seien nur zwei oder drei, die erkennbar kirchlich sozialisiert seien. Umgekehrt fallen ihr im Gottesdienst durchaus Vorschulkinder auf, die schon ansatzweise das Vaterunser mitbeten können – weil sie von klein auf im Gottesdienst dabei waren. 

Eine Bücherkiste gebe es in der 1980 gegründeten Pfarrei St. Maximilian Kolbe schon seit vielen Jahren, berichtet Simon-Mathes. Sie seien wohl Anfang der 1990er-Jahre gemeinsam mit den Kleinkindergottesdiensten eingeführt worden, vermutet die Gemeindereferentin, die seit sechs Jahren in der Pfarrei arbeitet. Eine Zeitlang sei der Stapel in der Bücherkiste recht dünn gewesen, „in letzter Zeit füllt sie sich wieder. Sie ist ein richtiger Selbstläufer. Ich schau halt regelmäßig durch, was reingestellt worden ist“, denn oft landeten auch ausgediente Märchenbücher in der Kiste.

Natürlich kann es auch vorkommen, dass ein Kind sein Lieblingsbuch nicht in die Kiste zurücklegt, sondern mit nach Hause nehmen will. Tuoi Weisensel-Hoang rät zu Gelassenheit, wenn einmal ein Exemplar fehlt. Hauptsache sei schließlich, dass es genutzt und gerade von einem Kind besonders geliebt werde.Die Pastoralreferentin weiß derweil schon, wo sie als nächstes Ausschau nach religiöser Kinderliteratur halten will: in den Gemeindebüchereien. 

Gabi Gess

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 25 vom 23. Juni 2019

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