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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

27.12.2019

Die Kraftquelle gegenseitigen Vertrauens

Foto: Kreitmeir

Foto: Kreitmeir

Manchmal müssen Familien sehr viel aushalten. Da gilt es, starke menschliche Kräfte zu aktivieren, wenn kleinere Kinder da sind, Oma oder Opa gepflegt werden müssen, wenn jemand krank oder behindert ist oder wenn Jugendliche in die Pubertät kommen. All das und manches mehr muss in einer Familie aufgefangen werden.

Aber woher nimmt eine Familie dazu die Kraft? Ist es das Vorbild der heiligen Familie von Nazareth? Oft wurde diese Familie christlichen Eltern als Vorbild oder gar als Idylle hingestellt. Unsere Abb. zeigt eine Darstellung für eine Prozessionsstange aus Ingolstadt-Pettenhofen. Aber war das wirklich so? 

Im Evangelium sieht das ganz anders aus. Da wird das Christkind mit seiner Familie wegen der politischen Situation hin- und hergeschoben. Von Galiläa nach Ägypten, von Ägypten nach Judäa und von Judäa nach Galiläa. Oder die Szene im Tempel, als der 12-Jährige den Eltern widerspricht: „Wusstet ihr nicht, dass ich im Hause meines Vaters sein muss?“ Da spüren wir deutlich die Spannung zwischen der Elternsorge und dem anderen Weg, den der Sohn zu gehen hat.

Solche Spannungen tun sich auch in unseren Familien auf, wenn Eltern ihre Kinder loslassen müssen. Umso wichtiger ist Erziehung. Es muss wohltuend für Eltern sein, wenn laut Umfragen über 80 Prozent der Kinder in den eigenen Eltern jene Personen sehen, denen sie am meisten vertrauen. Dieses gegenseitige Vertrauen ist gewiss eine starke Kraftquelle, aus der Familien schöpfen können.

„Deshalb bekleidet euch mit Güte, Demut und Geduld “ – so heute der Kolosserbrief. Die Schriftlesungen dieses Sonntags erinnern aber auch noch an eine zweite Kraftquelle: Es ist die Gottesbeziehung. Jesus spricht davon, dass es seine Sendung ist, im Haus seines Vaters beheimatet zu sein. Aber auch Maria und Josef können in ihrer eigenen Berufung nur dann bestehen, wenn sie sich auf den Plan Gottes einlassen. Gilt das nicht auch für unsere Familien? „Familien in der Zerreißprobe“, so hieß vor Jahren das Motto zum Sonntag der Familien. In unserer Zeit gibt es immer mehr „Patchwork-Familien“ oder Alleinerziehende, die mit ihren Kindern oftmals auf sich selbst gestellt sind. Da braucht es familienunterstützende Maßnahmen. Entlastend sind jedoch nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Kindergärten und Kindertagesstätten. Denn der gesamten Gesellschaft muss daran gelegen sein, dass Kinder zu starken Persönlichkeiten heranwachsen. Dass Kinder befähigt werden, das eigene Leben zu meistern oder für die alt gewordenen Eltern zu sorgen.

Dazu mahnt die erste Lesung mit dem vierten Gebot: „Wer den Vater achtet, wird lange leben und wer seiner Mutter Ehre erweist, erweist sie dem Herrn!“ Respekt und liebevolle Sorge um die eigenen Eltern erwachsen vor allem aus der Gottesbeziehung. Deshalb wäre es notwendig, dass Familien auch Lernorte des Glaubens sind. Gerade der Glaube und die Gottesbeziehung machen unsere Familien stark in den vielen Belastungen und Zerreißproben des Lebens.

Richard Distler Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 52 vom 29.12.2019


Fest der Heiligen Familie

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 8 vom 23.02.2020

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