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10.08.2018

Eine echte Alternative

Schwester Bernadette Gevich schildert ihre Eindrücke beim Besuch von Mitschwestern in Brasilien. Die Ordensreferentin im Bischöflichen Ordinariat Eichstätt, gerade aus Südamerika zurückgekehrt, kann viel von ihrer Reise erzählen. Die Dillinger Franziskanerin ist neben Provinzoberinnen aus Amerika, Brasilien, Deutschland, Indien und den Schwestern der Generalleitung Mitglied des Ordensrats ihrer Kongregation.

Foto: Sr. Bernadett Gevich

Gruppenbild: Der Ordensrat der Dillinger Franziskanerinnen im Provinzhaus in Caxias. Foto: Sr. Bernadett Gevich

Mit dem Rat besuchte Schwester Bernadette ihre Mitschwestern im Nordosten und im Südosten Brasiliens.

Schulen in den Favelas

Im Nordosten des südamerikanischen Landes wirken die Dillinger Franziskanerinnen vor allem in der Pastoral, die dort auch Ernährungsberatung und Hygiene umfasst, wie Schwester Bernadette
erklärt. Im Südosten kümmern sich die Schwestern vor allem um Kinder und Jugendliche in den Favelas rund um Rio de Janeiro, arbeiten in Schulen und Armenschulen. Bei jedem Besuch steht der Austausch mit den Mitschwestern im Vordergrund. Sie schildern ihre Arbeit, ihre Aufgaben, berichten von ihren Sorgen und ihren froh machenden Begegnungen und
Erlebnissen.

Schwester Aparecida zum Beispiel arbeitet an der „Escola Espaco Verde“, die inmitten von fünf Favelas in Duque de Caxias liegt. Aus ihrem Schulalltag berichtet sie, dass die Kinder nur in der Schule Freunde sind. Kaum ist der Unterricht aus, gehen die Kids nach Hause und sind miteinander verfeindet, weil sie zu verschiedenen Gangs gehören. Überhaupt sei die Gewalt neben dem Drogenkonsum Hauptproblem in den Favelas. So erzählt Schwester Bernadette, dass in den Favelas jede Nacht Schüsse zu hören waren, was die Besucher ziemlich unruhig schlafen ließ.

Schwester Ivonette, die auch zu dem Konvent gehört, bringt sich bei verschiedenen pastoralen Diensten und spirituellen Begleitungen ein. Ihr Anliegen in der pastoralen Arbeit für Afro-Nachkommen ist es, dass die Menschen sich in der persönlichen, ethnischen Abstammung annehmen und selbstbewusst durchs Leben gehen. Dafür setzt sie sich auch in einer Gruppe des Bundesstaates Rio de Janeiro ein.

Natürlich ließen sich die Mitglieder des Ordensrats die Möglichkeit, Rio zu besichtigen, einer Stadt, in der Reichtum und extreme Armut aufeinander knallen, nicht entgehen. „Es ist unbeschreiblich! Hinter uns die 30 Meter hohe Christusstatue, vor uns das Meer, die Stadt, der Zuckerhut …“, so schildert es Schwester Bernadette in ihrem Blogbeitrag. Die Schwestern nahmen das Angebot der meditativen Stille in der Kapelle im acht Meter hohen Sockel der Statue gerne wahr, um die herrlichen Ausblicke sacken zu lassen und Gott für seine herrliche Schöpfung zu danken.

Motivation gestärkt

Nach der Hitze der Favelas freuten sich die Schwestern des Ordensrats auf die Fahrt ins Hinterland Rios, in die brasilianische Schweiz. Immer weiter führte sie der Weg in die Berge hinein. Auf Serpentinen schlängelt sich die Straße hinauf bis auf 1.079 Meter Höhe. Hier liegt die Stadt Nova Friburgo, eine Großstadt in der brasilianischen Schweiz. Zwei Schwestern leben hier im Konvent, dessen Haus direkt aus den Allgäuer Alpen versetzt scheint. Zurzeit werden die Räumlichkeiten an Gruppen aus den Pfarreien ringsum vermietet oder an Lehrer und Mitarbeiter der Schulen in Caxias, die hier gerne Fortbildungen machen. Die Schwestern haben in Nova Friburgo ein Paradies geschaffen, das 2011 einen Riss bekam, als in der Nachbarschaft zwei Schlamm-Muren abgingen. Bei dieser Katastrophe kamen vier Menschen ums Leben. In der Folge konnte das Nachhilfeprojekt für Kinder nicht weitergeführt werden. Heute sind die Wunden verheilt, die Hänge des Berges wieder grün überwachsen, das Paradies ist wieder da.

Schwester Bernadette hat sowohl die Landschaft und die faszinierende Natur Brasiliens beeindruckt, als auch das Engagement und die Kreativität der Mitschwestern vor Ort, um die Frohbotschaft zu verkünden und für die Menschen da zu sein. Die Frömmigkeit der Brasilianer hinterließ nicht nur bei der Wallfahrt in das Nationalheiligtum von Brasilien, Maria Aparecida im Staate Sao Paulo, einen bleibenden Eindruck. Die Begegnung auf Augenhöhe mit den Menschen und Mitschwestern, das Erfahren neuer Perspektiven gibt Kraft und stärkt die Motivation, davon ist die Ordensreferentin überzeugt. Die Brasilienreise, die den Zusammenhalt der Gemeinschaft wieder erneut festigte, zeigte ihr, wie wichtig die Arbeit der Ordensleute ist und wie wichtig es ist, dass die Orden in der Kirche und der Öffentlichkeit sichtbar sind. Das Ordensleben sei eine echte Alternative zu anderen Lebensentwürfen „Ich bin dankbar, dass ich so leben darf, wie ich lebe“, betont die Franziskanerin.

Klaus Kreitmeir, Kirchenzeitung Nr. 32/33 vom 12./19. August 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 21.10.2018

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