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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

03.01.2020

Gedanken über den Anfang

Foto: pixelio/Jens Schmitz

Foto: pixelio/Jens Schmitz

Vor der Zeit, am Anfang, hat er mich erschaffen, und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht – so spricht die Weisheit. Im Alten Testament erscheint sie als Kind, spielend an Gottes Thron. Einerseits ist sie göttlich, andererseits doch von Gott unterschieden

In der griechischen Philosophie taucht der Begriff „Logos“ auf. Natürlich hat nicht nur Luther das mit „Wort“ übersetzt und natürlich steckt da unsere Logik drin. Aber zunächst bedeutet das Verb „legein“ sammeln oder auslesen, und bezeichnet als Begriff, der aus dem realen Leben seinerzeit genommen wurde, die Maschendichte des Fischernetzes beim Fang.

„Proportionalität“ übersetzt der Altsprachler Wolfgang Schadewaldt den Begriff für die Zeit vor Christus. Späterhin kann „Logos“ das gesprochene Wort, der Satz oder die Vernunft sein. Der jüdische Philosoph Philo bringt den Begriff dann mit der Weisheit Gottes zur Deckung. Im Johannesevangelium wird Jesus Christus vor seiner Geburt als Mensch Logos genannt.

Über Jahrhunderte war dieser „Prolog“ – das Evangelium des heutigen Sonntags – Bestandteil jeder Heiligen Messe. Kein Wunder, dass auch Goethes „Faust“ darüber sinniert: „Geschrieben steht: Im Anfang war das Wort! / Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort? / Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, / ich muss es anders übersetzen, / wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin. / Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn. / Bedenke wohl die erste Zeile, / dass deine Feder sich nicht übereile! / Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft? / Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft! / Doch, auch indem ich dieses niederschreibe, / schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe. / Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat / und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!“

Natürlich ist diese Philosophie des Doktor Faust eine falsche Übersetzung. Professor Ratzinger hat den griechischen Logos mit Weltvernunft übersetzt, das ist weit richtiger. Doch auch die Spekulation Goethes hat seine Richtigkeit: Es ist die Tat Gottes die den Anfang macht in allem. Denn Gottes Wort ist schon Tat. Da braucht es keine Zeit zur Verwirklichung. Was Gott spricht, das existiert im Augenblick. Ausgesprochen „ist“ es. Im anfanglosen Anfang steht Gottes Sohn mit dem Beschluss, die erst noch zu erschaffende Welt durch seine „Tat“ des Leidens zu erlösen. Das wiederum ist der Anfang unserer Ewigkeit.

Alois Loeßl, Kirchenzeitung Nr. 01 vom 05. Januar 2020


Zweiter Sonntag nach Weihnachten

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 39 vom 27.9.2020

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