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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

14.02.2020

Vom Anspruch der christlichen Lebensführung

Die Pharisäer waren Spezialisten der Pflichterfüllung. Die 365 Verbote und die 248 Gebote des mosaischen Gesetzes waren ihnen geläufig und ihre Einhaltung selbstverständlich. Da kommt Jesus und sagt diesen Spitzensportlern der Gesetzestreue: Das genügt nicht!

Der Theologe Manfred Hauke führt einmal das Beispiel eines Ehepaares an, das jeden Tag alle Dienste gegeneinander abgleicht, als ging es um die kritische Durchsicht einer Gehaltsabrechnung. Ein solcher Rechtsbund wird auf Dauer scheitern, weil ihm das Wesentliche fehlt. Genau das wirft Jesus der pharisäischen Gesetzespraxis vor. Er will die Pharisäer nicht überholen in juristischen Leistungen, er will vielmehr die Gesetzestreue beleben mit einer tief wurzelnden Liebe. Nur der breite Strom der Liebe reguliert unsere Natur. Jesus will mit der Radikalisierung des Anspruchs nicht das alte Reglement verbessern, er will es buchstäblich überflüssig machen indem er es mit göttlicher Liebe flutet.

Wir leben in einer Zeit, die alles kontrolliert und sortiert. Das göttliche Recht und das Naturrecht werden dabei außer Acht gelassen. Es zählt nur noch der Mehrheitsbeschluss, der dem Trend der Zeit gehorcht. In Belgien darf Kindern schon Sterbehilfe geleistet werden. Hunderttausende Lebensschützer werden totgeschwiegen oder heruntergespielt von einer Presse, die es versteht, Erfolgsbischöfe zu knechten. Papst Johannes Paul II. hat von der Kultur des Todes in der westlichen Welt gesprochen.

Jesus predigt die Kultur des Lebens, die Entfesselung des Liebesstromes. Der radikale, also auf die Wurzel ausgerichtete Anspruch einer christlichen Lebensführung weiß, wovon die erste Lesung des heutigen Sonntags spricht: „Vor den Menschen liegen Leben und Tod, was immer ihm gefällt, wird ihm gegeben.“ Für Paulus ist das „nicht die Weisheit dieser Welt“ sondern, „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ 

Alois Loeßl, Kirchenzeitung Nr. 07 vom 16. Februar 2020


6. Sonntag im Jahreskreis

Der ist ein freier Mensch, der tun kann, was er will - stimmt das? Es könnte stimmen, wenn nur die Worte den rechten Sinn hätten. Aber was heißt wollen, und was heißt können? Zu bedenken ist jedenfalls auch dieser andere Satz: Frei ist nur der Mensch, der auch das zu tun vermag, was er nicht will; in anderer Sprache: der Mensch, der gehorchen kann.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 8 vom 23.02.2020

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