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13.05.2020

Die Arbeit ist anders und mehr“ / Zum Einstand eine Krise – wie der neue Domkapellmeister Manfred Faig dagegen anarbeitet

Das Programm stand lange schon fest, die Proben waren so gut wie abgeschlossen, die Presse informiert und die Ehrenkarten verschickt, aber das große Konzert „Klangbilder zur Passion“ mit Chormusik von der Gregorianik bis zur Gegenwart, mit dem der neue Domkapellmeister und Diözesanmusikdirektor Manfred Faig seinen Einstand geben sollte, fand nicht statt – Corona ist schuld.

Kirchenmusik auf Abstand: Domkapellmeister und Diözesanmusikdirektor Manfred Faig

Kirchenmusik auf Abstand: Domkapellmeister und Diözesanmusikdirektor Manfred Faig während des Priesterweihegottesdienstes in der Schutzengelkirche. Foto: pde/Taiber-Groh

Am 1. Januar dieses Jahres trat der gebürtige Köschinger, der zuvor Leiter der Fachstelle für Kirchenmusik im Bistum Trier und Regionalkantor in Koblenz war, seine Stelle in Eichstätt an. „Zehn Wochen lief‘s gut“, erzählt Faig, „ich kam etwas herum, konnte erste Kontakte knüpfen“. Doch Mitte März musste nicht nur die „höchst interessante Rundreise im Bistum“, sondern auch alle weiteren Live-Kontakte aus den bekannten Gründen abgebrochen, alle Termine fürs erste gecancelt werden. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass die geplanten Konzerte des Domchors, der Schola Gregoriana und der Jugendkantorei, aber auch längst eingeladener externer Ensembles in Eichstätt und an anderen Orten des Bistums sowie die meisten der kirchenmusikalischen Veranstaltungen und Fortbildungen des Amtes für Kirchenmusik für das Jahr 2020 nicht würden stattfinden können.

Seitdem muss vieles so ganz anders laufen, als gedacht und vor allem als gewohnt. Den Kontakt zu seinen Regionalkantoren hält Faig ausschließlich fernmündlich, demnächst findet die dritte große Telefonkonferenz statt. In diesem Kreis wird etwa darüber entschieden, wie es mit den Ausbildungsgängen für Organisten und dem Einzelunterricht für Chorleitung weitergehen kann. Am meisten trifft nicht nur den obersten Kirchenmusiker des Bistums, sondern tatsächlich fast jeden der Sängerinnen und Sänger, mit denen er arbeitet, dass das Singen in Gruppen und bei Gottesdiensten als hochproblematisch gilt und weitestgehend unterbleiben muss – vom Gesichtspunkt der Gruppendynamik oder der Geselligkeit ganz zu schweigen. Kleine Gesangsgruppen, die großen Abstand halten, und Sologesang sind möglich, das Chorerlebnis und den Klang ersetzen sie nicht. Eher zur moralischen Auferbauung als zur Probetreffen sich die Domchormitglieder via Videokonferenz. Der musikalische Nachwuchs meldet sich über die sozialen Medien und hält so Kontakt zum Haus der Kirchenmusik, in dem Faig und seine engsten Mitarbeiter die Stellung halten. Das Team trifft sich regelmäßig zu Arbeitsbesprechungen,Organisation und Planung laufen weiter, man arbeitet an weiteren Stream-Gottesdiensten oder an Beiträgen für die „Hoffnungsfunken“.

Ein dreieinhalbminütiges Video verlangt immerhin gut sieben Stunden Arbeit. „Unsere Arbeit ist anders und eher mehr“, meint Faig, „absolut kein Grund und keine Gelegenheit eine ruhige Kugel zu schieben“. Grundsätzlich müsse man kreativ werden, meint der  Domkapellmeister. Und die musikalische Gestaltung bei den im Internet übertragenen Gottesdiensten aus dem Bischofshaus, zeigt zum Beispiel, dass da durchaus etwas geht. 

Prognosen, wie sich die Lage generell entwickelt, gibt Faig ungern ab, selbst darüber, ob das Weihnachtskonzert heuer stattfinden kann, könne man bestenfalls spekulieren. Gerade musste man offiziell die für 28. Juni und 11. Juli geplanten Konzerte der Jugendkantorei und des Domchors absagen. Nicht stattfinden können auch die Orgelschnuppertage, die am 18. Mai in Neumarkt, am 27.  Mai in Nürnberg und Berching  und am 16. Juni in Ingolstadt- Friedrichshofen geplant waren. Auch das Orgelkonzert zum „Freiburger Orgelbuch“ am 27. Juni in Berching und das Schüler-Orgelkonzert am 12. Juli in Hilpoltstein entfallen.

Der Domkapellmeister hadert nicht mit der Situation, er ist Pragmatiker, Optimist und mit einem trockenen Humor gesegnet. Beste Voraussetzungen, ohne größere Schäden durch die Krise zu kommen.

 Michael Heberling


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 12.7.2020

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