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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

31.01.2020

Die Begegnung mit Gott nicht verpassen

Foto: privat

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Genau vierzig Tage nach Weihnachten begehen wir heute ein weiteres Fest der Kindheit Jesu, an dem vielerorts die Kerzen der Christbäume noch einmal entzündet werden: Das Fest der Darstellung des Herrn. 

Dem jüdischen Gesetz entsprechend bringen Maria und Josef das Jesuskind im Tempel von Jerusalem dem Herrn dar und Maria vollzieht das für Mütter vorgeschriebene Reinigungsopfer nach der Geburt. Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Man staunt über die Treue, den Gehorsam und die Ehrfurcht, die dieses Paar bewegen, sich dem Gesetz zu unterwerfen – vielleicht ganz anders, als wir das gemacht hätten. Ist es für Eltern des Sohnes Gottes denn notwendig, sich dem Gesetz zu unterstellen? Sie opfern ihren Erstgeborenen dem Herrn auf, um ihn dann nach einem vorgeschriebenen Opfer wieder „auszulösen“ – wohlwissend, dass ihr Sohn gerade dazu in die Welt gekommen ist, um sich für die Menschen als endgültiges Erlösungsopfer selbst hinzugeben. Und wovon hätte sich Maria, die voll der Gnade war, selbst nach alttestamentlichem Verständnis, reinigen sollen?

In der Ostkirche wird der heutige Tag als Fest der Begegnung begangen: Es begegnen sich der alte Bund, repräsentiert durch Simeon und Hanna, und der neue Bund: der Messias und seine Eltern; es begegnen sich die prophetische Verheißung und die angebrochene Erfüllung, das Licht und die Finsternis, Christus und die Welt. Eng verbunden ist mit diesem Fest im Westen die Kerzenweihe, die in der älteren volkstümlichen Bezeichnung des heutigen Tages, Mariä Lichtmess, zum Ausdruck kommt und ein weiteres Geheimnis dieses Festes aufstrahlen lässt: Wie die Kerze die Dunkelheit erleuchtet, so ist Christus das Licht der Welt.

In seinem Lobgesang offenbart Simeon den schwachen Säugling als „Licht zur Erleuchtung der Heiden und Heil für das Volk Israel“, als „ein Zeichen, dem widersprochen wird“. Auch in unserem Leben kommt es auf diese Begegnung mit Christus, dem Licht der Welt, an, durch die in unseren Herzen das Heil angebrochen und ein Licht aufgegangen ist, ein Licht, das nicht nur für sich brennen soll, sondern das uns geschenkt ist, um Licht und Wärme für die Welt zu sein.

Ein weiteres kleines Detail fällt bei dem heutigen Ereignis ins Auge: Keiner der anwesenden Priester oder Schriftgelehrten erkennt in dem Kind dieses äußerlich unscheinbaren jungen Paares den erwarteten Messias. Nur Simeon und Hanna, sind imstande, in ihm den Retter der Welt zu sehen. Unsere Abb. zeigt eine Darstellung aus der Pfarrkkirche von Bruneck. Nur sie können sich von ihren eigenen Vorstellungen des ersehnten Messias lösen und den Einsprechungen des Heiligen Geistes treu folgen, selbst wenn diese den menschlichen Kriterien und Maßstäben widersprechen.

Wie oft „verpassen“ auch wir in unserem Alltag die Begegnung mit Gott, der sich uns in unerwarteter Gestalt, in einem ungeeigneten Augenblick nähert – in einer unvermuteten Begegnung, einem Wort, einem Ereignis, aber auch in den kleinen Widrigkeiten des Alltags, in denen wir auf die eigentlichen Motive unseres Handelns und das wirklich Wichtige aufmerksam werden könnten, die aber unsere eigenen Pläne oft durcheinanderbringen. Gott ist oft anders, als wir Menschen es uns vorstellen.

 

Pia Sommer, Kirchenzeitung Nr. 05 vom 2. Februar 2020


Darstellung des Herrn

Seht, Christus, der Herr, kommt in Macht und Herrlichkeit, er wird die Augen seiner Diener erleuchten. Halleluja.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 8 vom 23.02.2020

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