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02.06.2021

Demütig und genügsam / Vor 800 Jahren kamen die Minderbrüder erstmals in deutschsprachige Gebiete

Vor 800 Jahren kamen Minderbrüder in deutschsprachige Gebiete

Das älteste, 1228 entstandene Bild, das Franz von Assisi darstellt, ist ein Fresko im Sacro Speco in Subiaco, östlich von Rom.         Foto: Wikipedia

Der zweite Versuch war dann schließlich von Erfolg gekrönt: Im Oktober 1221 fand in Augsburg das erste Kapitel (Beschlussversammlung) des von Franz von Assisi (1281-26) gegründeten Ordens der Minderbrüder auf deutschsprachigem Gebiet statt. 25 Gefährten Franziskus‘ waren auf dessen persönlichen Wunsch von Trient aus gen Norden aufgebrochen, um die franziskanischen Ideale in den deutschen Regionen des Heiligen Römischen Reiches zu verbreiten. 

Gescheiterte „Ja“-Sager

Bereits zwei Jahre zuvor hatte eine größere Gruppe von Minderbrüdern ihr Glück versucht. Im Nachhinein war dieser erste Versuch doch reichlich naiv gewesen. Jordan von Giano, der Teil der Mission von 1221 war, schreibt in seiner „Chronik vom Anfang der Minderbrüder besonders in Deutschland“ über seine Vorgänger: „Nach Deutschland jedoch wurde Bruder Johannes von Penna mit etwa 60 oder mehr Brüdern geschickt. Als sie ohne Kenntnis der deutschen Sprache in Gebiete Deutschlands kamen und man sie fragte, ob sie Herberge, Essen oder sonstwas wünschten, antworteten sie mit ‚Ja‘. Und so nahmen sie einige gütig auf. Da sie nun merkten, dass man sie wegen dieses Wortes ‚Ja‘ menschenfreundlich behandelte, beschlossen sie, auf alle Fragen mit ‚Ja‘ zu antworten.“ Diese kommunikative Pragmatik sollte den Brüdern allerdings zum Verhängnis werden. Denn wie Jordan von Giano weiter berichtet, bejahten sie auch die Frage, ob sie Häretiker seien und wurden daraufhin verprügelt, eingesperrt und gedemütigt. Desillusioniert und traumatisiert sollen sie danach ihre Mission abgebrochen haben und in die Heimat zurückgekehrt sein. Ob diese Schilderungen des Bruders Jordan für bare Münze genommen werden können, sei dahingestellt. Fest steht aber, dass diese Missionare 1219, genauso wie ihre gleichzeitig nach Ungarn ausgesandten Brüder, gescheitert waren. 

1221 waren zwölf Kleriker- und 13 Laienbrüder dann besser und sorgfältiger vorbereitet – vor allem hatten sie sich Sprachkenntnisse angeeignet, die in einem für sie unbekannten Land vieles erleichterten. Die Minderbrüder ließen sich vor allem im städtischen Raum nieder und kamen gut an, vor allem bei der breiten, ärmeren Bevölkerungsschicht. Denn die Brüder sprachen einprägsam und unkompliziert vom Evangelium und sie lebten es auch vor – in Einfachheit und Demut, ganz dem Beispiel ihres Ordensgründers folgend. Franz von Assisi war zwar keineswegs in armen Verhältnissen aufgewachsen –  sein Vater war ein wohlhabender Tuchhändler – und hatte in seinen Jugendjahren und darüber hinaus einen durchaus ausschweifenden Lebensstil gepflegt, sich nach einer Gotteserfahrung aber von jedwedem Reichtum und Besitz losgesagt und fortan in absoluter Bescheidenheit getreu dem Gebot des Evangeliums gelebt: „Wer vollkommen sein will unter Euch, verlasse alles, und was er hat, gebe er den Armen, dann komme er und folge mir nach“ (Mt 19, 21). Durch sein Charisma fand er rasch Gefährten und der von ihm gegründete Ordo Fratrum Minorum (= Orden der Minderen Brüder) wurde 1210 schließlich von Papst Innozenz III. bestätigt. Aus diesem ersten Orden sind später die drei Zweige der franziskanischen Orden entstanden, die Kapuziner, die Minoriten und die Franziskaner. 

Ohne Schuhe

Die Popularität der Minderbrüder, die dazu führte, dass sie fester Bestandteil des deutschen klerikalen Lebens und der Gesellschaft wurden, rührte auch daher, dass sie nicht nur predigten und missionierten, sie halfen auch Armen und Kranken, arbeiteten als Seelsorger und pflegten so den Kontakt zur Bevölkerung. In Augsburg, eines der ersten Zentren in Deutschland, gründeten sie ein Kloster und bauten die Kirche „Zu den Barfüßern“. Der Name beruht auf der Tatsache, dass die Minderbrüder als Zeichen ihrer selbst gewählten Armut barfuß unterwegs waren – ohne Schuhe, höchstens in einfachen Sandalen ohne Strümpfe. Der franziskanische Selbstanspruch, ein bewusstes Leben mit der Schöpfung zu führen, hängt eng mit der Abkehr von irdischem Reichtum zusammen. So bezog sich Papst Franziskus mit seiner Namenswahl auf Franz von Assisi als einem Mann der Armut, des Friedens der die Schöpfung liebe, wie der Papst bei seinem Amtsantritt 2013 betonte.

Üppiges Programm

Anlässlich der Niederlassung der Minderbrüder in der schwäbischen Hauptstadt vor 800 Jahren, hat ein ökumenisches Team an der Barfüßerkirche in Augsburg ein Festprogramm vorbereitet, das bis in den Sommer 2022 hinein reicht – von Pfingsten bis Pfingsten. Geplant sind unter anderem spirituelle und musikalische Veranstaltungen, Begegnungen, Vorträge und Diskussionsrunden. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres schickte der Papst „herzliche Segenswünsche“ nach Augsburg. Die Franziskaner hätten mit ihrer einfachen Lebensweise den Auftrag Jesu fortgeführt, teilte der Vatikan weiter mit. In einem ökumenischen Gottesdienst im Augsburger Dom tauschten sich Bischof Bertram Meier und der evangelische Regionalbischof Axel Piper kürzlich über den heiligen Franziskus aus, wie der Evangelische Pressedienst berichtet. Meier betonte dabei den alternativen Lebensstil des Ordensgründers, der die ganze Schöpfung als „großen Garten“ und „einzige Familie“ gesehen habe. Der franziskanische Geist werde bleiben, ohne ihn wären beide Kirchen ärmer, so Meier weiter.

Auch in Unterfranken waren 1221 erste Minderbrüder heimisch geworden. In einem Gedenkgottesdienst Ende Mai wies der Würzburger Bischof Dr. Franz Jung auf Franz von Assisi als Vorbild hin, auch im Hinblick auf die aktuellen Reformbestrebungen in der Kirche, nicht nur Buße zu predigen, sondern den Worten auch Taten folgen zu lassen. Das Würzburger Jubiläumsprogramm ist unterdessen auf 2022 verschoben. 

Julian Scholl


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 26 vom 27. Juni 2021

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