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14.04.2021

Aufbrechen oder auseinanderbrechen? Diözesanrat lädt zu Gespräch über Synodalen Weg / Konstruktiver Austausch zu strittigen Themen

Diözesanrat lädt zu Gespräch über Synodalen Weg / Konstruktiver Austausch zu strittigen Themen

Ohne Live-Publikum, aber dennoch lebhaft diskutierten (v. l. ) Eva Gottstein, Christian Gärtner, Michael Heberling, Bischof Gregor Maria Hanke, Svenja Stumpf und Pfarrer Edwin Grötzner in der Abtei Plankstetten. Viele Interessierte aus dem Bistum, teilweise mehr als 80 gleichzeitig, klickten sich in die Übertragung ein. Viele folgten ihr auch in den sozialen Netzwerken auf YouTube und Facebook. Foto: Gess

Fast eineinhalb Jahre ist es her, seit im Eichstätter Dom zum Auftakt des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Deutschland eine Kerze entzündet wurde. Damit der Neuaufbruch kein Strohfeuer bleibt, sondern neu ins Bewusstsein gerufen wird, lud der Diözesanrat jetzt Beteiligte zu einer Podiumsdiskussion, die per Livestream ins Internet übertragen wurde.

So wie sie den gemeinsamen aufrichtigen Wunsch offenbarte, Wege gegen den Bedeutungsverlust der Kirche zu finden, so zeigte sie doch auch gleichzeitig auf, zwischen welchen Polen diese Suche verläuft. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hoffte am Ende, „dass wir bei diesem Synodalen Weg nicht auseinanderbrechen“ und es zu keiner Spaltung der Kirche komme. 

Bei dem Nachmittag in der Benediktinerabtei Plankstetten war zuvor in großer Offenheit über Weiheämter für Frauen, Pflichtzölibat oder Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften diskutiert worden. An der von KiZ-Redaktions-
leiter Michael Heberling moderierten Diskus-
sionsrunde nahmen neben dem Bischof vier Frauen und Männer teil, die direkt oder in-direkt in den Reformprozess eingebunden sind: Mit Diözesanratsvorsitzendem Christian Gärtner, Priesterratssprecher Pfarrer Edwin Grötzner und Svenja Stumpf, Studentin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, waren drei Mitglieder der Synodal-versammlung vertreten. Außerdem nahm die Eichstätter Landtagsabgeordnete Eva Gottstein in ihrer Eigenschaft als stellvertretende Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in Bayern daran teil.

Grundlage für die Diskussion waren Video-Statements zu den vier festen Gesprächsforen des Synodalen Wegs, die die Veranstalter vorab eingeholt hatten: Aus dem Forum „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“ berichtete die Erfurter Dogmatik-Professorin Dr. Julia Knop. Dr. Bettina-Sophia Karwath, Leiterin der AbteilungFort- und Weiterbildung des pastoralen Personals in der Diözese Eichstätt, schilderte ihre Mitarbeit im Forum „Priesterliche Existenz heute“. Den Stand der Diskussion über „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ gab Schwester Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, wieder. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, Professor für Theologische Ethik in Berlin, Mitglied im Ethikrat und ehemaliger Interimspräsident der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, repräsentierte das Forum „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“.

Knops Einschätzungen über Macht und Gewaltenteilung mündeten, ebenso wie der Videobeitrag von Ganz, in eine Diskussion über die Teilhabe von Frauen am Sendungsauftrag. Speziell in die Frage, ob damit nur „weltliche“ Führungsaufgaben in einem Bistum oder auch Weiheämter für Frauengemeint sind. Bischof Hanke ließ keinen Zweifel daran, dass er das Anliegen, Frauen in kirchliche Leitungspositionen zu bringen, unterstütze: „Die gemischte Gruppe tut sehr gut, verändert die Sichtweise. Das erfahre ich auch in der Ordinariatskonferenz“. In den Orden herrsche ebenfalls ein reger Austausch zwischen Frauen- und Männergemeinschaften, berichtete der Bischof. Auch er selbst habe lange Zeit eine Frau als geistliche Begleiterin gehabt. „Allerdings, und da mache ich kein Hehl aus meiner Position, sehe ich keinen Zugang zu sakramentalen Ämtern“, stellte Hanke klar. 

Gottstein und Stumpf hingegen verbanden mit dem weibliche Sendungsauftrag auch den Zugang zu Weiheämtern. Der Frauenbund, der nicht gerade als „Emanzenverein“ oder Polarisierer bekannt sei, habe sich „hier ganz klar positioniert, schon lange vor dem Synodalen Weg“, sagte Gottstein.

Wie viel Zeit Frauen für ihre Kirche aufbringen, beantwortete Gärtner mit eindrucksvollen Zahlen: zwei Drittel der Pfarrgemeinderäte im Bistum sind weiblich, fast ebenso viele Gremien werden von einer Frau geleitet. Vor diesem Hintergrund, und mit Blick auf Frauen als erste Zeuginnen der Auferstehung, sprach sich der Diözesanratsvorsitzende klar dafür aus, Frauen zu Diakoninnen zu weihen. Pfarrer Grötzner zeigte sich offen dafür, dass Klinikseelsorgerinnen das Sakrament der Krankensalbungspenden dürfen – wie es Schwester Katharina Ganz in ihrem Videostatement vorgebracht hatte. 

Viel Diskussionsstoff bot Karwaths Video-Beitrag mit einer pessimistischen Einschätzung zum Synodalen Weg, der so aufwändig vollzogen werde: „Im besten Fall wird nichts Neues dabei herauskommen. Im schlimmsten Fall wird es zu einer Spaltung in unserer Kirche kommen.“ Bischof Hanke gestand auf Nachfrage, dass auch ihn diese Sorge bewege. Er finde es gut, dass der Synodale Prozess Gelegenheit gebe, Dinge offen auszusprechen. „Aber ich vermisse den geistlichen Rahmen, den uns der Papst am Anfang mit auf den Weg gegeben hat.“ Wenn nicht „Jüngerschaft neu buchstabiert und gelebt“ werde, „dann bringen Strukturreformen nichts“, sprach Hanke von „Webfehlern“ im Konzept des Synodalen Wegs.

Einer Meinung war der Bischof mit Grötzner, der für mehr Persönlichkeitsbildung und Supervision in der Priesterausbildung plädierte: „Die Weihe allein hilft nichts“, meinte der Pfarrer von Feucht. Der Priester müsse „in den gesellschaftlichen Kontext passen: Ist da ein Mensch, mit dem man reden kann? Ohne Erfahrung der Welt kann jemand nicht Priester werden.“ Hanke stellte fest: „Wir müssen alle Sorge darauf legen, dass wir in der Pastoral reife Persönlichkeiten haben. Da müssen wir sicherlich nachjustieren.“ Das Missbrauch nicht nur in der Kirche vorkommt, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, wollte er nicht gelten lassen: „Bei uns ist die Fallhöhe größer.“ Er sprach sich dafür aus, „dass wir im Bistum eine systematische Aufarbeitung ins Auge fassen sollen“.

Eindeutig Position bezog der Bischof beim Thema „Segnung homosexueller Paare“: Natürlich hätten „homosexuelle Menschen Platz in unseren Gemeinden“.Und natürlich stünden gleichgeschlechtliche Paare „genauso unter dem Segen Gottes“. Doch habe die Kirche „alle Vorsicht walten zu lassen, um nicht eine Kopie des ehelichen Segens zu generieren“. 

Es gebe mehr Dimensionen der Sexualität als nur die Lebensweitergabe – diese Ansicht aus dem Statement von Lob-Hüdepohl teilte auch der Diözesanratsvorsitzende und nannte den Stand der offiziellen kirchlichen Sexualmoral „einfach zu beengt“. Vielen Menschen sei sie „de facto egal, und das ist schade“.

In den Publikumsfragen, die vorab per Mail gesammelt und dann in die Versammlung eingebracht wurden, kam auch der Zölibat zur Sprache. Hanke verhehlte nicht, dass grundsätzlich Änderungen möglich seien. „Der Zölibat ist keine göttliche Einflüsterung, sondern ein Kirchengesetz, das sich entwickelt hat.“ Er sei aber „eine kostbare Tradition“. Eine Gesprächskultur wie im Synodalen Weg, so wurde beim abschießenden Punkt „Erwartungen“ deutlich, sollte auch über den Reformprozesses hinaus Bestand haben. Und die Beschlüsse, die beim offiziellen Ende präsentiert werden, sollen „nicht so wischi-waschi sein“, hofft zumindest Svenja Stumpf.

Gabi Gess
 


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 26 vom 27. Juni 2021

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