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16.11.2018

„Ermutigung für die Jugendarbeit“

Was sagt die Synode zum Thema „Berufung“? / Fiegenstaller Forum fragt nach

Wir brauchen mehr Stühle“, stellte Dr. Rowena Roppelt fest, als immer mehr Interessierte im Agapesaal der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) in Eichstätt eintrudelten. Roppelt, Referentin für jugendpastorale Projekte im bischöflichen Jugendamt, hatte eines von drei Statements für einen Abend vorbereitet, der sich mit der soeben beendeten Jugendsynode im Vatikan auseinandersetzte.

Foto: Gabi Gess

Talk-Atmosphäre mit (v. l.) Dr. Rowena Roppelt, Christoph Raithel, Domvikar Christoph Wittmann und Dr. Simone Birkel. Foto: Gabi Gess

Zum Thema „Auf der Suche nach einem Platz im Leben und in der Kirche“ sprachen außerdem Domvikar Christoph Wittmann, Leiter des diözesanen Zentrums für Berufungspastoral, und Dr. Simone Birkel, Dozentin für Jugend- und Schulpastoral an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Vom Bildungshaus der Katholischen Landjugend in Fiegenstall bei Weißenburg, in dem sich Birkel ehrenamtlich engagiert, war die Initiative ausgegangen, im Rahmen des traditionellen, monatlich stattfindenden „Fiegenstaller Forums“ die Synode in Rom aufzugreifen – gemeinsam mit Vertretern des Bischöflichen Jugendamts und der Berufungspastoral. Ausnahmsweise fand das Forum diesmal in Eichstätt statt. Unter den fast 50 Gästen waren überwiegend Studenten, die einen Beruf in der Kirche anstreben. Aber auch Domkapitular Alfred Rottler vom Bischöflichen Ordinariat, Diözesan-jugendpfarrer Domvikar Clemens Mennicken und Ministrantenreferentin Sarah Hairbucher saßen im Publikum. Die Modera-tion übernahm der frühere Vorstand im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) der Diözese Eichstätt, Christoph Raithel.

Helfen bei der Sinnsuche

„Da ist in Rom jetzt ganz viel passiert, aber was hat das mit uns zu tun?“ stellte er die Ausgangsfrage, auf die Birkel als Erste antwortete. Die fast vierwöchige Tagung in Rom unter dem Motto „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ hebe sich von bisherigen Synoden ab, weil vielfältige neue Beteiligungsformen ausprobiert worden seien. Birkel verwies dabei auf den weltweit abrufbaren Online-Fragebogen, auf die Möglichkeit, sich per Facebook-Kommentar zu Wort zu melden, besonders aber auf die Vorsynode im März, bei der 300 junge Leute aus aller Welt ein Arbeitspapier als Grundlage für die eigentliche Synode erstellten. Das Fach Jugendpastoral, das an der Hochschule bisweilen eine Art „Stiefkind-Existenz“ zwischen verschiedenen theologischen Disziplinen führe, habe durch die Jugendsynode Aufwind bekommen, freute sich Birkel. Allein die Ankündigung „hat die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen im Bereich Jugendpastoral in die Höhe schnellen lassen“. Vor dem Hintergrund der Jugendsynode forderte die Hochschuldozentin innovative Lernformate an der Uni, bei denen Studierende weniger Objekte als vielmehr Beteiligte von Lernprozessen seien. Die jungen Leute seien „mit ihrem jugendlichen Engagement und Know-How ihrer Lebenswelt“ eine wichtige Ressource für „genau das, was wir als Kirche dringend brauchen: die Jugendlichkeit!“

„Spiegel vorhalten“

Junge Leute auf dem Weg ihrerLebensentscheidung, auf ihrer Suche nach Sinnsuche begleiten, das sei das Anliegen der Berufungspastoral, stellte Wittmann fest. Dass in ihr auch das Anliegen mitschwinge, Berufe in der Kirche zu stärken, sei legitim. Aber das sei es nicht allein. Als er für das Projekt „Christliches Orientierungsjahr“ im Eichstätter you-Haus (die KiZ berichtete) warb, sei er damit aufgezogen worden, wie viele Bewerber denn da am Ende im Priesterseminar landen müssten, erzählte Wittmann. Zur Erheiterung der Zuhörer erwähnte er dann noch, wie ihm neulich bei einem Gottesdienst im Dom gewohnheitsmäßig eine anscheinend missverständliche Fürbitte glatt über die Lippen kam: „für alle Ministrantinnen und Ministranten, dass sie zum priesterlichen Dienst berufen werden“.

Über das Thema Berufung machte sich auch Roppelt in ihrem Vortrag Gedanken: „Im Kontext der Mitgliedsverbände des BDKJ mag der Begriff ‚Berufung‘ ungewohnt, ja sogar für manche abschreckend wirken“, befand sie. Das Verständnis von Berufung, das bei der Jugendsynode deutlich wurde, sollten die Jugendverbände aber als eine Bestätigung ihrer Arbeit und als Ermutigung verstehen. Wenn in Rom über Berufungen diskutiert wurde, so sei es dabei „eindeutig nicht nur um die Rekrutierung kirchlichen Personals“ gegangen. Berufung zu erkennen „bedeutet, mich selbst als geliebt wahrzunehmen“. Diese Erkenntnis verleihe Kraft, den ganz persönlichen Lebensweg zu gehen und zu gestalten – auch im Blick auf soziales, politisches oder berufliches Engagement. In dieser Beschreibung von Berufung „können die Verbände sich wiedererkennen“, fand Roppelt und verwies unter anderem auf die 72 Stunden-Aktion des BDKJ. „Spannend“ fand sie es, dass in der Synode nicht nur gefragt worden sei, wie die Kirche junge Menschen begleiten kann, sondern umgekehrt auch, wie junge Leute die Kirche begleiten können. Roppelt: „Die Berufung der Jugend ist es unter anderem, der Kirche einen Spiegel vorzuhalten und unbequeme Fragen zu stellen.“ Welche Fragen bei der Synode auf den Tisch kommen, darüber hat Maria Muther in Rom mitdiskutiert. Die junge Theologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Dogmatik hatte als Vertreterin der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt an der Vorsynode teilgenommen und schilderte in der KHG ihre Eindrücke. Sie erzählte, wie ihre Kleingruppe mit jungen Leuten aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten einen gemeinsamen Nenner finden musste. Wie der Textentwurf dann nochmal überarbeitet und Teil eines kirchlichen Dokuments wurde. Sehr spannend sei es gewesen, dies mitzuerleben. 

Eine konkrete Auswirkung der Jugendsynode im Bistum Eichstätt kündigte Roppelt an: Es wird künftig eine neue Hauptabteilung geben (siehe Kasten rechts). Nach Auskunft von Diözesanjugendpfarrer Mennicken ist der Bischof schon länger im Gespräch mit den Jugendseelsorgern, „die Jugendsynode war jetzt nochmal ein Katalysator“. Nach dem Treffen in Rom gehe es nun darum, für die Themen der Synode in der katholischen Jugendarbeit im Bistum, den Pfarreien und Gruppen „sensibel zu sein und auch den synodalen Stil der gegenseitigen Achtsamkeit und des Hinhörens“ zu pflegen, meinte Mennicken im Gespräch mit der KiZ. 

Bericht: Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 46 vom 18. November 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 49 vom 09.12.2018

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