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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

17.06.2020

Bei uns sind die Haare auf dem Kopf gezählt

Foto: pixabay/congerdesign

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Fürchtet euch nicht vor den Menschen! 

Dreimal ruft Jesus uns im heutigen Evangelium dazu auf, keine Angst vor den Menschen zu haben. Wie gut kennt uns der Herr. Wir alle haben Angst. Angst vor dem Urteil unserer Mitmenschen, Angst vor Misserfolg, Angst um unseren guten Ruf ... Jesus fordert uns zur Furchtlosigkeit auf. Er rückt unseren Blick auf uns und die Welt wieder zurecht und schenkt uns damit Freiheit. Der eigent-liche Maßstab unseres Handelns, diejenige Person, vor der wir uns letzten Endes verantworten müssen, ist nicht irgendein Mensch. Die Menschen sagen heute dies und morgen das. Unser Maßstab ist Gott. Wir sind das, was wir vor Gott sind – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir dürfen unser Leben aus einer viel umfassenderen Perspektive betrachten: im Licht der Ewigkeit, in dem unser Leben und der „Erfolg“ unseres Tuns eine andere Bedeutung erhält. Nicht Furcht vor den Menschen soll daher unser Handeln bestimmen, sondern der Blick auf Gott, der Blick auf das Gute und die Wahrheit. Das macht uns in unserem Handeln frei und sprengt die engen Gedankengebäude, die uns so oft einschränken.

Noch einen Schritt weiter geht Jesus im heutigen Evangelium: Er fordert uns auf, ihn freimütig zu bekennen und seine Botschaft zu verkünden. Der Glaube ist also nicht nur für das stille Kämmerlein gedacht, er soll von den Dächern verkündet werden. Damit ist wohl nicht gemeint, dass wir nun alle zu Marktpredigern werden sollten. Der heilige Franziskus gab seinen Brüdern einen weisen Rat: „Verkündet das Evangelium, und wenn es nötig ist, dann auch mit Worten.“ Entscheidend ist also unser authentisches Lebenszeugnis, das in aller Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit Gott widerspiegeln soll. Scheuen wir uns auch nicht, anderen von unseren Erfahrungen mit Gott in unserem Leben zu erzählen: unserer Freundin, die Sorgen hat, oder einem Arbeitskollegen, der einen Rat sucht. Da geht es nicht um theologisches Wissen, sondern um Glauben, der real und berührbar wird.

Jesus macht freilich keinen Hehl daraus, dass wir mit seiner Botschaft auch immer wieder anecken werden. Warum ist das so – wo sie doch die frohe Botschaft ist? Die Botschaft Christi zu leben, ist immer unbequem und fordert von uns tagtäglich einen Neubeginn. Die Botschaft Christi ruft die Menschen auf, nach immer größerer Liebe zu streben, alles abzulegen, was dieser Liebe entgegensteht – was freilich andererseits ein „Nein“ zu unserer Bequemlichkeit, unserem Egoismus und unseren fehlgeleiteten Leidenschaften bedeutet. Dass dies auf Widerstand stößt – auch in uns –, ist selbstverständlich. Doch liegt hier der Weg zur Erfüllung unserer Sehnsucht, zur wahren Selbstverwirklichung und zum wahren Glück.

Das Bekenntnis zu Gott in unserem Alltag ist nicht einfach. Und da ist es wunderbar, dass Gott uns in diesem Evangelium einen der schönsten Zusprüche gibt: Bei uns sind die Haare auf dem Kopf gezählt! Gott kümmert sich sogar um das Unwichtigste in unserem Leben! Wie klein und unbedeutend ist ein Haar – und wie viele fallen uns tagtäglich aus – doch Gott ist keines dieser Details egal! Fürchten wir uns also nicht. Denn er denkt jederzeit an uns.

Pia SommerKirchenzeitung Nr. 25 vom 12. Sonntag im Jahreskreis (zum Evangelium Mt 10, 26-33)


12. Sonntag im Jahreskreis

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 27 vom 5.7.2020

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