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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

13.12.2019

Boten der Freude sein – nicht nur im Advent

Foto: Erzbistum Bamberg

Erlöst aussehen – wie diese Figuren im Tympanon des Fürstenportals des Bamberger Doms.       Foto: Erzbistum Bamberg

Schon allein äußerlich hebt sich der 3. Adventssonntag von den übrigen ab: Das dunkle Violett der liturgischen Farbe ist durch das Weiß des nahenden Weihnachtsfestes zu einem Rosa aufgehellt, das sich in den priesterlichen Gewändern zeigt. Die Freude über unsere Erlösung prägt diesen Sonntag und hat ihm sogar einen entsprechenden Namen gegeben: Gaudete! „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe“, so lauten die Verse aus dem Philipperbrief im heutigen Eröffnungsvers der Heiligen Messe.

Freude ist die eigentliche Grundhaltung des Christen. Es geht nicht nur um die Freude, dass Weihnachten, und damit Tage des Urlaubs oder die Bescherung nahe sind, sondern um eine viel tiefere Freude, die auch in den vielfältigen Bedrängnissen unseres Lebens nicht unterzukriegen ist. Es geht um die Freude, dass Gott für uns Mensch geworden ist, um immer bei uns zu sein.

Der Herr ist nahe! Gott will nicht nur aus der Ferne, sozusagen im „Himmel“, über unser Leben „herrschen“, sondern er will an unserem täglichen Leben, als persönlicher Freund Anteil an unseren Nöten, Freuden, am oft so monotonen Alltag nehmen. Darum wird er Mensch: um uns immer nahe zu sein und uns zu seinen Geschwistern zu machen – weil er uns liebt.

„Selig, wer an mir keinen Anstoß nimmt!“ so hören wir heute im Evangelium Jesus sagen. - Denn auch im Evangelium geht es um die Frage, wer dieser Christus, der Verheißene, der Kommende eigentlich ist. 

Die Frage des Johannes „Bist du der, der kommen soll?“ zeigt schon damals die Unsicherheit über das so andersartige Auftreten des Christus. Jesus entspricht nicht den Vorstellungen des Kommenden, des Richters, des Mächtigen. Christus ist der Barmherzige, der den Armen das Evangelium bringt. Ihm folgen nicht die Mächtigen, seine Botschaft findet oft bei den Kleinen Gehör. Er verbreitet sein Reich nicht mit Gewalt, sondern wartet auf die offenen Herzen der Menschen. Und doch erfüllt Christus gerade in diesem Tun die Verheißung über die anbrechende Heilszeit des Propheten Jesaja. Es ist eine Herrschaft der Liebe, nicht der Macht.

Das heutige Evangelium beantwortet aber nicht nur die Frage: Wer ist Jesus Christus? Auch die Frage nach Johannes dem Täufer wird gestellt. Johannes ist der vorausgesandte Bote, der den Weg bahnen soll. Er ist der Prophet, der Größte unter den Menschen. Wie ungeheuerlich aber ist es zu hören, dass der Kleinste im Himmelreich größer ist als dieser Gigant des Alten Bundes. Durch die Menschwerdung Gottes ist uns eine andere Qualität des Heils geschenkt worden. Wir heißen nicht nur Kinder Gottes, sondern wir sind es!

„Die Christen müssten mir erlöster aussehen“ so hat der Philosoph Friedrich Nietzsche über die Christen seiner Zeit geurteilt. Diese Anfrage stellt sich uns allen: Ist diese Frohe Botschaft des nahen und liebenden Gottes in unserem Herzen angekommen – auch in unserem Gesicht? Papst Franziskus lädt uns in seinem Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland dazu ein, unser Hauptaugenmerk darauf zu richten, wie wir diese Freude wiedergewinnen und mitteilen können. Lassen wir unser Herz in diesen Tagen von der Freude über diesen nahen und liebenden Gott erfüllen. Dann können wir Boten dieser Freude sein– nicht nur in der Adventszeit.

Pia Sommer, Kirchenzeitung Nr. 45 vom 15. Dezember 2019


Dritter Adventssonntag

Warten auf einen Menschen, ein Ereignis, ein Fest verändert unser Leben. Wir sind anders, froh und bange zugleich. Wird es geschehen? Wird er kommen? Wie wird es sein? Werden wir uns verstehen?

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 8 vom 23.02.2020

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