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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

27.05.2020

Der Heilige Geist – der große Unbekannte?

Foto: Leiter

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Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wer der Heilige Geist eigentlich ist und wozu wir ihn „brauchen“? Während es uns bei Gott Vater und Gott Sohn irgendwie einleuchtet, welche Beziehung wir zu ihnen haben, wie wir zu ihnen beten können und was sie für uns gemacht haben, bleibt die Person des Heiligen Geistes für uns unkonkret und unpersönlich. Nicht von ungefähr gilt der Heilige Geist als „der große Unbekannte“. Pfingsten nun ist das Fest des Heiligen Geistes – Anlass genug, um sich Gedanken über den Heiligen Geist zu machen.

Mit der Himmelfahrt Christi enden die Erscheinungen des Auferstandenen und damit auch die „greifbare“ Art der Gegenwart Jesu Christi bei seinen Jüngern. Aber Christus ist nun nicht einfach abwesend, im Gegenteil. Mit dem Pfingstfest, mit der Gabe des Heiligen Geistes, beginnt eine neue Phase der Präsenz Christi unter den Menschen: Christus ist nicht mehr mit einem menschlichen Leib unter ihnen, der vielerlei Beschränkungen unterworfen ist, sondern auf eine neue, intensivere Weise, die der Heilige Geist bewirkt. Der Heilige Geist macht Jesus Christus und seine Erlösung den Menschen aller Zeiten und Orte gegenwärtig. Die wahrhaftige Begegnung mit Jesus Christus ist also nicht nur auf das Palästina vor 2.000 Jahren beschränkt, sondern auch jedem Einzelnen von uns möglich – eben durch den Heiligen Geist – und zwar in den Sakramenten der Kirche, im Wort Gottes, im Nächsten, im eigenen Herzen. 

Durch den Heiligen Geist wohnt Jesus Christus mit dem Vater in unserem Herzen. Der Heilige Geist ist die Liebe, die den Vater mit dem Sohn und uns zugleich mit ihnen vereint. Der Heilige Geist ist der Gast, der in unseren Herzen wohnt und immer bei uns bleibt. Durch den Heiligen Geist können wir auch heute noch Christus wahrhaftig begegnen und die Kraft seiner Auferstehung in unserem Leben wirksam erfahren. 

Der spanische Kirchenlehrer Johannes von Avila hat diese Aufgabe des Heiligen Geistes in ein anschauliches Bild gebracht: Es sei ähnlich wie bei der Heilung eines Kranken. Es nützt nichts, wenn man eine heilbringende Medizin sehr teuer erworben hat, der Kranke sie dann aber nicht einnimmt. In ähnlicher Weise nützt uns die Erlösung Christi vor 2.000 Jahren nichts, wenn wir sie nicht persönlich annehmen. Ein Stein kann jahrelang im Wasser liegen, sein Inneres wird trotzdem nicht nass, weil er nicht durchlässig ist. 

Es liegt nicht an der Menge des Wassers, sondern an der Beschaffenheit des Steins. Jesus hat alle Menschen in Überfülle erlöst, doch liegt es an jedem Einzelnen, die Erlösung im eigenen Herzen anzunehmen und im Leben fruchtbar zu machen. Und hier kommt der Heilige Geist ins Spiel. Er hilft uns dies zu tun, wenn wir ihn denn empfangen wollen und ihm unser Herz öffnen. Dabei sind wir in unserer Freiheit gefragt, ob wir wie ein Stein die Botschaft Christi von uns abperlen lassen, oder uns von ihr wie ein Schwamm bis ins Innerste durchdringen lassen. 

Bitten wir also den Heiligen Geist, dass er in unsere Herzen kommt, dass er uns hilft, die Botschaft Christi zu verstehen, dass er uns die Weisheit schenkt, wie wir sie in unserem Alltag umsetzen können und dass er uns mit seiner Kraft stärkt, den monotonen Alltag mit Liebe zu erfüllen.

Pia SommerKirchenzeitung Nr. 22 vom Pfingstsonntag (zum Evangelium Joh 20, 19-23)


Lesungen zum Pfingstsonntag

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 27 vom 5.7.2020

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