Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

20.12.2019

Ein lachender Engel verkündet große Freude

Foto: Archiv Bistum Regensburg

Foto: Archiv Bistum Regensburg

Bei einer der zahlreichen Adventsfeiern kam die Rede zufällig auf Regensburg. Mein Nachbar erzählte mir, wie er vom dortigen Dom beeindruckt war. Ich hatte eine ähnliche Erinnerung. Als ich durch die gotische Pforte in das Kircheninnere gelangte, war ich zuerst bedrückt, weil alles so dunkel war. Ich schritt durch den Mittelgang, während meine Augen sich langsam an das Dunkel gewöhnten. Vorne fielen mir sofort zwei Figuren auf. Sie standen auf den vordersten Pfeilerpodesten: Die eine war Maria in prächtig schönem Faltengewand, die andere konnte ich zuerst nicht erkennen. Auffallend war das fröhliche Gesicht samt einem Strahlen in den Augen.

 

Langsam wird es lichter

Daran erinnerte ich mich, als ich das Evangelium des 4. Adventssonntages las. Ein Engel tritt im Traum vor Josef und verkündet ihm eine freudige Botschaft. Josefs erstes Empfinden war aber wohl ähnlich dem meinen: es ist dunkel, undurchsichtig, unerklärlich. Doch bei näherem Herantreten leuchtet plötzlich etwas Großartiges auf. Da ist Licht und Freude zu sehen.

Ich habe mir damals auch noch einen Führer gekauft. Darin war zu lesen, dass es sich bei diesen beiden Figuren um eine einzigartige Verkündigungsgruppe aus dem Jahr 1280 handele. Der Engel mit seiner besonderen Ausstrahlung wird darin als der lachende Engel bezeichnet. Das höre ich auch aus dem Matthäusevangelium heraus. Da lacht Josef voll Freude ein Engel an und verkündet: Siehe, deine Frau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären und ihr werdet ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.

So ein lachender Engel könnte ein schönes Symbol für unseren Glauben in der nun herannahenden weihnachtlichen Zeit sein. Dieser Engel hat wirklich gut lachen, denn er gibt nicht nur Josef und Maria, sondern der ganzen Menschheit eine frohmachende Nachricht weiter: Gott schickt uns seinen Sohn, damit wir das freudige „Ja“ Gottes zu uns Menschen erkennen. Gott nimmt sich unser an, mit Fleisch und Blut. Der lachende Engel im Regensburger Dom weiß um die Tragweite seiner Botschaft. Er ist selbst erfüllt davon.

 

Gott schenkt Lachen

Ich erahne das eine oder andere „Aber“ unter Ihnen. Rudolf Bultmann formulierte es einmal so: „Dem modernen, naturwissenschaftlich denkenden Menschen kann man den Glauben an Engel nicht mehr zumuten. Niemand rechnet mehr mit einem Eingreifen transzendenter Mächte!“ Vielleicht ist das das Problem unserer Zeit, dass wir in der Kirche nicht nur die lachenden Engel im Dunkeln nicht mehr sehen, sondern ihre Botschaft sogar verstecken. In meiner Kirche ist dieser lachende Engel da. Gott will ihn uns zu Weihnachten zeigen. Da will jemand in Dein Leben eindringen, lächelnd, freudig, bejahend, hoffnungsvoll. 

Überhaupt spielen Engel eine wesentliche Rolle in der Weihnachtszeit. Neben diesem deutenden Traumengel Josefs ist es vor allem der Verkündigungsengel Gabriel, der wie in der Szene in Regensburg der Gottesmutter die Frohbotschaft übermittelt. Oder der Engel, der den Hirten die Botschaft vom geborenen Retter bringt. Und ein himmlisches Heer stimmt den weihnachtlichen Ruf „Ehre sei Gott in der Höhe“ an. Weihnachten ohne Engel – nicht vorstellbar.

Engel sind Überbringer des Wortes Gottes. Sie bezeichnen uns seine helfende und heilende Nähe. Engel sind Botschafter einer anderen, tieferen Wirklichkeit. Sie sind Antwortbilder unserer Sehnsucht nach Geborgenheit und Heimat, nach Leichtigkeit, Freude und Liebe. Sie geben unserem Leben einen himmlischen Glanz. 

In den Evangelien sind sie wahrlich nicht die niedlichen Putten barocker Altäre. Die Reaktion Josefs, Marias und der Hirten ist entsprechend Staunen und Betroffenheit, ja, Erschrecken. Sie spüren Gottes glanzvolle, aber auch mächtige Gegenwart. Doch der Engel nimmt ihnen die Unsicherheit. Er verkündet ihnen eine große Freude. Die heilende Nähe Gottes bewirkt das. 

Vielleicht ist es in Ihrem Leben gerade dunkel wie beim Eintritt in den Regensburger Dom. Schwarze Wolken ziehen auf, weil der Arbeitsplatz in der Firma nicht mehr sicher, ein Lebenspartner schwer erkrankt ist oder sie einfach die psychischen Belastungen des Lebens schwer drücken. Gott will nicht fern sein. Er ist selbst Mensch geworden, um all das selbst zu erleben, um in diese Welt hinein sein Licht, seine Hoffnung, sein Lächeln zu zeigen: Durch diesen lächelnden Engel, durch Menschen, die sich selbst anstrahlen lassen durch das Weihnachtsgeschehen. So kann jeder von uns zum lachenden Engel werden.

Wenn Sie beispielsweise in der Feier der Christmette von Gott so angelächelt werden, dann öffnet sich auch für Sie die Teilnahme an der himmlischen Liturgie. Die Kunst hat das himmlische Heer der Gott preisenden Engel aus vollem Herzen singend dargestellt. Diese Bilder atmen den Hauch von Leichtigkeit, Freude, Lust am Leben. Sie heben die Schwere der Erde auf. Sie vermitteln das „Ja“ zum Leben, sie drücken Lust aus, vor Gott sein und ihn loben zu dürfen.

 

Der Retter ist geboren

Lassen wir uns von den weihnachtlichen Engeln einführen in die Freude am Mensch gewordenen Gottessohn. Lassen wir uns von ihnen sagen, dass Gott Wohlgefallen an uns hat. Abgewandelt von einem Werbespott heißt das dann: Gott verleiht Flügel. Unter den vielen Engeln der Weihnachtsgeschichten ist sicher für jeden einer dabei, der uns die große Freude verkünden will, dass für Sie der Retter geboren ist. Er ist der Messias, der uns von den Fesseln befreit, die uns am eigenen Leben hindern.

Der lachende Verkündigungsengel aus Regensburg ist ein gutes Symbol für diesen Glauben. Ein frohes, ein gesegnetes Weihnachtsfest Ihnen und Ihren Lieben.

P. Michael Huber, Generalvikar, Kirchenzeitung Nr. 51 vom 22.12.2019

 


Vierter Adventssonntag

Gott will, dass wir sehen, was er will und was er tut. Daher gibt er uns die großen Zeichen. Wer die Zeichen sehen kann, weiß auch das Gemeinte. Die Jungfrau und das Kind: Zeichen dafür, dass unsere Hoffnung in Schwachheit und Armut geboren wird.

 

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 39 vom 27.9.2020

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2020):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,30 €
(7,15 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,05 €;
Einzelnummer 2,10 €.