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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

10.01.2020

„Du bist mein geliebtes Kind ...“

Foto: privat

Taufe Jesu: Darstellung in der Apsis der Kapelle der Heimsuchung in Gredos bei Avila in Spanien. Foto: privat

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt: Wieso wird Jesus eigentlich getauft, wenn er der Sohn Gottes, der Sündenlose ist? Und warum beschließt die Taufe Jesu den Weihnachtsfestkreis? Uns scheint das alles ein bisschen zu schnell zu gehen: Vor einigen Tagen haben wir das Kind in der Krippe angebetet und nun werden wir 30 Jahre später an die Ufer des Jordan versetzt. Das heutige Fest führt uns wieder in den Alltag ein, indem wir dem ersten Auftreten Jesu und dem Beginn seines öffentlichen, oft mühevollen Wirkens beiwohnen.

Bei den Festen der Weihnachtszeit geht es um Epiphanie, also um das Hereinscheinen von Gottes Licht in unsere Welt. Wo geschieht dies bei der Taufe Jesu? Wo zeigt sich in diesem Festgeheimnis die Herrlichkeit Gottes? In der Taufe Jesu offenbart sich uns, wer dieser Jesus ist. Dreißig Jahre lang führte er ein unscheinbares Leben als Zimmermann in Nazareth, was, wenn wir ehrlich sind, so gar nicht in unsere Vorstellung vom kommenden Erlöser der Welt passen will. Jetzt tritt Jesus aus der Verborgenheit heraus. Wir hören im Evangelium, wie sich der Himmel öffnet. Der Geist kommt auf Jesus herab und eine Stimme spricht: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ Wir Christen finden hier die erste Offenbarung der Dreifaltigkeit im Neuen Testament.

Wieso aber lässt sich Jesus, der Sohn Gottes, mit der Taufe der Umkehr taufen? Im Evangelium bringt Johannes der Täufer dieses Erstaunen klar zum Ausdruck: „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ Jesus reiht sich äußerlich in die Schar der Sünder ein und erklärt sich mit ihnen solidarisch. In der Taufe taucht Christus, der Sündenlose, das „Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“, in die Tiefe der menschlichen Existenz hinab. Im symbolischen Unter- und Auftauchen der Taufe zeigt sich seine Bereitschaft, die Folge der Sünde auf sich zu nehmen, und sie durch sein Leben, seinen Tod und sein Auferstehen auszulöschen. Wir finden also hier bei der Taufe Jesu gleichsam den Sinn und die Aufgabe seiner Sendung als Erlöser vorgezeichnet.

Das heutige Fest ist aber auch eine Erinnerung an unsere eigene Taufe. Es fragt uns an, was unser Getauftsein für uns konkret bedeutet. „Du bist mein geliebtes Kind, an dem habe ich Gefallen gefunden habe“ – das ist die Verheißung, die auch über unserem Leben steht. In der Taufe schenkt Gott uns Anteil an seinem göttlichen Leben. Als Getaufte tragen wir dasselbe göttliche Leben in uns wie Jesus Christus. Das ist in der Tat staunenswert. Wir sind geliebte Kinder Gottes. Geliebt nicht nur für einen Augenblick, nicht nur für dieses Leben, sondern für die Ewigkeit. Die Taufe ist eine Liebeserklärung Gottes an einen jeden von uns, sie ist sein großes Ja zu jedem Einzelnen. Geben wir eine Antwort auf diese Verheißung, die zu Beginn unseres Lebens steht, mit einem Leben der Hingabe und der Liebe. Wie Jesus sind auch wir als Kinder Gottes in die Welt gesandt, an den Platz, den nur wir ganz persönlich einnehmen können, sei es in der Familie, im Büro oder auf dem Krankenbett. Dort kommt es auf uns an. Wir alle sind gerufen, in unserem Alltag von dieser bedingungslosen Liebe Gottes

Zeugnis zu geben. 

Pia Sommer, Kirchenzeitung Nr. 02 vom 12. Januar 2020


Taufe des Herrn

Auch die Taufe Jesu ist ein Epiphaniegeschehen: Aufleuchten des sich offenbarenden Gottes. Der Vater nennt Jesus, der sich in die Reihe der Sünder gestellt hat, seinen geliebten Sohn. Der Geist Gottes ruht auf ihm, er wird ihn in die Wüste hinausführen, dann nach Galiläa, Jerusalem, Golgota. In der Kraft dieses Geistes wird Jesus sich als Opfer darbringen für die Sünde der Welt.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 8 vom 23.02.2020

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