Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

19.01.2021

Wandelt euch und erneuert die Welt

Wandelt euch und erneuert die Welt

Wandelt euch und erneuert die Welt                    Foto: Erich Kraus

Da ging er in sich“ – lesen wir im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Er dachte nach. Fängt so eine Neuausrichtung an?

An einem Sonntagabend 1973 suchten mich vier RAF-Terroristen auf, um mich zu sprechen. Während ihrer „Ausbildungszeit“ bei der RAF entschieden sie, sich abzusetzen und flohen in die Bretagne. Dort in ihrem Versteck lernten sie eine junge französische Frau kennen, die mit ihnen über das Evangelium sprach. Das wühlte sie auf. Von Interpol gesucht, flohen sie weiter nach Indien, um von einem Guru mehr zu erfahren. Der verwies sie zurück nach Deutschland, um ihre christlichen Wurzeln zu vertiefen. 

Ich bat die vier herein, gab ihnen zu essen, und es entwickelte sich ein langes Nachtgespräch. Meine Mitbrüder hatten schon Sorgen, dass mir etwas passieren könnte. Kurz gesagt: Die Terroristen bekehrten sich zur Gewaltlosigkeit des Evangeliums. Der Anführer heiratete ein Jahr später die junge Französin und wurde Kriegsdienstverweigerer.

Und ich hatte intensiven Nachhilfeunterricht in punkto Bekehrung bekommen. Beim Lesen des heutigen Evangeliums erinnerte ich mich an dieses Erlebnis. Mit dem griechischen „metanoeite“ will Jesus seine Zuhörer zum Nachdenken auffordern! In der deutschen Übersetzung heißt es etwas verharmlosend: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium!“

Im lateinischen Bibeltext heißt es: „Tut Buße!“ Doch das griechische Verb „metanoein“ beinhaltet ein höher, größer denken, über das bisher Gedachte und Gewohnte hinaus. Kein „Weiter so!“, sondern ein Umdenken und daraus folgend ein Umhandeln. Und hier schimmert schon die Bergpredigt durch: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist ... Ich aber sage euch ... (Mt 5-8). 

Jesus wollte Schritte nach vorn zeigen, über das bisher Gesagte hinaus. Schritte, die im Kopf und im Herz beginnen müssen, weil nur von innen her ein neues Handeln, ein neues Leben möglich werden kann: Denkt und lebt „meta“, denkt und lebt über das hinaus, was ihr früher gehört und gedacht habt! Paulus hat es im Römerbrief das auf den Punkt gebracht: „Wandelt euch und erneuert euer Denken“ (Röm 12, 12).

Und so frage ich mich, warum hat es 2.000 Jahre gedauert, bis die Kirche offiziell die Todesstrafe als nicht gerechtfertigt sieht und ablehnt. „Du sollst nicht töten“ stand doch schon in den Zehn Geboten! Und die Feindesliebe impliziert doch, dass wir nicht hassen, sondern lieben sollen. Und Jesus geht sogar so weit, dass er sagt „Wer auch nur einem anderen zürnt, soll dem Gericht verfallen sein“ (Mt 5, 22). Und wie opportunistisch haben wir den Politikern nachgeplappert, dass es so etwas wie einen gerechten Krieg gäbe. Das Töten haben wir moralisch gerechtfertigt. Und heute stellt die Kirche fest, dass diese Argumente nicht mit der Botschaft des Evangeliums deckungsgleich seien. So genial daneben lagen wir!

„Glaubt an das Evangelium!“ und „Verkündet allen Menschen das Evangelium“ – das sind klare Dienstanweisungen Jesu. Und Paulus hat geschrieben: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ (1 Kor 9, 16).Hat es uns Jesus nicht vorgemacht, wenn er sagt: „Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lk 19, 10)? Das heißt doch, dass er dem letzten Blödmann nachrennt! Dürfen wir die Flucht in die Liturgie und alle Rückzugsgedanken, weil angeblich „niemand mehr glauben will“, als Alibi gebrauchen, um als Nachdenk-Verweigerer und als Drückeberger in die Geschichte einzugehen? 

P. Josef Lienhard, Kirchenzeitung Nr. 04 - 24. Januar 2021 - Evangelium: Mk 1, 14–20


Dritter Sonntag – im Jahreskreis

Wenn Gott in die Geschichte der Menschen eingreift, erwarten wir Großes.
Jesus hat die Botschaft von Gottes Herrschaft und seinem Reich ausgerufen.
Er hat seine Jünger ausgesandt und er sendet sie bis heute, bis ans Ende der Welt.
Aber wo ist der Erfolg?
Schon die Jünger Jesu hatten Mühe, an einen armen, demütigen Messias zu glauben.
Dann begriffen sie, dass es für Jesus ums Ganze ging:
um den Menschen.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 18. April 2021

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2021):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,80 €
(7,60 € einschl. 7 % MWSt. + 1,20 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,55 €;
Einzelnummer 2,20 €.