Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

26.06.2020

Ein Becher frisches Wasser und das Himmelreich

Foto: pixabay/congerdesign

Foto: pixabay/congerdesign

Störenfriede ärgern uns im Leben. Sie stören unsere Überzeugungen und Pläne. Manchmal auch unsere Bequemlichkeit und unseren Lebensstil. Dies vor allem dann, wenn wir meinen: Ich lebe mein Leben, wie es mir gefällt, und brauche nichts Neues mehr. Aber macht uns eine solche selbstzufriedene Sattheit wirklich glücklich? Steckt nicht das Leben voller Überraschungen? Eine Todesnachricht, ein Leid, eine Krankheit, ein Unglücksfall oder jetzt diese Epidemie: All das kann unsere Lebenspläne erschüttern. 

War Jesus auch ein Störenfried? Gewiss nicht für die Kranken, die Leidenden, die Toten oder die Verwundeten: Gerade denen hat er geholfen. Erbost über ihn waren eher die Führer des Volkes, die Selbstzufriedenen, die Satten, die Bornierten, die Gleichgültigen und jene, die meinten: Ich brauch nichts Neues mehr. Ich weiß, wie und wer Gott ist. Für solche war er ein Störenfried. Eine solche Lebenseinstellung war für Jesus Lebensverlust. Aber was war für ihn Lebensgewinn? Es war seine Botschaft: Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe! Aber wieso ist das Himmelreich Lebensgewinn? Wen kümmert schon der Himmel? Falls es ihn gibt, dann vielleicht am Lebensende.

Und die Antwort Jesu? Nein, das Himmelreich ist schon mitten unter euch. Wer es annimmt, der wird „das Leben gewinnen“. Aber wie soll das gehen? Beispiele nennt er zuhauf in der Bergpredigt. Und heute: „Wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt. Wer einen Gottesgesandten (so wie dieses vornehme Ehepaar in der 1. Lesung) aufnimmt. Oder wer im rechten Augenblick weiß: Jetzt kommt es auf mich an, denn gerade jetzt ist der Kairos, die entscheidende Stunde des Himmelreichs. Ich will sie nicht verpassen!“ Wer so denkt und handelt, der gewinnt das Leben. Denn Lebensgewinn besteht schon in kleinen Taten der Liebe und der Achtsamkeit.

Wie aber ist mit dem Wort: Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig? Das passt doch nicht zum Evangelium vom Himmelreich, erst recht nicht zum 4. Gebot! Die Eltern ehren, achten und lieben, eigentlich selbstverständlich! Sie sind aber nicht unser Privatbesitz, auch Kinder nicht. Sie können uns genommen werden, und was dann? Denn die Liebe, von der Jesus spricht, geht über die Familie hinaus. Ihm geht es um das Größere, das Entscheidende. Das aber ist der Vater, ist Gott, unser Ja zu seiner Herrschaft über die Welt und über mein Leben. Das Größere ist für ihn das Himmelreich, die radikale Gottesliebe und Gottesherrschaft. Aber wieso? Für Jesus gilt: Wenn wir Menschen Gott herrschen lassen, dann haben Hass, Gewalt, Rassismus und Streit keine Chance. Erst dann ist der Mensch glücklich, und erst dann ist Friede, Schalom. 

Gewiss stört ein solches Denken unsere Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit. Doch das Himmelreich öffnet unsere Herzen für eine neue Lebenseinstellung. Es macht Mut zum Umdenken und beendet Trägheit und Sattheit. Und das ist nicht mehr Lebensverlust, sondern Lebensgewinn.

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 26 vom 13. Sonntag im Jahreskreis (zum Evangelium Mt 10, 37-42)


13. Sonntag im Jahreskreis

Der Jünger Jesu ist kein Fanatiker. Er ist glücklich, weil er Jesus gefunden hat und er kann von ihm nicht schweigen, auch dann nicht, wenn er dadurch für andere Menschen, sogar für seine Freunde, ein Fremder wird. Wer zu ihm gut ist, dem wird Gott es danken.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 27 vom 5.7.2020

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2020):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,30 €
(7,15 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,05 €;
Einzelnummer 2,10 €.