Zum Inhalt springen
06.05.2020

Die Kehrseite so mancher Medaille / Leserstimmen zu Lebensschutz um jeden Preis und die Zukunft der Kirche nach Corona

Auch in der sechsten Woche wird das Lesertelefon der KiZ-Redaktion angewählt, auch die Zahl der Zuschriften hat wieder zugenommen, die vom Corona-Alltag in Gemeinden, Gruppen und Familien berichten und sich auf die Berichterstattung der KiZ in den Ausgaben der letzten Wochen beziehen. Die Maskenpflicht und weitere Einschränkungen in der Öffentlichkeit beschäftigen viele Leserinnen und Leser.

Am Lesertelefon: Redaktionsleiter Michael Heberling

Am Lesertelefon: Redaktionsleiter Michael Heberling Foto: Gess

Simon Kirschner aus Gaimersheim befürchtet dass die rigiden Maßnahmen „zum Schutz des menschlichen Lebens“ andere, nach wie vor anhaltende Bedrohungen vergessen lassen: etwa die „rund 100.00 Abtreibungen im Jahr“ oder die „militärische Aufrüstung“.

Gott an der Seite

Eine langjährige Leserin aus Nürnberg gibt zu bedenken, dass die nachvollziehbare Devise „Abstand ist Lebensschutz“ auch eine Kehrseite habe. Ihr Mann, der in einem Pflegeheim lebe, werde auf seiner Station nach mittlerweile fünf Wochen „völliger Isolierung“, die weiter aufrecht erhalten wird, täglich Zeuge bedrückender Szenen: „Mein Mann hört aus vielen Zimmern nur noch Klagen und Hilferufe, auch Bitten, sterben zu dürfen. Eine Freundin berichtet, dass ihre Mutter nur noch weint.“ All dies geschehe weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, während andere „wegen diverser unterhaltungstechnischer Einschränkungen vor Selbstmitleid zerfließen“. Die abschließende Frage stellt sich drängend: „Schutz des Lebens, um welchen Preis? Und: Wer bezahlt ihn?“ 

Rita Niedermayer berichtet in einer E-Mail, dass sie ihre persönlichen Trostworte in der gegenwärtigen Ausnahmesituation gefunden habe, in der „der Osterjubel schwindet und verstummen will“. Der Liedtext (GL 325), der ihr Herz „zutiefst berührt“ habe, lautet: „Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit! / Schon sinkt die Welt in Nacht und Dunkelheit. / Geh nicht vor-über, kehre bei uns ein. / Sei unser Gast und teile Brot und Wein. (...) Weihe uns ganz in dein Geheimnis ein. / Lass uns dich sehn im letzten Abendschein. / Herr deine Herrlichkeit erkennen wir: / Lebend und sterbend bleiben wir in dir“. Der Text bestärke sie in der Gewissheit, so Nieder-mayer: „Mit Gott an der Seite ist kein Weg zu lang, zu weit oder zu schwer“.

Wie geht es weiter?

Aus München rief Schwester Pia Wittmann an, die 62-jährige gebürtige Hilpoltsteinerin gehört seit 36 Jahren dem Orden der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau an und lebt seit über 17 Jahren in der Niederlassung der Gemeinschaft am Mariahilfplatz im Stadtteil Au. Sie wisse, dass positive Rückmeldungungen, gerade in angespannten Zeiten, nicht so häufig seien und wolle sich einmal ausdrücklich bei der Eichstätter KiZ dafür bedanken, dass sie weiter erscheine und nach wie vor aktuell und spannend berichte. Die Eichstätter Bistumszeitung werde in ihrem Haus von acht der 25 Mitschwestern und im unweit gelegenen Stammhaus von einer weiteren Mitschwester – alle wohlgemerkt aus anderen Bistümern – aufmerksam und gerne gelesen. Sobald das Blattim Haus ist, legt Schwester Pia einen Laufzettel an, damit auch jede Leserin berücksichtigt wird. Die „guten Wünsche für die Gesundheit des Teams“ erwidern wir nur zu gerne.

„Die Zeit der Corona-bedingten Beschränkungen dauert ja nun schon eine Weile an“, stellt Georg Brigl in einer E-Mail an die KiZ-Redaktion fest. Viele Initiativen in der Diözese hätten „eine bunte, vor allem digitale Landschaft entstehen lassen“. Der Referent für das Dekanat Roth/Schwabach und für Gemeindekatechese/Sakramentenpastoral im Bistum Eichstätt macht in diesem Zusammenhang auf Fragen aufmerksam, die im Kreis seiner Kolleginnen und Kollegen immer wieder zur Sprache kämen: „Wie geht es nun weiter? Was soll über die Corona-Zeit hinaus weiterbestehen? Welche Hilfe war gut? Was ist weggefallen und ich vermisse es nicht? Was fehlt mir? Welche zukunftsfähigen pastoralen Richtungen gilt es zu fördern? Was trägt mich – auch in Krisenzeiten – in meinem Glauben? 

Fragen, die sich vielleicht auch andere Leserinnen und Leser der KiZ so oder ähnlich stellen. Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen, gerne am Donnerstags-Lesertelefon 08421/50819, aber auch darüber hinaus per E-Mail oder Brief. Wir sind gespannt auf Ihre Rückmeldungen.

hebe/gg


Beitrag als PDF

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 12.7.2020

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2020):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,30 €
(7,15 € einschl. 5 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,05 €;
Einzelnummer 2,10 €.