Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

10.11.2017

Sehnsucht – Treibstoff für das Leben

Von einer Ölkrise erzählt das Evangelium dieses Sonntags: Brautjungfern haben den Auftrag, mit ihren Öllampen den Bräutigam in den Festsaal zu begleiten. Der Hälfte der Belegschaft fehlt aber das Öl als Treibstoff für die Lampen, und so können sie ihre Aufgabe nicht erfüllen. Weil sie in einer Ölkrise stecken, müssen sie draußen bleiben vor dem Festsaal.

Die Jungfrauen in dieser Geschichte stehen für die Menschheit. Die Lampen in den Händen der Jungfrauen symbolisieren den Auftrag jedes Menschen, Licht zu bringen in seine  Welt, das heißt, ein Lichtblick zu sein mit  seiner Liebe, seiner Güte und seiner menschlichen Wärme. Als Lichtblick soll jeder Mensch den Bräutigam begleiten, sobald dieser kommt. 

Damit ist nur zum einen darauf hingewiesen, dass Jesus am Ende des Lebens beziehungsweise am Ende der Welt auf den Menschen zukommt. Vor allem ist mit dem Bräutigam gemeint, dass Jesus im irdischen Leben des Menschen auftaucht: in den Mitmenschen, die ihm begegnen. Licht sein soll also jeder Mensch für seine Mitmenschen. „Was ihr für meine geringsten Schwestern und Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus wenige Zeilen nach diesem Gleichnis.

Das Öl bezeichnet den Treibstoff, der es dem Menschen ermöglicht, seiner Aufgabe auch tatsächlich nachzukommen, ein Lichtblick zu sein für seine Mitmenschen. Dieser Treibstoff ist die Sehnsucht: Ob es die Sehnsucht nach Lebenssinn ist oder die Sehnsucht nach einem lieben Menschen; die Sehnsucht nach Frieden oder Glück oder eine Kombination davon – die Sehnsucht nach dem Guten ist es, die die Menschen antreibt, Licht in die Welt zu bringen. Weil sie dies tun, erleben sie selber, wie ihre Sehnsucht nach dem Guten gestillt wird.

An dieser Sehnsucht mangelt es den fünf Jungfrauen ohne Öl. Sie stehen für Menschen ohne Treibstoff: ihnen fehlt die Sehnsucht, mit ihrem Leben etwas Gutes zu bewirken, entweder, weil es ihnen egal ist, oder, schlimmer noch, weil sie die Sehnsucht haben, Böses zu tun. Für diese Menschen wird das Leben kaum zu einem Fest werden können: entweder sie leben oberflächlich und untätig dahin, oder sie sorgen für Trauer und Zerstörung.

Wenn solche Menschen daran etwas ändern wollen, können sie sich nicht mal einfach schnell ein bisschen Sehnsucht nach dem Guten leihen von denen, die bereits als Lichtblicke leben. Sie müssen sich wie die fünf Jungfrauen in der Ölkrise auf einen langen und mühevollen Weg machen: Sie müssen ihr Leben umkrempeln und neue Prioritäten setzen, die ihren Mitmenschen gut tun; und danach müssen sie dann auch leben. Hoffentlich gelingt ihnen dies, bevor es zu spät ist.

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen und mir, dass wir niemals in so eine Ölkrise geraten, sondern immer genug Sehnsucht nach dem Guten in uns spüren; sie ist der Treibstoff, der uns ermöglicht, Licht in das Leben unserer Mitmenschen und damit auch in unser eigenes Leben zu bringen. Wann und wo immer dies durch uns geschieht, wird das Leben zum Fest.

Matthias Blaha, Kirchenzeitung Nr. 46 vom 12. November 2017

Matthias Blaha. Foto: Anika Taiber-Groh

Matthias Blaha wurde 1970 in Würzburg  geboren. Er studierte Theologie und erhielt 1996 die Priesterweihe. Nach Vertretungen in Altdorf bei Nürnberg und im Klinikum Ingolstadt wurde er Kaplan in Hilpoltstein. 1998 wechselte er nach Ingolstadt, St. Pius. Von 2000 bis 2002 war er zum weiterführenden Studium freigestellt, übernahm 2002 die Leitung der Pfarreien Nassenfels und Egweil. Seit 2008 ist er Pfarrer in Ingolstadt, St. Anton. Blaha spricht im Hörfunk und ist Autor der in der KiZ  erscheinenden Reihe „Ein Bild – ein Wort – ein Mensch der dahintersteht“.

Lesungen zum 32. Sonntag im Jahreskreis

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen@kirchenzeitung-eichstaett.de



Bezugspreise: Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 7,00 € (5,90 € einschl. 7 % MWSt. + 1,10 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 7,80 €; Einzelnummer 1,70 €.