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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

07.02.2020

Salz, Licht und Stadt auf dem Berg

Fotos: Erich Kraus (2), Wikipedia

Fotos: Erich Kraus (2), Wikipedia

Menschen, die glänzende Reden halten, Weisheiten zum Besten geben und einen starken Auftritt haben, werden gern bewundert. Noch mehr Bewunderung jedoch verdienen Menschen, die das, was sie sagen, auch selber tun. Daran wird heutzutage auch die Kirche gemessen.

Besonders überzeugend muss da der heilige Apostel Paulus gewesen sein. Wie konnte er in so kurzer Zeit dreizehn christliche Gemeinden gründen? In Galatien, Thessaloniki, Korinth, in Rom und anderswo? Was war sein Geheimrezept? Waren es glänzende Reden, sein Können und Wissen? Nein. Sein Auftreten war eher „voll Zittern und Furcht“. Sein „Erfolg“ war, dass er begeistert war von Christus, dem Auferstandenen, und dass durch ihn das Geheimnis Gottes sichtbar wurde. Das zündete bei den Menschen. So wurde er zu einem Licht, zu einer Lichtgestalt.

Was könnte bei uns zünden und die Kirche wieder zum Leuchten bringen? Vielleicht Spenden für Jugendarbeit, für Kinder, Flüchtlinge und alte Menschen? Ja, gewiss, aber das tun auch Nichtchristen. Was ist also das unterscheidend Christliche?

Es ist so etwas wie ein neuer Schöpfungsakt, den Jesus im Evangelium an den Jüngern vollzieht, wenn er sie zum Salz der Erde und zum Licht der Welt macht. Salz und Licht sind fürs Leben notwendig. Sind auch die Jünger und wir Christen für die Welt notwendig? Licht macht etwas sichtbar. Das heißt: Durch die Strahlkraft von uns Christen kann in den Menschen eine Sehnsucht nach dem Geheimnis Gottes spürbar werden. Die Strahlkraft von Christen wird sichtbar, wenn wir dazu beitragen, dass Gott Menschen aus dem Dunkel ins Licht, aus der Trauer in die Freude und aus der Blindheit in die Klarheit führen kann. 

Und Salz? Wie Salz Würze in die Speisen bringt, so soll durch uns Christen den Menschen die Botschaft des Glaubens schmackhaft werden. Dies besonders dann, wenn jemand am Sinn seines Lebens zweifelt oder im Abgrund von Schmerz, Leid und Tod, Hoffnung und Zuversicht braucht. Salz ist die Kirche dann, wenn sie zu einem Ort der Hoffnung wird, weil der Auferstandene wie bei Paulus durch sie spürbar ist. All das ist Salz und Licht, das die Welt von sich aus nicht geben kann. Was Salz und Licht sind, das drückt der Modeschöpfer Harald Glööckler in seinem neuesten Buch: „Kirche, öffne dich!“ so aus: „Wir brauchen eine Kirche, die uns auffängt, wenn wir stürzen, die uns hält, wenn wir stolpern, die uns umarmt, wenn wir versagt haben.“

Doch auffangen, umarmen und halten kann die Kirche nur dann, wenn wir Christen selber gehalten sind. Wenn wir tief verankert sind in Christus und in der Beziehung zum dreifaltigen Gott. 

Nochmals steigert Jesus heute die Berufung der Jünger mit dem Bildwort von der Stadt auf dem Berg. Was bedeutet das? Die Kirche als diese Stadt ist vor allem dann wohnlich, schön, lebendig und anziehend, wenn sie mitten in der Welt zu einer leuchtenden Alternative und für viele zum Licht und zum Salz wird. 

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 06 vom 9. Februar 2020


5. Sonntag im Jahreskreis

Wir ehren Gott dadurch, dass wir sein Wort ernst nehmen; dass wir glauben, was er uns sagt, und tun. was er fordert. Auf die Taten kommt es an, nicht auf die Reden. Was wir heute tun, entscheidet, wie die Welt morgen aussehen wird. Es kommt nicht auf die sichtbare Größe unserer Taten an; wenn durch mein Tun für einen anderen Menschen die Nähe Gottes erfahrbar wird, dann hat Gott durch mich Großes getan.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 8 vom 23.02.2020

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