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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

19.05.2020

Wo bitte, gehts zum Paradies?

Das Evangelium vom heutigen Sonntag ist den Abschiedsreden Jesu entnommen. Wie der blaue Himmel verbergen sie unter ihrer Vertrautheit den Abgrund des Weltalls. 

Jesus spricht von etwas, das alle angeht, worum sich aber die allermeisten ebenso wenig kümmern, wie um den Abgrund über unseren Köpfen. Jesus betet: „Das ist das ewige Leben: Dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandthast.“

Manchen „Menschlingen“ bedeutet „Paradies“ ewige Stillung tierischer Triebhaftigkeit oder Wellness ohne Ende. Auch weniger begrenzte Mitmenschen werden sich schwer tun mit der Aussage des Herrn: „Gott erkennen und ihn, seinen Messias erkennen“ – das ist es!

Nun kann der Begriff des Erkennens in den Heiligen Schriften recht vielsagend sein. Neben der verstehenden Wahrnehmung bedeutet „erkennen“ auch „zeugen“. Das ist die Umkehrung des heutigen Denkens: es wir nicht irgendetwas sexualisiert, vielmehr wird Zeugung spiritualisiert, als geschenkter Schöpfungsakt, als Teilhabe am göttlichen Wesen.

All unser ungereimtes Wünschen, das wir in den Himmel projizieren, ist kindisch. Es wird keine Kühlschränke geben im Paradies. Unsere Himmelsdarstellungen mit den vielen Engeln und dem Goldhintergrund sind symbolischer Ausdruck dessen, was nicht vorstellbar ist. Wir brauchen natürlich Anhaltspunkte, die aber sind nur Treppenstufen für unseren Glauben, in dem allein jenes Erkennen keimen kann, das eins ist mit dem göttlichen Sein. Ins Wesen, also in die Liebe Gottes einzutauchen, – das ist Paradies. Es verändert unser ganzes Leben und schafft Langeweile ab. Es ist wie ein Sturz in den Himmel hinaus, voller Begegnung und schockierender Freude! 

Der heilige Philipp Neri, Pippo der Gute, wie ihn die Römer nannten, hatte wieder einmal, eine Prozession durch Rom angestiftet mit Gebet und Gesang. Die Hitze drückte schwer, das Gebet wurde kleinlaut und der Gesang dünn. Da warf Pippo sein Birett in die Luft, sprang danach, um es aufzufangen und schrie dabei laut: Paradiso, paradiso! Das hat den ganzen Zug herumgerissen. So eindrucksvoll muss sein Glaubenssprung gewesen sein, dass ein Denkmal aufgestellt wurde mit der Aufschrift des Rufes. Lassen wir uns mitreißen in die Erkenntnis des wahren Gottes und seines Gesandten Jesus Christus, in den Sturz paradiesischer Freude! 

Alois LoeßlKirchenzeitung Nr. 21 vom 24. Mai 2020 (zum Evangelium Joh 17, 1–11a)


7. Sonntag der Osterzeit

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 12.7.2020

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