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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

17.03.2021

Er trägt uns, wenn im Leben nichts mehr trägt

Auf ein Wort: Nr. 12 vom 21. März 2021 - Evangelium: Joh 12, 20-33

Er trägt uns, wenn im Leben nichts mehr trägt Foto: Erich Kraus

Immer noch ist sie der Ort, wo nicht allein auf Konsum, Wellness, Events und Körperkult gesetzt wird. Eine Gemeinschaft, in der zwar auch manch Schmerzliches geschieht und dennoch viel Hoffnungsvolles: In Kitas, in der Jugendarbeit, in Caritas und Diakonie und in der Bildung. Ich meine die Kirche – ein Ort, wo man versucht, in den Sinnfragen des Lebens Halt und Antworten zu geben. Immer noch der Ort, an dem versucht wird, Sehnsucht nach Jesus zu wecken.

„Wir möchten Jesus sehen“, das ist auch heute im Evangelium die Sehnsucht von einigen Griechen aus Galiläa. Sie wenden sich an Philippus, ihren Landsmann. Aber ist nicht die Antwort Jesu irgendwie daneben? Er spricht von Verherrlichung, vom Sterben des Weizenkorns, von Lebensgewinn und Lebensverlust. Wie sollten das diese nur halb-jüdischen Griechen verstehen?

Verstehen wir Jesus? Wie sehen wir ihn? Was ist für uns Lebensgewinn? Nur Konsum und Wellness? Oder doch: Sich zurücknehmen, vom Egoismus frei werden, verzichten, damit es dem Nächsten gut geht? Anderen dienen? So zu leben ist ja gar nicht so einfach. Es kann sogar weh tun, aber auch glücklich machen. Hat nicht auch Jesus so gelebt? War nicht das seine Grundüberzeugung, wenn er sagt: Der Menschensohn ist gekommen, zu dienen und sein Leben als Lösegeld hinzugeben für die Vielen? „Wir möchten Jesus sehen!“

Was wollten sie für einen Jesus sehen? Einen Sensationshelden und Show-Master? Nein. Da wurde ihnen nur gesagt: Durch das Kreuz hindurch werdet ihr sehen. Lebensgewinn ist wie ein Weizenkorn, das stirbt, um Frucht zu bringen. War es nicht auch so mit seinem Sterben? Jesus wusste um die Brutalität seiner Passion. Deshalb lässt er uns heute in der zweiten Lesung in die tiefste Tiefe seines Herzens schauen. Bei ihm entdecken wir ein doppeltes Lebensgesetz: Leben trotz Sterben. Konfrontiert mit der Majestät des Todes und den Mächten der Finsternis, schaut er in den Abgrund des Nichts. Zutiefst erschüttert wie am Ölberg, ringt er mit der Gewalt der widergöttlichen Mächte. „Er ringt“, wie Papst Benedikt schreibt, „mit der schmutzigen Flut des Bösen und mit der Macht des Hochmuts und der Lüge, die sich die Maske des Lebens umhängt.“

Dennoch: Jesus wird Sieger sein, weil der Vater ihn zum Leben erweckt. Weil er zu ihm steht, ihn trägt, erhöht und verherrlicht. Mehr noch: Er wird auch uns durch alle Todesängste tragen und uns an sich ziehen in seiner unendlichen Liebe. Was also ist unsere Sehnsucht? Wohin zieht es uns? Wohin laufen wir? Was trägt uns, wenn im Leben nichts mehr trägt? Davonlaufen ist keine Lösung. Eher schon in der Gemeinschaft bleiben, die immer neu die Sehnsucht nach dem erweckt, der uns im Leben wie im Sterben an sich zieht.

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 12 vom 21. März 2021 - Evangelium: Joh 12, 20-33


Vierter Fastensonntag

Das Gesetz des Lebens ist dem Gesetz der Liebe verwandt:
Geben und Empfangen bedingen sich; Schenken ist Beschenktwerden.
Der Mensch gewinnt sein Leben in dem Maß, als er bereit ist, es für andere hinzugeben.
Wer sich aufsparen will, dessen Leben bleibt klein und unfruchtbar.
Jesus hat es uns gesagt und vorgelebt.
Er ist der Hohepriester des Neuen Bundes, er ist auch das Opfer der Versöhnung.
Weil er gestorben ist, haben wir das Leben.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 18. April 2021

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