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26.07.2017

Alle Facetten des Lebens

Das Eichstätter Domschatz- und Diözesanmuseum zeigt Arbeiten des Künstlers Rudolf Koller.

 

Viele Museen, die eine feste Sammlung in eigens geschaffenem Rahmen präsentieren, müssen aus der vermeintlichen „Not“, etwa besonderer architektonischer Bedingungen, eine Tugend machen und gehen mit Sonderausstellungen eher zurückhaltend um.

 

Über Jahrhunderte verbunden: das Madonnenbild aus der Sammlung des Diözesanmuseums mit der Skulptur Rudolf Kollers. Foto: Heberling

Das vom damaligen Eichstätter Dombaumeister Karljosef Schattner geplante Eichstätter Domschatz- und Diözesanmuseum, das 1982 im „Kipfenberger Stadel“ südöstlich des Domes und in Barockräumen über dem Mortuarium eröffnet wurde, ist eines dieser Museen, das sich von Sonderausstellung zu Sonderausstellung in diese Auseinandersetzung begibt. Probates Mittel zur Konfliktlösung: Raum, fester Bestand und neue Kunst treten miteinander in Dialog, Korrespondenzen und Widersprüche werden inszeniert, im besten Fall verliert dabei keiner. Das hat schon manches Mal funktioniert. Auch im aktuellen Fall der Sonderausstellung mit „Malerei, Zeichnung und Plastik“ des Regensburger Künstlers Rudolf Koller. Das Motto unter dem der Dialog stattfindet: „Lebenszyklen“.

„Nervöser Pinselstrich“

Bei der Ausstellungseröffnung Mitte Juli führte der Kunsthistoriker Dr. Achim Hubel mit Verve und höchst kenntnisreich in das Werk von Rudolf Koller und die aktuelle Präsentation ein. Sie stelle einen beispielhaften Überblick über das Oeuvre des 74-jährigen Malers und Bildhauers dar, sagte der emeritierte Professor für Denkmalpflege. Die Arbeiten aus allen Schaffensphasen Kollers zeigten dessen handwerkliche Kunst im Arbeiten nach der Natur ebenso wie „den bewussten Weg der Befreiung vom Naturalismus hin zur Abstraktion“. Hubel wies auf den „nervösen Pinselstrich“ Kollers hin, der Gemälde und Zeichnungen „scheinbar hingefetzt“ aussehen lasse. Koller nehme alle Facetten des Lebens wahr, beobachte akribisch und gestalte mit Liebe, sagte Hubel. Dabei nehme er die „schweren Themen“ Alter, Krankheit, Sterben und Tod nicht aus und lasse nicht nur dem Menschen, sondern der gesamten Kreatur gleiches Recht widerfahren. Besonders eindrücklich belegen das die höchst expressiven Tierskulpturen. Koller findet die Seele des Tiers in dem meisterhaft herausgearbeiteten Bereich zwischen naturalistischer und abstrakter Darstellung. 

Und der Dialog? Es ist höchst spannend zu sehen, wieviel ein moderner menschlicher Torso mit einer gotischen Figur Christi gemeinsam hat oder ein zeitgenössischer bronzener Porträtkopf mit einer hölzernen mittelalterlichen Büste. Letztlich verflüchtigen sich die Jahrhunderte, die faktisch zwischen einem prachtvollen Gemälde der Muttergottes mit Kind und Kollers Skulptur „Sitzende Frau mit zwei Kindern“ liegen: das Humanum als ständige Gegenwart, das Göttliche als fortwährend innewohnende Hoffnung. 

Aus Anlass der Ausstellung hat das Diözesanmuseum einen umfangreichen Katalog im Kunstverlag Josef Fink herausgegeben (ISBN: 978-3-95976-086-7), der nicht nur die Exponate der aktuellen Schau zeigt, sondern auch weitere themenverwandte Arbeiten Kollers. Prof. em. Ludwig Mödl deutet in seinem Beitrag die Werke Kollers als „einen Bildkommentar zum Buch des biblischen Weisheitslehrers und Predigers  Kohelet“, Prof. Erich Naab erkennt in ihnen eine „gemalte Theologie. Mit Kollers Tierbildern beschäftigt sich Pfarrer i. R. Ernst Reichold.

Die Sonderausstellung kann bis zum 31. Oktober zu den regulären Öffnungszeiten des Museums besucht werden. Nähere Informationen unter Tel. 08421/50-742 und -266 oder im Internet unter „www.dioezesanmuseum-eichstaett.de“.

Michael Heberling, Kirchenzeitung Nr. 31 vom 30. Juli 2017

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