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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

03.02.2021

Wohin treibt uns die Sehnsucht?

Paulus predigt auf dem Areopag

Paulus predigt auf dem Areopag –Deckengemälde aus der Pfarrkirche St. Petrus und Paulus in Rögling. Foto: Kreitmeir

Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ Was für ein gewaltiges Wort! Da spricht einer aus vollem Herzen, aus allem, was ihn zuinnerst bewegt. Da redet einer mit Kraft, Überzeugung und vollem Engagement. Es ist der große Paulus.

Dieses „Wehe mir“ erinnert mich noch an einen andern. Von ihm heißt es im Evangelium: „Lasst uns anderswohin gehen in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige, denn dazu bin ich gekommen“. Auch ihn drängt es zum Aufbruch. Ihm war die Botschaft zuinnerst wichtig. Sie stammte direkt vom Vater, so dass er selbst zur Botschaft, zum Evangelium wurde: „Die Herrschaft Gottes ist angebrochen, das Himmelreich ist nahe!“ Diese Botschaft riss damals im galiäischen Frühling Hunderte und Tausende vom Hocker. Man horchte auf und spitzte die Ohren. „Was ist das“, so fragte man, „gar eine neue Lehre?“ Nicht nur seine Worte faszinierten. Man suchte den Mann hinter den Worten. „Herr, alle suchen dich.“

Gott suchten sie in Jesus. Wen oder was suchen wir im Leben? Wohin treibt uns die Sehnsucht? Ist es Glück, Gesundheit, Wohlergehen, auch Gewinn und Profit? Ja, all das brauchen wir zum Leben. Aber was, wenn es uns aus den Händen gleitet? Was, wenn uns die Felle davonschwimmen? Was ist dann unsere Sehnsucht, unsere Perspektive?

Vielleicht ein Du, eine Person, die uns trägt, wenn nichts mehr trägt? Vielleicht eine Hoffnung, die sogar über den Tod hinausgeht? Von dieser unbändigen Hoffnung spricht auch der große Paulus. Es ist die Hoffnung, die ihm und uns allen vom Tod und von der Auferstehung Jesu zukommt. Das ist seine große Botschaft, das Evangelium, das ihn zum Äußersten drängt, es allen zu verkündigen: in Palästina, Syrien, Kleinasien, Mazedonien und Griechenland. Sogar bis nach Rom reicht der Arm seiner Verkündigung.

Wie macht er das, dieser Paulus? Was springt für ihn dabei heraus? Vielleicht der Lebensunterhalt, Lohn, Gewinn, ein kleines Vermögen? Absolut nicht! So dachten eher andere, die falschen Wandermissionare, gegen die er in den Korintherbriefen wettert. Paulus lebt von Leder- und Zeltarbeiten. Das Evangelium aber ist für ihn ohne Entgelt. „Für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn.“

Und heute? „Die Kirche muss doch ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ordentlich bezahlen“, heißt es. Ja, auf jeden Fall. Ihre Familien müssen ernährt werden, auch Pfarrer brauchen eine Rente. Aber nur ums Geld sollte es niemandem gehen. Eher schon um dieses innere Drängen von Paulus und Jesus. Um diese unendliche Freude, deren geheimnisvolle Kraftquelle und Schubkraft das Evangelium ist.

Richard Distler, Pfr. i. R. Kirchenzeitung Nr. 06 vom 7. Februar 2021 - Evangelium: Mk 1, 29–39


Fünfter Sonntag im Jahreskreis

Wir haben keine Zeit, sagen wir. Wahr ist: Wir haben keine Zeit zu verlieren, denn unsere Lebenszeit ist kurz.
Essen, schlafen, Geschäfte machen, das ist zu wenig. Jesus hat uns gezeigt, was ein Menschenleben sein kann:
Dienst für die Menschen bis zum Äußersten. Der irdische Jesus vollzieht das mit, was für den ewigen Gottessohn
das Leben ist: die vollkommene Hinwendung zum Vater.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 18. April 2021

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