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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

22.04.2020

Wir brauchen seine Nahrung

War das nicht lange Zeit unser modernes Lebensgefühl? „Ich fische nur in den eigenen Gewässern, da, wo ich will. Ich lebe mein Leben selbstbestimmt! Da lass ich mir nichts dreinreden. Auch nicht vom Herrgott.“ Und jetzt in der Krise ist unser selbstherrlicher Lebensentwurf so gut wie nichts mehr wert. 

Wie bei den Jüngern am See. Sie fischen im Trüben, sie, die sieben Profis, fischen ohne Erfolg. Es ist Ausdruck ihrer Verängstigung und Unsicherheit. Das mit Jesus hat sie in die totale Katastrophe geführt. Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Sie haben zwar irgendwie mitbekommen, er lebe und sei auferstanden. Aber wie kann man so etwas glauben? 

Wie geht es uns derzeit mit unserem Osterglauben? Wir konnten Ostern heuer nicht live mit festlichen Gottesdiensten feiern, manchmal nur virtuell. Aber was bedeuten Ostern und die Auferstehung gerade jetzt für uns in dieser Unsicherheit und Ungewissheit der Krise? Öffnet uns da nicht der junge Johannes die Augen? „Da drüben steht doch einer, da drüben am anderen Ufer, einer wie von einer anderen Welt! Es ist der Herr!“ 

„Habt ihr vielleicht etwas zum Essen?“, fragt er. „Nein, rein gar nichts, nur leere Netze!“ „Ihr seid falsch dran, Freunde: Bitte, die Netze auf die andere Seite!“ Aber was ist die andere Seite? Es ist die Seite Gottes, es ist seine Vorstellung vom Leben und von der Welt. Es ist die faszinierende Idee vom Reich Gottes. Wie aber kann seine Idee auch bei uns zum Durchbruch kommen? Ich denke, vor allem dann, wenn wir ihm vertrauen. Es ist das Vertrauen, dass er gerade jetzt bei uns ist. Dass er uns an der Hand nimmt und aufrichtet und uns vielleicht sogar neue Wege führt. 

Könnten wir nicht gerade jetzt entdecken, wie sehr wir weltweit verflochten sind? Dass nicht nur bei uns Medizin und Wirtschaft gut funktionieren, sondern dass auch ärmere Länder daran Anteil bekommen? Für dieses Umdenken brauchen wir die Lebensenergie des Auferstandenen. Wir brauchen seine Nahrung, nach der wir vielleicht jetzt in den Zeiten der Entbehrung wieder Sehnsucht bekommen. Es sind Brot und Fisch, die Nahrung, die er selbst den Jüngern bereitstellt. Mit Brot und Fisch ist er selbst gemeint, er, der Auferstandene. Er selbst und seine Nahrung können unser durcheinandergeratenes Lebensgefühl wieder ordnen. Sie können uns neues Leben und neue Hoffnung einhauchen. 

Richard Distler, Pfr. i R.Kirchenzeitung Nr. 17 vom 26. April 2020 (zum Evangelium Joh 21, 1-14)


3. Sonntag der Osterzeit

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 27 vom 5.7.2020

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