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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

17.01.2020

Die Kirche, Licht der Völker

Foto: Erich Kraus

Foto: Erich Kraus

Lumen gentium“, die Kirche, Licht der Völker, so beschreibt das II. Vatikanische Konzil das, was die Kirche sein soll. Aber ist die Kirche das wirklich? Sind wir selbst Licht für andere, Licht für die Welt? Ist das Licht der Weihnacht schon in unsere Herzen gedrungen oder ist es bereits erkaltet und erloschen? Dennoch: Auch wenn es in der Kirche oder in uns oft dunkel ist: Es ist unser aller Berufung, Licht für andere, Licht für die Welt und Licht der Völker zu sein.

Wie aber kommt die Kirche, wie kommen wir selbst wieder zum Leuchten und zum Strahlen? Einen Anschub geben uns die Lesungen dieses Sonntags. Sie verweisen uns auf eine starke Lichtquelle. Das ist Jesus, das Licht der Welt, der Knecht, das Lamm und der Sohn Gottes. So nennt ihn Johannes der Täufer im Evangelium. Doch bereits 400 Jahre zuvor bezeichnet der zweite Jesaja-Prophet das ganze Volk Israel als den „Knecht Gottes“, den Jahwe zum „Licht für alle Völker“ machen möchte. Aber sind das nicht allzu große Hoffnungen? Kam nicht Israel gerade in der Zeit des zweiten Jesaja nach der babylonischen Gefangenschaft wie am Krückstock daher? Gedemütigt, zerrissen, gespalten! Glich da nicht Israel dem ebenso gedemütigten und geschundenen Jesus, dem Knecht Gottes in seiner totalen Erniedrigung am Kreuz? Dennoch machte ihn der Vater zum Licht, zum Messias und Hoffnungsträger für die ganze Menschheit. Auch Israel sollte als das von Gott erwählte Volk „Licht für alle Völker“ sein.

Und die Kirche heute? Sie ist doch das neu erwählte Volk Gottes? Aber liegt sie nicht eher gebeugt und bekümmert als dass von ihr ein faszinierendes Strahlen und Leuchten ausgehen könnte? Und dennoch: Licht auf dem Antlitz der Kirche kommt nicht durch Ruhm, Ehre, Macht, äußeren Glanz, schönen Gewändern oder durch Geld zustande. Eher schon durch gelebte Hingabe, durch Demut, Bescheidenheit, Herzlichkeit und Zeichen der Liebe. Nur so und nicht anders wird die Kirche Christus ähnlich, ihm, dem Lamm und Knecht Gottes. Nur so werden wir zum „Lumen gentium“, zum Licht der Völker.

Doch noch ein anderer Gedanke aus dem Evangelium ist für mich bemerkenswert. Da spricht der Evangelist davon, dass „der Geist auf Jesus herabkam und auf ihm blieb“. Aber was heißt das? Es bedeutet: Jesus ist mehr als nur ein Prophet. Gewiss waren auch viele Propheten in der Menschheitsgeschichte geisterfüllt und geistbegabt. Doch auf Jesus bleibt der Geist Gottes dauerhaft ruhen. Der aber bezeugt ihn als den Sohn des Vaters und als den von Gott Erwählten. An ihm hat der Vater sein Wohlgefallen.

Jesus ist also mehr als nur ein Prophet, etwas anderes als Mohammed, Buddha, Laotse oder Konfuzius? Jesus einmalig und einzigartig in seiner Vaterbeziehung und Gottessohnschaft? Es sind also doch nicht alle Religionen mit ihren Gottesbildern und Gottesvorstellungen total gleich. Glaubwürdig jedoch wird unsere christliche Gottesvorstellung erst dann, wenn etwas von der Größe, Herrlichkeit und Schönheit Gottes aus unseren Herzen strahlt und wir durch ihn zum Licht für andere werden.

Richard Distler, Pfarrer i. R.


2. Sonntag im Jahreskreis

Jesus ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, und er ist der Knecht, den Gott erwählt, in seinen Dienst genommen und zum Licht der Völker gemacht hat. Dass wir sehen und begreifen, was Gott durch Jesus getan hat und dass wir darauf antworten, mit unserem Lied und mit der Tat unseres Lebens, damit ehren wir Gott und helfen ihm, die Welt zu retten..

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 39 vom 27.9.2020

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