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07.10.2020

Damit die Kirchgänger gesund bleiben Ordnerinnen und Ordner an den Portalen geben in Corona-Zeiten wichtige Orientierung

Markierungen, Mundschutzpflicht, Mindestabstand – routinierte Gottesdienstbesucher haben sich daran inzwischen gewöhnt. Auch dank der ehrenamtlichen Ordnerinnen und Ordner, die überall im Bistum dazu beitragen, dass nach dem Corona-Lockdown wieder Heilige Messen oder Andachten möglich sind. Ihre Lotsendienste helfen insbesondere Leuten, die nur gelegentlich zur Heiligen Messe gehen oder von auswärts zu einem Festgottesdienst kommen. Die KiZ hat vor Ort Eindrücke gesammelt.

Kurz vor Gottesdienstbeginn vor der Schwabacher Pfarrkirche St. Sebald

Kurz vor Gottesdienstbeginn vor der Schwabacher Pfarrkirche St. Sebald: Mitglieder des Empfangsteams haken die Namen der Angemeldeten ab und helfen bei der Platzwahl.                                           Foto: Panni

Die Ampel zeigt es an

In der Pfarrei St. Sebald/Schwabach sind nach Auskunft von Pfarrer Robert Schrollinger etwa drei Dutzend Frauen und Männer im Einsatz. Offiziell werden sie nicht als Ordner bezeichnet, sondern als Empfangsteam, denn „das klingt ein bisschen freundlicher“, meint Schrollinger. Anfang Mai hatte er zu einer Schulung eingeladen über den geplanten Dienst, der sich auf vier Gotteshäuser erstreckt, darunter die beiden großen Kirchen St. Peter und Paul und St. Sebald. Pro Gottesdienst sind zwei bis drei Ordnerinnen und Ordner im Einsatz. Nicht nur, wie in den meisten Gemeinden, sonn- und feiertags, sondern auch werktags. Bewusst haben sich die Verantwortlichen dafür entschieden, dass man sich für den Gottesdienst anmelden muss. Seit ein paar Wochen ist zusätzlich eine „Gottesdienst-Ampel“ in Betrieb: Kurzentschlossene können auf der Homepage der Pfarrei nachschauen, ob es für die Heiligen Messen am Samstagabend und Sonntag noch freie Plätze gibt oder ob bereits alles ausgebucht ist. Die Pfarrsekretärinnen stellen jeweils die aktuellen Zahlen ein, bevor sie ins Wochenende gehen. Wer auf diese Weise noch einen Stuhl ergattert, gibt vor Betreten Name und Telefonnummer an. So könnten mögliche Infektionsketten nachvollzogen werden, erklärt Pfarrer Schrollinger. Freilich bekämen die Ordner mitunter zu hören: „Woanders geht es doch auch ohne Anmeldung.“ Deshalb „wäre eine einheitliche Regelung schon gut“, überlegt er, „um nicht gegeneinander ausgespielt zu werden“.

 

Ein paar Minuten warten

Einer der ehrenamtlichen Ordner in Schwabach ist Stefan Crames. Der 53-jährige Pfarrgemeinderat wohnt im Stadtteil Eichwasen und trägt sich in der dortigen Filialkirche ein-, zweimal pro Woche als Ordner ein. „Meistens hilft es, wenn man mit den Leuten redet“, lautet seine Erfahrung. Zum Beispiel, wenn Leute enttäuscht sind, dass alle Plätze besetzt sind, wo sie sich doch einmal spontan zum Kirchenbesuch entschlossen hätten. „Meist raten wir, noch ein paar Minuten bis zum Beginn des Gottesdienst zu warten“, berichtet Crames. Denn erfahrungsgemäß blieben immer wieder vorab reservierte Plätze frei.

Die Ordnerinnen und Ordner achten nicht nur darauf, dass die Bankreihen entsprechend der Markierungen belegt werden. Sie passen auch auf, dass sich die Leute beim Kommunionempfang und beim Verlassen der Kirche nicht zu sehr in die Quere kommen. Nach den diözesanen Richtlinien dürfen „vor der Kirche keine Ansammlungen gebildet werden“. Gerade dies schätzten Kirchgänger aber zu allen Zeiten: Nach dem Schluss-Segen noch gruppenweise beieinanderstehen, ein paar Worte wechseln, Neuigkeiten austauschen. Nicht nur Crames hofft, das diese vertraute Normalität möglichst bald zurückkehrt. 

Wenn die Kirche leer ist, stehen Lüften und Bänkereinigen auf dem Programm. Auch dies übernehmen in Schwabach weitgehend die Ordnerinnen und Ordner, denn „der Mesner hat ja seine normalen Arbeiten zu erledigen“, meint Crames. 

 

Aktive Pfarrjugend

In der Ingolstädter Pfarrei St. Anton ist zu 95 Prozent die Pfarrjugend für den Ordnerdienst zuständig, erfuhr die KiZ auf Nachfrage von Diakon Daniel Heinle.  Zwischen 20 und 30 junge Leute engagieren sich regelmäßig, koordiniert von Florian Liebelt. Er ist auch Mitglied im Pfarrgemeinderat und hatte, als im Mai wieder Gottesdienste möglich waren, Helferinnen und Helfer organisiert, überwiegend aus dem Kreis der älteren Ministranten. Ihr Einsatz beschränkt sich auf die Sonntagsgottesdienste um acht, zehn und 19 Uhr. Weil die Pfarrei auf Anmeldungen verzichtet, gibt es keine Teilnehmerlisten zu kontrollieren. „Wir schauen nur, dass die Abstände eingehalten und bis zum Erreichen des Sitzplatzes Masken getragen werden“, berichtet Liebelt, und ergänzt zufrieden: „Alle halten sich schön dran!“

Diakon Heinle findet die Ordner besonders dann wichtig, wenn Gäste aus anderen Stadtteilen kommen, die die örtlichen Gegebenheiten nicht so gut kennen. Dies sei etwa beim Sonntagabend-Gottesdienst der Fall, weil dieser beliebte Termin nur zweimal in Ingolstadt angeboten werde. Heinle fände es gut, wenn man die Begrüßung an der Kichentüre über Corona hinaus auch „in die normale Zeit hinüber retten könnte“. Denn das sei für die Ankommenden ein schönes Zeichen.

Sonja Lang, Pfarrsekretärin und Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Eichstätter Dompfarrei, findet diese „Willkommenskultur“ ebenfalls gut. Nicht zuletzt könne man älteren Kirchgängern auch praktische Hilfe leisten und den Rollator über die Türschwelle heben.  Schließlich sei die Schutzengelkirche, wo während der Domsanierung die meisten Gottesdienste stattfinden, nicht barrierefrei.

Etwa 25 Ordnerinnen und Ordner für Schutzengelkirche und Klosterkirche St. Walburg stehen in Langs Adressliste. Geworben hatte sie „erstmal natürlich im Pfarrgemeinderat, dann auch bei Lektoren und Kommunionhelfern und schließlich bei treuen Kirchgängern, von denen man weiß, dass sie auch mal bei Festen mit anpacken“. Für die Koordinierung der Ordnerdienste, die nur an den Wochenend-Gottesdiensten stattfinden, nutzt Lang, so wie auch Florian Liebelt in Ingolstadt, das elektronische Termin-Verwaltungsystem Doodle. „Das klappt ganz gut“, meint sie. Nur in der Urlaubszeit habe es personelle Engpässe gegeben. Dabei „war das gerade die Zeit, wo man Ordner gebraucht hat“, weil viele Touristen in die Gottesdienste kamen. Momentan sind es die in den Sonntagsgottesdienst integrierten Erstkommunionfeiern, die die Ordnungskräfte fordern. Denn an solchen Tagen sind die Plätze in der Schutzengelkirche rar. Auf Anmeldung und Namens-Registrierung wird in der Dompfarrei verzichtet.

Bei einer Schulung im Mai waren die Helfer in ihre Aufgaben eingewiesen worden. Auch die Meiers waren mit von der Partie, 67 und 69 Jahre alt. „Risikogruppe“, kommentiert Willibald Meier nüchtern aus dem Hintergrund, während seine Ehefrau Edeltraud am Telefon versichert: „Wir halten uns an die Regeln. Da sind wir schon streng.“ Schließlich wolle keiner erleben, dass es heiße: In unserer Kirche hat ein Corona-Ausbruch seinen Anfang genommen. 

Die Meiers wollen aber nicht nur kontrollieren, sondern auch konkret weiterhelfen. Es gibt zum Beispiel kleine Handzettel, auf denen weitere Gottesdienste als Ausweichmöglichkeit aufgelistet sind, die man alternativ im Stadtgebiet besuchen kann. 

Gibt es auch Uneinsichtige? „Schon“, sagt Meier und erzählt von einem Mann, den er auffordern musste: „Jetzt setz‘ halt endlich deine Maske auf. Wir kriegen sonst Schwierigkeiten!“ Die meisten aber, beobachtet er, seien dankbar für den Service und fühlten sich dadurch ein Stück sicherer.

 

Hilfe für die Mesner

Eine große Unterstützung sind die Ordnerinnen und Ordner auch für die Mesner. „Ich bin sehr dankbar“, meint etwa Max Großhauser, Mesner am Münster St. Johannes in Neumarkt. Er koordiniert die Einsätze der etwa 50 Freiwilligen, die am Wochenende Dienst leisten. Zwischen acht und 18 Uhr stehen jeden Sonntag vier Messfeiern an. Für jede sind drei Ordnungskräfte zur Einlasskontrolle eingeteilt. „Die sind da voll beschäftigt“, stellt Großhauser fest. „Alleine könnte ich das nicht machen, das würde nicht hinhauen. Schon allein, weil er wegen seiner weiteren Pflichten im Gottesdienst nicht auf Nachzügler warten kann, die aus alter Gewohnheit erst zur Predigt erscheinen. Die gebe es auch in Corona-Zeiten, weiß Christian Schrödl. Im Hauptberuf Dekanatsreferent, ist er auch Pfarrgemeinderatsvorsitzender in St. Johannes und Teil des Ordner-Teams.

 

Weiterhin wachsam sein

Ganz aktuell hat Thomas Eholzer, Pfarrer von Oberwiesenacker, einen Aufruf auf Facebook gestartet, in dem er Freiwillige für den Ordnerdienst sucht. „Wir haben bereits einige“, erläutert Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ulrike Guttenberger“ aber fast alle hätten noch weiter Aufgaben im Gottesdienst. „Vier, fünf zusätzliche Leute, das wäre nicht schlecht. Denn jetzt steht die zweite Erstkommunion und auch die Firmung an. Da braucht man mehr Ordner.“ Kontrolle sei nach wie vor sinnvoll, findet sie, denn die Leute „werden schon wieder ein bisserl lascher. Jeder hat irgendwie die Nase voll und wünscht sich Normalität.“

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 43 vom 25.10.2020

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