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09.02.2018

Deutschlands Bischöfe sind zu Gast

Frühjahrsvollversammlung erstmals im Bistum Eichstätt / Gebet und Gespräch in Ingolstadt

 

Für die Diözese Eichstätt ist es eine Premiere: Zum ersten Mal ist sie Gastgeber der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die reihum in den deutschen Bistümern stattfindet. 2016 etwa hielten die deutschen Oberhirten und Weih-bischöfe ihre Beratungen im Kloster Schöntal in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, im vergangenen Jahr trafen sie sich im ehemaligen Priesterseminar und jetzigen Tagungshaus der Erzdiözese Köln in Bensberg. Nun werden sie am 19. Februar in Ingolstadt erwartet. Der viertägige Sitzungsmarathon beginnt und endet mit feierlichen Gottesdiensten (siehe gelber Kasten unten). Dazu sind alle Gläubigen willkommen.

BU: Viel zu organisieren gibt es im Vorfeld für die gastgebende Diözese. Im Bild Danuta Waldau, Ordinariatsrat Rainer Kastl (l.) und Bischofssekretär Markus Demeter bei den Planungen. Foto: Heberling

Hirschberg reicht nicht

Bereits vor etwa zwei Jahren hatte Bischof Gregor Maria Hanke die Einladung ins Bistum Eichstätt an die Bischofskonferenz ausgesprochen, die derzeit 66 Mitglieder zählt. 64 davon kommen nach Ingolstadt, ferner ihre Mitarbeiter vom Sekretariat der DBK und geschätzte 50 akkreditierte Journalisten.

Keine leichte Aufgabe für Ordinariatsrat Rainer Kastl, für diesen beachtlichen Tross ein geeignetes Quartier mit ausreichendem Angebot an Tagungs- und Arbeitsräumen zu finden. „Vom Ambiente her hätte sich natürlich allem voran Schloss Hirschberg angeboten“, meint er. „Aber das Übernachtungsangebot und die Konferenzräume reichten einfach nicht aus.“ In den weiteren kirchlichen Häusern des Bistums und in den Eichstätter Hotels waren die Kapazitäten noch geringer. So fiel die Wahl in Absprache mit dem Sekretariat der Bischofskonferenz auf ein Hotel in Ingolstadt, das über fast 120 Zimmer und zehn Veranstaltungsräume verfügt und komplett gebucht wurde. Es komme öfter vor, dass die kirchlichen Tagungshäuser nicht groß genug seien, gibt DBK-Pressesprecher Matthias Kopp Auskunft. „So waren wir unter anderem schon in Hamburg und Hildesheim zur Vollversammlung in Hotels.“ Das Quartier in Ingolstadt, in dem die Bischöfe drängende Fragen und künftige Arbeitsschwerpunkte besprechen, liegt nur einen Katzensprung von der Autobahn entfernt. Die täglichen Wege zu den Gottesdiensten in der Ingolstädter City werden die Würdenträger aber per Bus zurücklegen. Dafür sprächen nicht nur ökologische Gründe, stellt Kastl fest: „Es ist zudem auch wesentlich schwieriger, eine Vielzahl von PKW durch den Ingolstädter Berufsverkehr zu schleusen.“ Im Vorfeld seien verschiedene Straßenverbindungen abgefahren worden, um zu überprüfen „wo der Bus am besten durchkommt“. Mit Stadt und Polizei ist das Orga-Team ebenfalls im Gespräch.

Für die Fahrer der Bischöfe, etwa 35 an der Zahl, wurde ein kleines Rahmenprogramm organisiert. So besuchen sie in Eichstätt das Collegium Orientale und absolvieren ein Fahrsicherheitstraining auf dem Audi-Parcours in Neuburg. Der Eichstätter Bischofssekretär Markus Demeter hat seinen Chef noch zu keiner DBK-Vollversammlung chauffieren müssen, denn „da fährt er mit dem Zug“. Aber nun, wo die Diözese Eichstätt das  Frühjahrs-Treffen selbst ausrichtet, ist Demeter für die liturgischen Vorbereitungen zuständig.

Beim Eröffnungsgottesdienst, bei dem der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, mit etwa einem Dutzend Mitbrüdern am Altar stehen wird, werden Sänger und Instrumentalisten der Eichstätter Dommusik ihr ganzes Können aufbieten. Die Musikauswahl sei festlich und zugleich der Fastenzeit angepasst, kündigt Demeter an, „ein guter Kompromiss“. Den Schlussgottesdienst umrahmen junge Sängerinnen und Sänger einer diözesanen Schule, des Ingolstädter musischen Gnadenthal-Gymnasiums. Fürbitten und Kyrie-Rufe übernehmen Schülerinnen und Schüler der ebenfalls kirchlichen Gnadenthal-Realschule. An den beiden Tagen dazwischen werden Frühmessen in der nahegelegenen Kirche St. Moritz gefeiert. Deren Kammerchor wird unter der Leitung von Regionalkantor Christoph Hämmerl gemeinsam mit dem Kirchenchor der Ingolstädter Pfarrei St. Christophorus singen. Die  Berufstätigen „nehmen sich dafür alle Urlaub“, erzählt Hämmerl, die Schüler hätten für die erste Schulstunde eine Unterrichtsbefreiung bekommen.

Messgewänder vom Dom

Der Pfarrer von Liebfrauenmünster und St. Moritz, Dekan Bernhard Oswald, weiß seit rund einem Jahr, dass die deutschen Bischöfe demnächst in seiner Pfarrei zu Gast sind: „Die kommen zwar nicht, um Ingolstadt zu besichtigen, aber natürlich ist es schön, dass sie zu ihrer Tagung in der Stadt und bei uns in der Pfarrei sind. Über das Ingolstädter Dekanatsbüro hat Oswald die umliegenden Pfarrgemeinden und deren Ehrenamtliche eingeladen, zum Eröffnungsgottesdienst zu kommen. Auch Oberministranten aus den Pfarreien des Dekanats Ingolstadt werden neben den Münsterminis zum Dienst bestellt. „Für die“, meint Bischofssekretär Demeter, „ist das ja auch etwas Besonderes“. Gut fand er den Vorschlag der Dekanatsratsvorsitzenden Marlies Müller, die kirchlichen Vereine mit ihren Fahnenabordnungen ins Münster einzuladen.

Dessen Mesner Wolfgang Geiger hatte von Bischof Hanke am Rande eines Gottesdienstes persönlich von dem bevorstehenden Termin erfahren. Seitdem gab es bereits einige Treffen mit dem Bischofssekretär und den Vertretern des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz. Rundfunk- und Fernsehteam bekamen Plätze beim Münster zugewiesen, an denen sie ihre Ü-Wägen parken, die Parabolspiegel ausrichten und sich ans Starkstromkabel der Kirche anschließen können.

Die vielen benötigten Alben und Messgewänder für die Bischöfe, der Fastenzeit entsprechend in violett, werden per Spedition vom Eichstätter Dom angeliefert. Bei den Beständen in der Münster-Sakristei handle es sich nämlich überwiegend um historische Messgewänder, erklärt Geiger: „Bassgeigen aus der Zeit um 1600, als die Leute noch kleiner waren.“ 

Weil auch die Sakristei im Münster zu klein ist, wird der Dr. Eck-Saal im nahegelegenen Canisiuskonvikt zum Umkleideraum umfunktioniert. Wenn er der versammelten Geistlichkeit assistiert, bekommt Geiger Unterstützung von einem Eichstätter Kollegen, Schutzengelkirchen-Mesner Josef Tratz. Außerdem helfen die Mesnerinnen und Mesner der weiteren Kapellen und Kirchen in der Münster- und Moritzpfarrei mit, in denen die Bischöfe die Möglichkeit zur Einzelzelebration haben. Diese Heiligen Messen werden nicht öffentlich beworben, aber natürlich seien Mitbetende auch dort willkommen, versichert Demeter. Dies gelte für die Heilig Geist-Spital-Altenheimkapelle ebenso wie für die Kapelle des Klosters Gnadenthal, die Kapelle im Canisiuskonvikt, die Spitalkapelle beim Rathaus und die Colloquiumskapelle der Katholischen Hochschulgemeinde.

Großteils wird der viertägige Aufenthalt der deutschen Bischöfe geprägt sein von nichtöffentlichen Beratungen (siehe unten), über deren Ergebnisse bei täglichen Pressekonferenzen berichtet wird. Warum die Bischöfe keine Außentermine, beispielsweise an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, absolvieren, begründet DBK-Sprecher Matthias Kopp: „Die Vollversammlungen der Bischofskonferenz sind reine Arbeitssitzungen, bei denen grundsätzlich keine Exkursionen stattfinden.“

Traditioneller Bestandteil einer jeden Frühjahrsvollversammlung ist aber ein diözesaner Abend, den Danuta Waldau vom Bischöflichen Ordinariat organisiert. Eingeladen seien Personen des öffentlichen Lebens aus Politik, Kirche, Wissenschaft und Gesellschaft, informiert die stellvertretende Hauptabteilungsleiterin und hofft auf „kunterbunte“ Querbeet-Unterhaltungen. Musikalisch begleitet wird der Abend, bei dem sich die Bischöfe auch in das Goldene Buch der Stadt Ingolstadt eintragen, von vier Schülern des Gnadenthal-Gymnasiums. Darüber hinaus sei, auf ausgesprochenen Wunsch des Bischofs hin, ein Sänger aus Syrien zu Gast, der in seinen Liedern seine Fluchterfahrungen aufgreift.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 6 vom 1. Februar 2018

 

Beitrag als pdf

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 46 vom 18.11.2018

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