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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

13.01.2021

Worum es bei einer Berufung geht

Jesus beruft – hier seine Jünger. Darstellung in der Kirche in Walting bei Pleinfeld. 

Jesus beruft – hier seine Jünger. Darstellung in der Kirche in Walting bei Pleinfeld.         Foto: Kreitmeir

Ewig schön, die Berufung dieses jungen Menschen nachts im Tempel. Das „Adsum“, das „Hier bin ich“ des jungen Samuel, wurde sogar in die Liturgie der Priesterweihe übernommen. Aber war es nicht zu riskant für seine Mutter Hanna, den einzigen Sohn für den Tempeldienst wegzugeben? Kinder waren damals für Eltern die einzige Lebensversicherung. Die Mutter verschenkt sogar ihre eigene Zukunft an Gott Jahwe.

Und heute? Wie ist das mit geistlichen Berufungen? Ruft Gott auch heute oder schweigt er? Ist sein Ruf nur noch eine Seltenheit, so wie damals? Aber wieso? Ist es nicht eher anders? Kann es sein, dass es uns an Wachheit und Hinhören fehlt und wir deshalb an einen Ruf Gottes nicht mehr glauben?

Samuel ist ein Wachsamer, ein Hörender. Er lässt Gott reden und das drei Mal. Es trifft ihn mitten ins Herz. Er erkennt: Ich bin gemeint, ich und kein anderer.

Von persönlicher Berufung erzählt auch das Evangelium. Der Berufende ist zuerst Johannes und dann Jesus. Typisch für Johannes: Er verweist von sich auf ihn, auf Jesus. Bewegend schön auch der Dialog des „Menschenfischers“ mit den ersten Jüngern. Da weiß einer sogar noch genau, wann es war.

Entscheidende Momente im Leben vergisst man nicht. Sie können sich tief in die Seele graben. So auch, wenn jemand sich verliebt. Meister, wo wohnst du? So wird er gefragt. Doch dann nur die eine Antwort: „Kommt und seht!“ Nur eine Einladung, kein Zwang. Die Jünger sollen das Sehen lernen. Bei einer Berufung geht es um tieferes Sehen. Es geht um das Sehen des Herzens. Und beim Wohnen geht es nicht um einen bestimmten Wohnsitz. Eher darum: Wo ist dein inneres Zuhause? Wo bist du verankert? Was trägt und hält dich und damit auch uns? Einer nach dem andern wird wach, wird ein Hörender und bricht auf: Erst die Johannesjünger, dann Andreas, dann Simon, der sogar einen neuen Namen bekommt: Kephas, der Fels.

Was sich hier abspielt, das nennt man den galiläischen Frühling. Kann es einen solchen auch heute geben? Ob es da wohl zu einer Wende kommt? Vielleicht ist es die Antwort des Paulus in der zweiten Lesung: „Wer sich an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm.“ Woran sind wir gebunden? Was fesselt uns, was nimmt uns in Beschlag, wovon kommen wir nicht los? Essen, Freizeit, Arbeit, Sport, Besitz, Technik digital, Smartphone usw. Alles schöne Dinge. Aber kann das auf die Dauer das Herz ausfüllen, das Herz von Eltern, Kindern und Jugendlichen? Ist nicht Gott größer als unser Herz?

Hanna, Samuel, Johannes, Andreas, Simon und einzelne Jugendliche heute wagen das Risiko, sich an den Herrn zu binden. Ich bin mir gewiss: Auch heute ist der Ruf des Herrn viel mehr als nur eine Seltenheit.

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 3 - Zweiter Sonntag – im Jahreskreis (Evangelium Joh 1, 35–42)

 


Zweiter Sonntag – im Jahreskreis

Leben heißt für den Menschen wachsen und reifen, und immer wieder lernen. Man ist
so lange ein lebendiger Mensch, als man bereit ist, es zu werden. Und der ist ein Christ,
der weiß, dass er es erst werden muss, jeder mit der besonderen Gabe und Berufung,
die er empfangen hat. Das Große wäre, jeden Tag und jede Stunde zu wissen:
Hier ist mein Weg, hier meine Aufgabe, hier begegnet mir Christus.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 18. April 2021

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